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   16.01.2006 - Rubrik: Hardware  
  Analyse und Prognose: HD-DVD oder Blu-ray?
 
 

Im Kampf um den DVD-Nachfolger und das Speichermedium für HDTV stehen sich ja bekanntlich zwei Speichermedien gegenüber, deren Namen mittlerweile auch jenen bekannt sein sollten, die eventuell noch gar nicht zum potenziellen Kundenkreis der Formate zählen: die Blu-ray Disc und die HD-DVD. Das eine Medium entwickelt von einem Konsortium unter Federführung des japanischen Konzerns Sony, das andere von Toshiba vorangetrieben. Längst ist der sich seit zwei Jahren abzeichnende "Formatkrieg" ausgebrochen, Gefangene werden nicht gemacht und Kollateralschäden - wie z.B. die Wünsche des Publikums bzw. der Käufer - sind in einem Krieg eben unvermeidlich.

K u r z v e r g l e i c h der beiden F o r m a t e

Beide Formate haben ihre Vor- und Nachteile, wobei zumindest in technisch-inhaltlicher Sicht wahrscheinlich die HD-DVD die zurzeit bessere Variante ist. So ist die interaktive Oberfläche iHD bereits fertig gestellt, während das Blu-ray-Pendant, BD-J, noch nicht vollends entwickelt scheint. Ja, es gibt sogar schon Programme, die es erlauben, HD-DVDs auf z.B. Macs zu erstellen. Und für den Kunden hätte die HD-DVD eventuell den Vorteil, dass der bei der DVD so lästige Ländercode fallen könnte. Zumindest kursieren diese Gerüchte im Web. Im Moment wird bei der Blu-ray Disc noch von einem drei-stufigen Ländercode ausgegangen, der in Grundzügen die Aufteilung der bisherigen DVD-Regionen übernehmen und anpassen würde. Wobei die Sinnhaftigkeit dieser Anpassung hinterfragt werden darf, würden doch im Moment Hochpreis- und Billig-Länder den gleichen Code erhalten, was den Zweck eines Ländercodes - nämlich genau solche Billig-Importe zu verhindern - ein wenig pervertieren würde. Bei der Speicherkapazität, der formal-technischen Sicht, hat wiederum die Blu-ray Disc in einigen Bereichen die Nase vorn. Eine einschichtige Blu-ray Disc kann 25 GB, eine zweischichtige schon 50 GB speichern. Die HD-DVD fängt bei bescheidenen 15 GB an und lässt sich bei doppeltem Layer mit 30 GB füllen. Wobei natürlich gesagt werden muss, dass bei beiden Medien die Entwicklung stetig vorangetrieben wird. So sind im Moment 100 GB fassende HD-DVDs, als auch Blu-ray Discs in Vorbereitung bzw. Fertigstellung.

Ein anderer formal-technischer Aspekt, der Zeitpunkt der ersten Auslieferung, könnte allerdings die HD-DVD begünstigen. So werden die ersten HD-DVD-Player im März in den USA an den Start gehen, während die ersten Blu-ray-Player für den Zeitraum von April bis Juni angekündigt sind. Erste Titel werden dementsprechend erst Anfang Sommer erwartet, wenn es HD-DVDs schon seit einigen Monaten im Handel geben wird. Hinzu kommt noch, dass es Gerüchten zufolge bei der Fertigung von Blu-ray Discs zu Verzögerungen kommen könnte. Auch bezüglich der Kosten scheint die HD-DVD besser aufgestellt zu sein. Zwar liest man überall, dass die HD-DVD in der Herstellung so viel günstiger sei - u.a. Grund dafür ist bzw. soll sein, dass bestehende DVD-Produktionsanlagen leicht adaptierbar sein sollen -, konkrete Zahlen sind jedoch nicht bekannt. Außerdem dürfte die Hardware zumindest am Anfang bei der HD-DVD günstiger sein. Der erste HD-DVD-Player soll um die 500 US$ kosten, Blu-ray Disc-Player werden zumindest am Anfang deutlich darüber liegen. Allenfalls die PS3 als Blu-ray-Player dürfte wohl ebenfalls um die 500 US$ kosten, wobei zurzeit weder ein Veröffentlichungstermin, noch ein Startpreis bekannt ist. Man munkelte auf der CES aber von einem Starttermin im Mai in den USA.

Überall ist auch davon zu lesen, dass im Moment der Ausgang des Formatstreits nicht vorher zu sagen sei. Das mag bis zu einem gewissen Grad sicher stimmen, der Autor dieses Artikels ist aber doch der Meinung, dass man zumindest einige Dinge prognostizieren kann. So hat Sony angekündigt, dass die noch 2006 in den USA startende PS3 ein Blu-ray-Laufwerk beinhalten wird und man somit für relativ schmales Geld einen Blu-ray Disc-Player bekommen wird. Wenn wir hier von wenig Geld reden, handelt es sich natürlich trotzdem um Preiskategorien um die 500 US$ - ein Schnäppchen wird also auch die PS3 nicht werden. Wenn sich die PS3 auch nur zu einem gewissen Prozentsatz so gut verkauft wie die PS2, hätte das Blu-ray-Konsortium es geschafft, binnen überschaubarer Zeit viele Haushalte mit einem funktionstüchtigen Blu-ray-Player auszustatten. Auf der anderen Seite wird es für die Xbox 360 ein HD-DVD-Laufwerk optional geben. Wie viele Käufer tatsächlich noch einmal eine Stange Geld zusätzlich zur schon nicht billigen Xbox 360 auf den Tisch legen werden, lässt sich heute noch nicht absehen. Man wird aber wohl vorhersagen können, dass auf diesem Weg weit weniger HD-DVD-Laufwerke Verbreitung finden werden als Blu-ray-Laufwerke über die PS3.

V e r s c h i e d e n e S z e n a r i e n sind möglich

Dass Sony die Blu-ray Disc für die PS3 einsetzen wird, lässt aus Sicht des Autors auch eine weitere Prognose zu: die Blu-ray Disc wird nicht vom Markt verschwinden. Wieso sollte sie auch? Im Gegensatz zur HD-DVD wird die Blu-ray Disc von allen Filmstudios unterstützt und für Sony ist die Blu-ray Disc ein derartiges Prestige-Produkt, dass man es sicherlich nicht fallen lassen wird. In Japan gibt es ja bereits seit 2003 Blu-ray-Rekorder, wenngleich diese im Gegensatz zu den Blu-ray-Playern nur MPEG2 können und zur Aufnahme von HDTV verwendet werden, das in Japan ja bereits über die Hausantenne empfangbar ist. Es scheint unzweifelhaft, dass Sony an der Blu-ray Disc unter allen Umständen festhalten wird. Nicht umsonst ist es zu keiner Einigung auf ein einheitliches Format gekommen.

Dies wiederum lässt schon erahnen, wie der Formatstreit beendet werden könnte. Unter der Annahme, dass die Blu-ray Disc nicht vom Markt verschwinden wird, ergeben sich im Wesentlichen zwei Szenarien. Im ersten Szenario verschwindet die HD-DVD mittelfristig vom Markt. Sollte es dabei bleiben, dass nur ein Teil der Filmstudios die HD-DVD mit Filmen unterstützt, gäbe es im Grunde für den Käufer keinen Grund, sich einen HD-DVD-Player zuzulegen. Eventuell müsste er auf den ersten Blu-ray-Player ein paar Monate länger warten, dafür könnte er bei der Blu-ray Disc sicher sein, dauerhaft von allen Studios mit Filmen versorgt zu werden.

Das zweite Szenario würde von einer Koexistenz der beiden Formate ausgehen. Dieses Szenario ist dann möglich bzw. wahrscheinlich, wenn viele "early adaptors" im März bzw. in den darauf folgenden Monaten zu einem HD-DVD-Player greifen, um überhaupt irgendein HDTV-Material zu bekommen. Für 500 US$ Einstiegspreis sicher kein billiges Vergnügen, aber billig hat das DVD-Vergnügen schließlich auch nicht angefangen. Was spricht gegen diese Variante? In den USA und Japan besteht im Grunde kein unmittelbarer Bedarf nach einem HDTV-Speichermedium. Natürlich hätte der Besitzer eines HDTV-Gerätes ein solches Medium gerne, einige Monate Durststrecke bis zum flächendeckenden Start der Blu-ray Disc ließe sich aber durchaus aushalten. Immerhin gibt es in den USA und Japan bereits seit Längerem praktisch unbegrenzte HDTV-Angebote. Ob Free-TV oder Pay-per-View, ob Film, Dokumentation oder Sport – wer in den USA einen HDTV-fähigen Fernseher oder Beamer hat, braucht sich um Versorgung mit Inhalten keine große Sorge zu machen. Dennoch darf man dieses Szenario nicht komplett abschreiben. Sollten sich nämlich die ersten HD-DVD-Player wirklich sehr gut verkaufen und auch die ersten HD-DVDs wie die "warmen Semmeln" weggehen, ist ja immerhin nicht auszuschließen, dass nicht vielleicht doch noch andere Studios auch Titel für die HD-DVD vorstellen würden. Sollte sich dieses Szenario abzeichnen, gäbe es wohl mittelfristig Kombi-Player, die sowohl HD-DVD als auch die Blu-ray Disc und natürlich die DVD abspielen würden. So ähnlich wie es heute DVD-Audio- und SACD-Player gibt. Auch der Chef von Warner Home Video spricht von der Möglichkeit der Koexistenz beider Formate und verweist dabei auf den Spielkonsolen-Markt, wo ja auch keiner sagen würde, dass sich entweder die Playstation oder die Xbox als alleinige Gaming-Plattform durchsetzen wird. Wenngleich der Vergleich in mancher Hinsicht hinkt, gibt diese Analogie des Warner-Chefs dennoch den Blick frei auf die Sichtweise zumindest eines Teils der Industrie.

Eher unwahrscheinlich scheint ein potenzielles drittes Szenario. Hier würden sich in einigen Jahren die beiden Hardware-Konsortien "zusammenraufen" und doch noch ein einheitliches Medium vorstellen. Doch gerade gegen diese Variante sprechen mehrere Dinge. Da wäre zum einem, dass Sony wohl an der Blu-ray Disc festhalten wird, so wie der Konzern schon an anderen Entwicklungen festgehalten hat, die am Massenmarkt nicht unbedingt wohlwollend angenommen worden sind. So ist der Sony Memory Stick heute eine feste Größe am Markt, wenngleich der Stick fast nur bei Sony-Produkten zum Einsatz kommt. Aufgegeben hat Sony den Memory Stick aber dennoch nicht. Zum anderen wäre die Verärgerung der Kunden wohl so groß, dass ein HDTV-Speichermedium vielleicht für das nächste Jahrzehnt gestorben wäre. Selbst wenn man davon ausgeht, dass das einheitliche Medium sowohl das neue einheitliche Medium, als auch die Blu-ray Disc, die HD-DVD und die DVD abspielen können würde, müsste wohl zumindest neue Hardware angeschafft werden. Die Verärgerung bei jenen, die vorher entweder auf die HD-DVD oder Blu-ray Disc gesetzt hätten, ließe sich wohl erahnen.

Welche Rolle wird der PC-Markt für den Durchbruch im Heimkinobereich spielen? Aus der Sicht des Autors dieses Artikels keine wesentliche. Sowohl die HD-DVD als auch die Blu-ray Disc wurden primär für den Heimkinomarkt entwickelt, der Aspekt eines PC-Speichermediums hat nur sekundäre Bedeutung. Und auch wenn Microsoft ankündigt, dass die Blu-ray Disc nicht in zukünftige Windows-Versionen implementiert werden wird, darf wohl kein Zweifel daran bestehen, dass man Blu-ray Discs wohl in jedem Fall auch auf PCs wird abspielen können. Nur wird dafür eben Zusatzsoftware erforderlich sein. Diese Ankündigung von Microsoft, einem Supporter der HD-DVD, bedeutet also keineswegs das Ende der Blu-ray Disc, auch wenn Anhänger der HD-DVD das so verkaufen wollen. Es mag sein, dass die HD-DVD sich als PC-Speichermedium durchsetzen wird und der Blu-ray Disc hier den Rang ablaufen wird - dafür spricht, dass wesentliche PC-Firmen die HD-DVD unterstützen –, für den Heimkino-Markt hat das aus Sicht des Autors eher keine Auswirkungen.

F a z i t

Was hat der Konsument davon? In erster Linie Verunsicherung! Zwar könnte der Konsument aus heutiger Sicht ab Sommer unbeschwert die Blu-ray Disc kaufen - denn es ist, wie oben dargelegt, nicht davon auszugehen, dass die Blu-ray Disc vom Markt verschwinden wird -, ein gewisses Restrisiko, das Unwohlsein hervorruft und den Zugang zum Portemonnaie eventuell versperrt, bleibt dennoch aufrecht.

   
Quelle: Digital-Movie.de (sp)
    
 

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