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   18.06.2004 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Cold Mountain" - Der Bürgerkrieg
 
 

In diesem Teil befassen wir uns mit dem geschichtlichen Hintergrund des Films "Unterwegs nach Cold Mountain". Wann und wo genau fand der amerikanische Bürgerkrieg statt? Wie war es zu dieser Zeit? Die folgenden Berichte sollen helfen, einige eurer Fragen zu beantworten.

Cold Mountain und der amerikanische Bürgerkrieg

Die Reise von Inman, Ada und Ruby in "Unterwegs nach Cold Mountain" spielt sich am Ende des amerikanischen Bürgerkriegs ab, als viele Amerikaner auf beiden Seiten desillusioniert waren von den brutalen Kampfhandlungen, die das Land verwüstet hatten. Sie sehnten sich nach der Rückkehr zu einem besseren Leben. Obwohl der Roman "Unterwegs nach Cold Mountain" von Charles Frazier fiktive Ereignisse erzählt, gehen die Hauptfiguren auf Fraziers eigenen Vorfahren zurück. Auch die Alltagswirklichkeit jener Männer und Frauen, die versuchten, diesen Krieg irgendwie zu überstehen, floss in den Text ein. Die Figur Inman ist an Charles Fraziers Ururonkel W. P. Inman orientiert. Der Konföderiertensoldat wurde in der Schlacht von Petersburg verwundet. Er machte sich von einem Lazarett in Virginia aus zu Fuß auf den 300 Meilen langen Heimweg nach Cold Mountain, North Carolina. Dort stellte ihm die Bürgerwehr von Teague nach. Alle Ereignisse von "Unterwegs nach Cold Mountain" beruhen also auf historischen Tatsachen.

Überblick über den amerikanischen Bürgerkrieg

Mehr als drei Millionen Menschen kämpften im "Civil War", dem amerikanischen Bürgerkrieg, der bis heute der blutigste und verlustreichste Konflikt in den Vereinigten Staaten war. Dieser Krieg veränderte unwiderruflich das Leben eines jeden Betroffenen, der Soldaten ebenso wie ihrer Ehefrauen, der Farmer oder Sklaven. Mehr als 620.000 Tote, über zwei Prozent der damaligen US-Bevölkerung, starben im Kampf. Es war der erste Kontakt der Amerikaner mit dem modernen Krieg. Bis heute scheint die Zahl der Amerikaner, die sich damals bekämpften und umbrachten, unvorstellbar groß. Dennoch führten erst die Ereignisse des Civil War zur hart erkämpften Einigung des Landes. Der amerikanische Bürgerkrieg begann 1861, kurz nachdem mit Abraham Lincoln ein erklärter Gegner der Sklaverei zum Präsidenten gewählt worden war. Norden und Süden des Landes waren geteilt durch enorme ökonomische, politische und soziale Gräben. Der Süden war hauptsächlich landwirtschaftlich strukturiert, im Norden schritt die Industrialisierung rasch voran. Das Land war gespalten, unter anderem in Bezug auf die Sklaverei, die in den Nordstaaten schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden war, während sie weiter zentrales Element der sozio-ökonomischen Strukturen der Südstaaten blieb. Lincoln hoffte, die zunehmend in Auflösung begriffene Union ohne Krieg zusammenhalten zu können. Im Dezember 1860 entschied sich South Carolina, das in der Wahl Lincolns eine Gefahr für seine Lebensweise sah, zu einem drastischen Schritt: Es spaltete sich von der Union ab. Sechs weitere Staaten schlossen sich bald der Sezession an: Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Später folgten Virginia, Arkansas und Tennessee. North Carolina war der letzte Staat, der sich von der Union lossagte. Zusammen bildeten sie die Konföderierten Staaten von Amerika und wählten Jefferson Davis auf sechs Jahre zu ihrem Präsidenten. Lincoln nahm seine Amtsgeschäfte trotzdem in der Hoffnung auf, den Konflikt friedlich lösen zu können (er formulierte in seiner Antrittsrede: "Wir dürfen nicht zu Feinden werden. Auch wenn die Leidenschaft uns erfasst hat, darf sie unsere Bande der Zuneigung nicht zerreißen"), weigerte sich aber, in der Frage der Sklaverei nachzugeben. Im April 1861 eröffneten die konföderierten Truppen das Feuer auf ein Schiff der Union, das im Hafen von Charleston entladen wurde. Die Feindseligkeiten hatten offiziell begonnen. Lincoln ließ 75.000 Soldaten zunächst für 90 Tage einberufen, aber die Situation eskalierte weiter. Denn beide Seiten beanspruchten für sich, die Verfassung verteidigen zu wollen. Bald kämpften Zehntausende Amerikaner gegeneinander, von Florida bis nach Norden in Vermont und weit im Westen an den Grenzen von New Mexico. Millionen kämpften und Tausende starben, oft elendig an Hunger und Krankheiten ebenso wie an Kriegswunden, die die Medizin noch nicht wirksam zu behandeln wusste.

Etappensieg und doch kein Ende der Kämpfe

1862 schöpfte die Union Hoffnung, als in der Schlacht von Antietam die Streitkräfte von General Robert E. Lee zurückgedrängt werden konnten. Die tödlichste Schlacht in der Geschichte Amerikas (26.000 Mann wurden an diesem Tag als gefallen oder vermisst gemeldet) führte zu Lincolns Erklärung: "Alle Personen, die in den Südstaaten als Sklaven gehalten werden, sind mit sofortiger Wirkung frei." Dennoch standen noch zwei weitere Jahre Krieg bevor. Siege der Union bei Gettysburg und Vicksburg 1863 verschärften den Konflikt und ein Jahr später begann die Union massiv und koordiniert gegen die Konföderierten vorzugehen. Die Verluste in den folgenden, aufreibenden Schlachten erreichten grausige Höhen.
Am 9. April 1865 schließlich kapitulierte General Lee und unterstellte seine Truppen im Appomatox Court House dem Kommando von General Ulysses S. Grant. In Washington brachen spontane Freudenfeiern aus und die Stars and Stripes wurden in einer Zeremonie in Fort Sumter gehisst. Nur Tage später wurde Präsident Abraham Lincoln während einer Theateraufführung angeschossen. Sein Tod wenige Tage später beendete dieses tragische Kapitel amerikanischer Geschichte mit einem ebenso düsteren Schlussakkord. Der Kongress verabschiedete danach zwei Verfassungszusätze: den 14. Verfassungszusatz, mit dem die Sklaverei verboten wurde, und den 15., der Schwarzen das Wahlrecht verlieh. Der Krieg war zwar zu Ende, aber es bedurfte einer enormen gemeinsamen Anstrengung, die Schäden zu beheben, die die Kämpfe an der Infrastruktur, der Landschaft und auch der Seele des Landes angerichtet hatten. Bis 1877 besetzten Unionstruppen in der so genannten Rekonstruktionszeit den wirtschaftlich ruinierten Süden. Auch wenn die Einheit gerettet werden konnte, der Preis dafür war unvorstellbar hoch.

Krieg in den Bergen von North Carolina

Kein Teil der Nation blieb vom Krieg unberührt, aber auf die Farmer in den ländlichen Appalachengebieten waren die Auswirkungen extrem, wie Charles Frazier schon als Kind lernte. Für die friedlichen, abgelegen wohnenden Menschen war dieser Krieg die Begegnung mit der Hölle. Statt sich gegenseitig im Kampf gegen die Natur zu helfen, sahen sie sich in Bruderkämpfe verwickelt. North Carolina schloss sich im Mai 1861 als letzter Südstaat den Konföderierten an, nicht zuletzt deshalb, weil die Bevölkerung des Staates gespalten war in Bezug auf die entscheidenden politischen Fragen. Trotzdem ließen nach dem Beitritt mehr als 40.000 Bürger des Staates ihr Leben im Kampf. Viele der Soldaten wurden zwangsrekrutiert, besonders die Armen hatten keine Chance, dem Einzug zu entgehen. Diese Männer, die nie zuvor von zu Hause weg gewesen waren, kämpften jetzt auf Schlachtfeldern Hunderte von Meilen von der Heimat entfernt. Während die Männer aus den Bergregionen ausgelaugt an der Front ausharren mussten, terrorisierten Guerilleros und Diebesbanden die zurückgelassenen Frauen und Kinder. Sie stahlen alles, was nicht niet- und nagelfest war von den ohnehin schon heruntergekommenen Farmen. Schließlich riskierten viele der Soldaten ihr Leben und desertierten, um zu ihren Liebsten zurückzugelangen. North Carolina hatte die höchste Deserteursquote der konföderierten Truppen. Und es kam häufig vor, dass diese Soldaten so wie Inman über lange Strecken in die Heimat wanderten und sich dabei vor den Bürgerwehren verstecken mussten.

Die Bürgerwehren

Auch Teague ist eine der historisch belegten Figuren in "Unterwegs nach Cold Mountain". Der Anführer der Bürgermiliz ("Home Guards") verfolgt Inman, als er wieder in Cold Mountain ist, um ihn als Deserteur zu stellen. Laut Charles Frazier gab es einen historisch verbrieften Teague, der die Bevölkerung von Cold Mountain zugleich terrorisierte und beschützte. Während seiner Amtszeit tötete er mehrere Männer, die er für Deserteure hielt. Die Bürgerwehren, sowohl auf Unions- als auch auf Konföderiertenseite, wurden zu einem wichtigen Faktor im Bürgerkrieg. Als das Chaos in Städten und Ortschaften regierte, sollten sie helfen, die Heimatfront zu verteidigen. Viele Mitglieder dieser Milizen waren entweder zu jung oder zu alt, um an der Front zu dienen. Das Alter ihrer Kämpfer reichte von Teenagern bis zu 70-Jährigen. Weil viele Milizionäre über 50 Jahre alt waren, nannte man sie auch die "Graubart-Einheiten". Aber ob alt oder nicht, die Home Guards waren gefürchtet und für viele Verluste an Menschenleben verantwortlich. Eine ihrer Hauptaufgaben war die Verteidigung von Farmen gegen so genannte "Bushwackers", Herumtreiber und Deserteure, die sich zu Guerillaeinheiten zusammenschlossen und die Häuser ehemals wohlhabender Landbesitzer ausraubten. Manchen der Home Guards, wie Teague und seiner Truppe, eilte ein fürchterlicher Ruf voraus. Sie übten Selbstjustiz und richteten vermeintliche Deserteure ohne Verfahren auf der Stelle hin. Weil die Regeln der zivilisierten Gesellschaft außer Kraft gesetzt waren, wurde die unkontrollierte Macht, die Männer wie Teague innehatten, zu einer Gefahr.


   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
  Links zum Artikel:
  www.movie.de
  Special: "Cold Mountain" - Daten und Fakten
  Special: "Cold Mountain" - Inhalt und Bilder
  Special: "Cold Mountain" - Produktionsnotizen
 

    
 

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