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   23.07.2004 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Produktionsnotizen
 
 

Wie es mit der Braut nun weitergeht, wissen viele Kinobesucher schon. Darüber ist es aber auch immer wieder interessant zu erfahren, was sich die Macher eines Films bei ihrem Werk gedacht haben und wie diese Idee dann in letzter Konsequenz umgesetzt werden konnte. Besonders informativ sind daher, auch bei "Kill Bill Vol. 2", die:

Produktionsnotizen

Es klingt zunächst einmal nach Übertreibung, wenn man "Kill Bill Vol. 2" als "Beziehungsdrama" bezeichnet. Und doch ist der Film genau das, speziell wenn man ihn mit der ununterbrochenen, vom asiatischen Kino inspirierten Schwertkampfaction von Vol. 1 vergleicht. Beide Filme zusammen sind, so sagt David Carradine, "Kung-Fu-Samurai-Spaghetti-Western-Liebesgeschichten". Oder wie er in einem unlängst veröffentlichten Interview anmerkte: "Der zweite Film hat viel mehr von dem, was man von Quentin kennt: die verrückten Figuren, die Überraschungen, das schräge Zeug."

In "Kill Bill Vol. 1" erlebte man von David Carradine kaum mehr als seine sinistre Anwesenheit hinter den Kulissen, meist nur in Form seiner bekannten, verführerischen Baritonstimme auf dem Soundtrack – und das, obwohl er doch eigentlich die Titelrolle spielt. Aber an der Seite von Uma Thurman, die auch im zweiten Teil als die Braut auf Rachefeldzug alles niedermäht, was sich ihr in den Weg stellt, "dominiert David Vol. 2", wie Autor und Regisseur Quentin Tarantino verrät.

"Wenn ich anderen Leuten erzähle, dass der Titel des Films ´Kill Bill´ ist", erzählt David Carradine, "und dass ich Bill spiele, dann fragen sie mich regelmäßig: ´Und, spielst du den Bösewicht?´ Dann muss ich ihnen sagen: ´Es gibt keine guten Jungs in einem Film von Quentin Tarantino. Es dreht sich alles um die schlimmen Finger.´ Die Essenz eines Tarantino-Films ist ein Blick in die Herzen und Köpfe gewalttätiger Menschen. Deshalb löst man Tickets für seine Filme. Man sieht in die Psyche dieser Leute und forscht nach, wie sie ticken. Da steckt etwas Edles in Bill, aber man weiß auch ganz genau, dass er einer der bösesten Menschen ist, die man jemals im Leben treffen wird." – "Bill macht vor allem Spaß", berichtete David Carradine unlängst der Associated Press. "Bill hat im Grunde keinerlei menschliche Probleme. Er steht quasi völlig über den Dingen."

In Vol. 1 haben wir erfahren, dass Bill, der als eine Art Broker für Auftragskiller fungiert, eine Ansammlung unbarmherziger Hitmen zusammengestellt und ausgebildet hat, die Deadly Viper Assassination Squad (DiVAS). Jeder dieser begabten Mörder wurde nach einer anderen Giftschlange benannt: O-Ren Ishii (Lucy Liu) war Cottonmouth, Elle Driver (Daryl Hannah) California Mountain Snake, Vernita Green (Vivica A. Fox) Copperhead und Budd (Michael Madsen), Bills kleiner Bruder und einziger Mann der Viper Squad, war als Sidewinder bekannt.

Black Mamba, gespielt von Uma Thurman, war die todbringendste Waffe, die talentierteste der fünf – und außerdem die Geliebte von Bill. Sie legte die Waffen nieder und floh vor Bill und seiner Squad, als sie feststellte, dass sie mit seinem Kind schwanger war. In diesem Augenblick drehte sich ihr Weltbild um 180 Grad. Keine Sekunde länger hätte sie es ertragen, zu töten oder ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Sie änderte ihren Namen, versteckte sich in einer Kleinstadt in Texas und fand einen netten und soliden Mann, den sie heiraten wollte.

Doch Bill war nicht bereit, sich mit dieser Situation zufrieden zu geben. Ein kurzer Blick auf das Resultat seines Zorns wurde bereits am Anfang von Vol. 1 gestattet. Bill und die Vipers überfielen die kleine ländliche Kapelle, in der die Hochzeit stattfinden sollte, und löschten jeden aus, den sie dort antrafen. Vol. 2 zeigt das Hochzeits-Generalprobe-Massaker in voller Länge. Damit wird die Handlung in Bewegung gesetzt. In der Folge muss die Braut die Angriffe von Bills kleinem White-Trash-Bruder Budd und ihrer härtesten Rivalin in der Viper Squad, Elle Driver, abwehren, um ihren Erzfeind schließlich in Mexiko in seinem Nest aufzuspüren.

"Wenn man die zwei Teile des Films zusammensetzt", sagt David Carradine, "dann ergibt sich wirklich ein Epos, keinen Deut geringer als die Meisterwerke eines David Lean. Es ist unverkennbar Quentin Tarantino, aber er malt diesmal auf einer viel größeren Leinwand."

Die zentrale Beziehung des Films zwischen Jäger und Opfer, die Carradine ganz einfach als Liebesgeschichte umschreibt, hat einen ihrer stärksten Momente, als Bill auf trügerisch gelassene Weise in Vol. 2 eingeführt wird: "Ich tauche während der Generalprobe zu ihrer Hochzeit in Texas auf, draußen auf der Veranda der kleinen Kirche, und ich spiele meine asiatische Holzflöte. Zunächst erkennt man nur am Klang, dass ich gleich im Bild erscheinen werde. Sie hört den Sound und kommt heraus. Dann haben wir eine sehr romantische Wiedersehensszene, die gleichzeitig auch ein Abschied ist. Ich finde, diese Szene singt regelrecht. Die Crew musste tief schlucken, als sie Uma und mir zusah. Quentin kam zu mir rüber und sagte: ´Ich glaube, das ist deine beste Szene im ganzen Film.´ Und ich antwortete: ´Unsinn, ich finde, das ist die beste Szene meiner ganzen Karriere.´"

Für einen Filmemacher wie Tarantino, der sich auf dem Gebiet des Genrefilms auskennt wie kein Zweiter, ist der Hintergrund für Bills sowohl satanische als auch väterliche Ader sowie seine intensive Beziehung zur Braut und ihren Viper-Schwestern offensichtlich. "Bill ist ein Zuhälter", meint Tarantino ungerührt. "Wie man es auch dreht und wendet: Er ist ein
Kuppler – nur dass es ihm nicht um Sex geht, sondern um Tod, Mord und Auslöschen. Er sucht nach Mädchen, die tief in sich das Wesen einer Prostituierten tragen, es aber noch nicht wissen. Er muss dann nicht mehr tun, als das in ihnen zu wecken, sie zu verführen und sie zu einem Teil seines Stalls werden zu lassen."

Die Beziehungen innerhalb der Viper Squad folgen diesem psychologischen Muster. Am explosivsten ist die seit Jahren brodelnde Rivalität zwischen der Braut und Daryl Hannahs Figur Elle Driver (alias California Mountain Snake). Elle, stets ausgestattet mit ihrer dramatischen Augenklappe, spielte eine kleine, aber wichtige Rolle in Vol. 1, als sie die komatöse Braut im Krankenhaus mit einer Giftspritze ausschalten wollte. Doch jetzt, in Vol. 2, entlädt sich der Zwist zwischen den beiden Frauen in einem brutalen, kompromisslosen Zweikampf.

"In der Hierarchie der Deadly Vipers", erklärt Tarantino, "steht Uma an der Spitze. Ihr gehören Bills Ohr und Herz. Wenn Bill ein Zuhälter ist, dann ist Umas Figur das beste Pferd im Stall, die Nummer-Eins-Lady, das Mädchen, das die anderen Huren kontrolliert. Und Daryl ist Umas Gegenstück. Beide sind Amazonen mit langen Beinen, langen Armen und langem, im Wind wehendem blondem Haar. Sie können sich von Anfang an nicht leiden. Als Uma ausstieg, stieg Daryl in der Hierarchie auf. In jeder erdenklichen Beziehung hat sie den Platz der Braut eingenommen."

Tatsächlich stellte sich Daryl Hannah vor, dass es sich bei Elle Driver um eine ehemalige Interpol-Agentin handelt, die Jagd auf Bill machte und kurz davor stand, ihn zu verhaften, dann aber seinen Verführungskünsten erlag und für die Deadly Viper Assassination Squad gewonnen werden konnte. "Die Braut war Bills Mädchen. Und jetzt ist Elle Driver Bills Mädchen", sagt Hannah. "Elle wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Braut beseitigt wird. Sie will diejenige sein, die ihr den Todesstoß versetzt."

Hannah trat in London in Michael Radfords Inszenierung von "The Seven Year Itch" auf, als Tarantino ihr hinter der Bühne einen Überraschungsbesuch abstattete und ihr die Rolle anbot, die er speziell für sie geschrieben hatte. Hannah ließ sich die Gelegenheit, mit Tarantino zu arbeiten, nicht entgehen. Sie meint: "Ich hatte noch nie zuvor einen Vollblut-Bösewicht gespielt, also war ich ziemlich aufgeregt, als ich feststellte, was für eine durchtriebene Schlampe Elle ist."

Einem von Quentin Tarantinos Lieblingsschauspielern, Michael Madsen, wurde die Rolle des Budd angeboten, des heruntergekommenen Veteranen der Viper Squad, der in Vol. 2 aus dem Ruhezustand zurückkehrt und bei Bills Kampf gegen die Braut (zumindest kurzfristig) zu altem Glanz erstrahlt. Madsen hatte seit 1992 nicht mehr mit Tarantino gearbeitet, als er eine der erinnerungswürdigsten Figuren in dessen Regiedebüt "Reservoir Dogs" ("Wilde Hunde – Reservoir Dogs", 1992) erschuf: den sardonischen, sadistischen Mr. Blonde. "Er hat sich überhaupt nicht verändert", erzählt ein glücklicher Michael Madsen über die Wiedervereinigung mit Tarantino. "Er ist total und absolut derselbe Typ, der er damals war. Außer dass er heute mit größerem Spielzeug spielen kann."

Budd ist Bills vom Weg abgekommener jüngerer Bruder, sagt Madsen: "Da lässt sich eine schöne Entwicklung der Figur verfolgen. Zum einen ist da der jüngere Budd aus den frühen Viper-Tagen, zum anderen ist da der ältere Budd, der sein Ziel verloren hat, als Rausschmeißer in einem Stripclub arbeitet und in einem Wohnwagen in der Wüste lebt. Wir nannten ihn ´Budd in a Bottle´. Er ist ein Typ, der wenigstens so legendär ist wie Mr. Blonde."

"Die Beziehung meiner Figur zu ihrem Bruder, Bill, ist sehr komplex. Ich selbst habe vier Söhne und, wie jeder weiß, wuchs David mit mehreren Brüdern auf. Wir verstehen die eigenartige Dynamik unter Brüdern. David hat gewisse, äh, Charakternuancen, und ich bin auch ein recht schräger Typ. Am Set haben wir ständig übereinander gelästert. Wenn man uns zusammensteckt, dann glaubt man sofort, dass wir Brüder sind."

"Kill Bill" ist ein Film, der stark vom asiatischen Martial-Arts-Kino beeinflusst ist. In diesem Universum gibt es keine Beziehung, die bedeutsamer ist als die zwischen Student und Lehrer, Schüler und Meister. In "Kill Bill" finden sich gleich zwei Meister. Jeder Teil hat einen eigenen Ton und verfolgt eigene narrative Strategien. Dröselt man das nach asiatischen Einflüssen auf, dann kann man Vol. 1 als vom japanischen Kino und dem Code der Bushido dominiert betrachten, personifiziert durch den legendären Sonny Chiba (The Streetfighter), der als Samurai-Schwertmacher Hattori Hanzo zu sehen war und als Kenjutsu-Choreograph des Filmes fungierte.

Vol. 2 wiederum ist vor allem von der Kriegerkultur Chinas beeinflusst, für die stellvertretend die Martial-Arts-Filmlegende Gordon Liu Chia-hui ("The Master Killer") steht. "Es gibt zwei Dinge, die ich beim Dreh dieses Films ganz besonders geliebt habe", sagt Quentin Tarantino. "Gänsehaut habe ich bei den Szenen mit Sonny Chiba und Gordon Liu bekommen."

Tarantino besetzte Liu ursprünglich lediglich als Johnny Mo, den in Leder gekleideten Anführer von Lucy Lius Leibwächter-Truppe, Crazy 88´s, in der Tokio-Sequenz von Vol. 1. Bis kurz vor Abschluss der Vorproduktion schwebte es dem Regisseur vor, Pei Mai, den drakonischen Martial-Arts-Lehrer der Braut, selbst darzustellen. Der "Mönch mit den weißen Augenbrauen" ist eine Variation eines beliebten Bösewichts verschiedener klassischer Hongkong-Martial-Arts-Filme der 70er Jahre. Zu Beginn des langwierigen Martial-Arts-Trainings im Vorfeld der Dreharbeiten hatte sich Tarantino bereits zu den anderen Schauspielern gesellt und hart daran gearbeitet, fit genug zu sein, als Pei Mai vor der Kamera zu bestehen. "Ich habe diese Filme jahrelang studiert", erklärt er, "und habe die Darsteller immer bewundert, weil ich sie so unglaublich cool fand. Es kam überhaupt nicht in Frage, dass ich den Mädels den ganzen Spaß überließ."

Als er realisierte, wie anstrengend und anspruchsvoll die Vorbereitungen für diesen komplexen Film sein würden, musste Tarantino erkennen, dass er schlicht und einfach nicht die Zeit haben würde, neben all den anderen Verantwortungen auch noch vor der Kamera zu stehen, geschweige denn dafür jeden Tag acht Stunden hart zu trainieren. Er wandte sich also an Gordon Liu als offenkundige Wahl für die Rolle des Pei Mai. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er sein gesamtes Leben eigentlich nichts anderes getan hat, als sich auf diesen Part eines stählernen Martial-Arts-Meisters vorzubereiten.

Man kann es so sehen, dass der Filmemacher Liu als Pei Mai gegen den Strich besetzte. Liu ist bekannt dafür, stets aufrechte und manchmal auch komische Helden in den klassischen Filmen der Shaw Brothers zu spielen. Als Respekt gebietender, kahl geschorener Kriegsmönch San Te in Liu Chia-liangs "The 36th Chamber of Shaolin" ("Die 36 Kammern der Shaolin", 1978), den man in der englischen Synchronfassung auch als "The Mater Killer" kennt, wurde er zum internationalen Martial-Arts-Star, der bei den Fans gleich hinter Bruce Lee rangierte.

Pei Mai ist zwar auch ein Mönch. Vor allem aber ist er einer der finstersten Bösewichte der Shaw-Studios, der seine Kampfesbrüder im Shaolin-Tempel in Filmen wie Liu Chia-liangs "Executioners from Shaolin" (1977) an die Manchu-Tyrannen ausliefert. Pei Mai war als Schurke derart beliebt, dass man schnell einige Semi-Sequels und Prequels in Auftrag gab – obwohl er am Ende des ersten Films eigentlich ums Leben gekommen war. Liu sagt: "Ich verstehe, warum Quentin mich haben wollte, auch wenn ich immer rechtschaffene Helden gespielt habe. Er wollte mich wegen meiner Martial-Arts-Fähigkeiten und auch, weil ich diese archetypisch chinesische Figur perfekt verstand."

Liu gibt allerdings zu, dass es etwas gab, von dem er nicht besonders viel Ahnung hatte, als er wegen der Mitwirkung an "Kill Bill" angesprochen wurde: Quentin Tarantino und seine Filme. Er berichtet: "Also machte ich mich bei Freunden in der Entertainment-Branche kundig. Sie empfahlen mir "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction". Ich sah sie mir an und war beeindruckt. Seine Arbeit ist einzigartig und sehr interessant. So etwas hat man noch nie vorher gesehen. Und man erzählte mir, dass Quentin viel über das Kino aus Hongkong und Martial-Arts-Filme wusste."

Tarantino warf sein Netz noch weiter über "Kill Bill Vol. 2" aus und besetzte noch mehr Darsteller, die im Lauf der Jahre Helden für ihn geworden waren. Michael Parks beschreibt er zum Beispiel als einen seiner Lieblingsschauspieler aus Amerika. Parks sicherte sich die Begeisterung des jungen Tarantino mit der Hauptrolle in der 70er-Jahre-Serie "Here Comes Bronson" und wurde später schon einmal von dem Autor und Produzenten für den von Robert Rodriguez inszenierten "From Dusk Till Dawn" ("From Dusk Till Dawn", 1996) besetzt. Nun hielt Tarantino zwei weitere Rollen für die zwei Teile von "Kill Bill" parat. In Vol. 1 ist Parks als texanischer Kleinstadt-Sheriff Earl McGraw zu sehen, der die Ermittlungen nach dem grausamen Massaker bei der Hochzeits-Generalprobe leitete. In Vol. 2 spielt er den 80-jährigen Bordellbesitzer und einstigen Mentor von Bill, Esteban Vihaio, der der Braut hilft, ihren Erzfeind in Mexiko aufzustöbern.

Beziehungen sind wichtig in Vol. 2, vor und hinter der Kamera. Aber es sollte auf jeden Fall noch angemerkt werden, dass auch der neue Film immer noch jene Merkmale besitzt, die Tarantino als "Duck Press"-Ansatz bezeichnet: das Zusammenfügen und Vermischen verschiedenster Elemente des vom Regisseur so sehr geliebten Grindhouse-, also Schmuddelkinos.

"Wenn ich zu einer Szene komme, wie man sie auch in einem italienischen Giallo (also: Slasher-Film) oder einem Kung-Fu-Movie erleben könnte", sagt Tarantino, "dann weiß ich genau, wie man das damals gedreht hätte. Also drehe auch ich es genau auf diese Weise. Das ist der Grund, warum man sich meine Filme auf der ganzen Welt anschauen kann. Ich sehe mich überhaupt nicht als amerikanischen Filmemacher. Die Kinogänger in so ziemlich jedem Land der Welt können Dinge in meinen Filmen sehen, die sie verstehen und die ihnen gefallen."

Diese grundsätzliche Herangehensweise spielte auch eine entscheidende Rolle, als es darum ging, die Crew für dieses ungewöhnliche Projekt zu versammeln. Der Oscar-prämierte Kameramann Robert Richardson wurde für den Film ausgewählt, weil er im Lauf seiner Karriere immer wieder bewiesen hat, dass er scheinbar nach Belieben eine Vielzahl verschiedener Looks und Stile emulieren kann. Er ist ein mehrfacher Mitstreiter von Oliver Stone und arbeitete mit ihm an Filmen wie "Natural Born Killers" ("Natural Born Killers", 1994) und JFK ("JFK – Tatort Dallas", 1991), die sich visuell dadurch auszeichnen, dass sie den Look und bisweilen sogar das Filmmaterial innerhalb einer einzelnen Szene mehrfach wechseln. Zum Konzept von "Kill Bill" gehört es, dass sich der Stil der Bilder und des Schnitts mit jeder neuen Episode komplett verändert, was auch den Genrewurzeln dieses Mix-and-Match-Projekts entspricht. Dafür war Richardson die offensichtlich beste Wahl.

In Vol. 2 ist der Einfluss ganz spezieller Genres besonders deutlich. "Wenn mein Leben zwei Seiten hätte", berichtet Tarantino, "dann wäre eine Seite die historischen Martial-Arts-Filme, die die Shaw-Brüder in den 70er Jahren gedreht haben. Die andere Seite wären Spaghetti-Western. Tatsächlich beeinflussen sich diese beide Genres gegenseitig. Während der 70er Jahre benutzten Filme dieser beiden Genres häufig identische Plots, ähnliche Bilder und Einstellungen, teilweise sogar dieselbe Musik. Die Shaw Brothers bedienten sich für ihre Filme sehr freizügig bei italienischen Western. Die Verwandtschaft reicht tief."

Die Leinwandbeziehung zwischen den beiden stilbildenden Genres ist direkt und einfach zu entschlüsseln: Die in der Gegenwart angesiedelten Sequenzen, die im amerikanischen Südwesten und in New Mexico spielen, sind dem Stil des italienischen Westerns verpflichtet. Die Rückblenden, die vor allem in China angesiedelt sind, wo Bill die Braut zu einer zeitaufwändigen Ausbildung bei seinem ehemaligen Meister, Pei Mai, schickt, gehorchen der Struktur klassischer Kung-Fu-Filme, in denen es immer wieder darum geht, sich ausbilden zu lassen, um für die Rache gestählt zu sein.

Passend zu den amerikanischen und mexikanischen Locations, die in Vol. 2 den Ton angeben, wählte Quentin Tarantino auch den Soundtrack aus. Zu den prominent vorgestellten Songs gehören "Can´t Hardly Stand It", eine raue Nummer der Rockabilly-Legende Charlie Feathers, sowie klassische Stücke aus Ennio Morricones Score für Sergio Leones Spaghetti-Western "Il Buono, il Brutto, il Cattivo" ("Zwei glorreiche Halunken", 1966) und "Urami Bushi" ("Liebeslied eines Kriegers"), das ursprünglich von Meiko Kaji, der Hauptdarstellerin des japanischen Samurai-Films "Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance" (1974), interpretiert wurde.

Tarantino-Fans wissen, dass der Filmemacher genauso viel Leidenschaft für Musik verspürt wie für Filme. Tarantino hat erzählt, dass in seiner Zeit als junger Filmfan, lange vor dem Siegeszug von Video, Soundtrack-Alben die einzige Möglichkeit waren, das Erlebnis eines Films nachzuempfinden. Er sagt, dass er bei der Nachstellung von Szenen in seinem Kopf, während er der Filmmusik lauschte, seine ersten Erfahrungen darin sammelte, wie ein Regisseur zu denken hat. Im Grunde hat sich bis heute nichts daran geändert: Er wählt die entsprechende Musik bereits zu Beginn des kreativen Prozesses aus. "Ich komme mit dem Schreiben nicht voran", erklärt er, "bis ich weiß, mit welcher Musik der Film beginnen wird. Die Musik muss das Publikum in die richtige Stimmung versetzen. Die Musik hilft mir, den Rhythmus des Films zu finden, den Beat, nach dem sich die Handlung richtet."

Dieser Vorgang setzt sich am Set fort, wenn Tarantino Darstellern und Crew bestimmte Musik vorspielt, um für die richtige Stimmung zu sorgen oder, wie in diesem Fall, den Beat eines Kampfes zu etablieren. Gordon Liu erzählte Ain´t It Cool News.com: "Quentin hat für jeden Kampf bereits ein Musiktempo im Kopf."

Für die Arbeit am Score wandte sich Tarantino erneut an The RZA (ausgesprochen "Rissa"), den bahnbrechenden Produzenten einer Reihe von Alben seiner Hip-Hop-Formation Wu-Tang Clan, die sich immer wieder von chinesischen Martial-Arts-Filmen inspirieren ließ (und häufig Soundschnipsel aus ihnen auf ihren Platten unterbrachte). The RZA hat auch einige Soloalben produziert, zwei davon unter dem Pseudonym Bobby Digital. Er schrieb den Score für Jim Jarmuschs "Ghost Dog: The Way of the Samurai" ("Ghost Dog", 1999) und "Kill Bill Vol. 1" ("Kill Bill Vol. 1", 2003).

Tarantinos Freund und Mitstreiter, der Autor und Regisseur Robert Rodriguez, mit dem er an dem im südlichen US-amerikanischen Grenzgebiet angelegten Vampirschocker "From Dusk Till Dawn" ("From Dusk Till Dawn", 1996) gearbeitet hatte, wurde verpflichtet, passende Musik für die Mexiko-Sequenzen in "Kill Bill Vol. 2" zu komponieren. Davor hatte Rodriguez bereits den kompletten Score für seinen letztjährigen Actionfilm "Unce upon a Time in Mexico" ("Irgendwann in Mexiko", 2003) mit Antonio Banderas sowie für sämtliche Teile der immens beliebten "Spy Kids"-Trilogie (2001–2003) geschrieben.

   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
  Links zum Artikel:
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Daten und Fakten
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Inhalt und Bilder
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Drehorte und mehr...
  www.movie.de
 

    
 

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