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   23.07.2004 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Drehorte und mehr...
 
 

"Kill Bill Vol. 2" ist nicht nur ein Wechselbad der Gefühle, sondern der Zuschauer wird auch immer wieder abrupt von einem Ort der Welt zum anderen geführt. Die Sprünge finden nicht etwa behutsam statt, und mit jedem Ortswechsel ändert sich auch der Stil des Films wieder. sodass die Sprünge zwischen Western und Martial Arts zusammen wieder eine gute Komposition ergeben. Wer mag, kann an dieser Stelle unseres Specials auch schon einmal in den Film hineinhören, denn wir haben euch ein paar Originaltöne bereitgestellt.

Made in China

"Kill Bill"-Produzent Lawrence Bender sagt: "In China zu drehen, war die beste Idee, die wir hatten. Quentin war es sehr wichtig, dass er in China auch den entsprechenden Input haben und deshalb unbedingt mit einem chinesischen Kreativteam arbeiten wollte. Er wollte keine komplett amerikanische Crew, die in China landet und dann sagt: ´So wird´s gemacht.´ Das Resultat war, dass unsere künstlerischen Teams aus Japan und China gemeinsam Dinge auf die Beine gestellt haben, die sich niemand jemals hätte träumen lassen."

Bender, Tarantino und die Hauptdarsteller reisten im Mai 2002 nach China, um dort das Training und die Actionchoreographie fortzusetzen und mit den Proben zu beginnen. Bis Mitte Juni hatten Herstellungsleiter E. Bennett Walsh, der assoziierte Produzent Dede Nickerson, Produktionsberater Koko Maeda und der Oscar-prämierte Kameramann Robert Richardson eine multinationale Crew inklusive einiger Teams von Dolmetschern zusammengestellt und in den Beijing Film Studios, die im nördlichen Teil von Peking liegen, mit der Arbeit begonnen.

"Kill Bill" verfügt über einen chinesischen, einen japanischen und einen amerikanischen Ausstatter, einen chinesischen und einen amerikanischen Kostümdesigner, einen chinesischen und einen amerikanischen Requisiteur. Ein Team von chinesischen und amerikanischen Regieassistenten überwachte die täglichen Abläufe der Produktion. Der amerikanische erste Regieassistent Bill Clark, ein ständiger Tarantino-Mitarbeiter seit "Pulp Fiction", arbeitete eng mit dem chinesischen ersten Regieassistenten Zhang Yin Zhan zusammen, um die gewaltige Anzahl von Darstellern und Crewmitgliedern zu koordinieren.

"Da prallten zwei sehr verschiedene Arbeitsmentalitäten aufeinander", erzählt Bender. "Der amerikanische Weg ist sehr präzise. Man hat ein oder zwei Leute, die für ein bestimmtes Stück Anlage verantwortlich sind. Und das machen sie still und ordentlich. Der chinesische Weg sieht so aus, dass etwa 20 Jungs einen Höllenlärm veranstalten und alle an allem arbeiten. Die Crew ist viel größer, und Dinge werden verblüffend schnell erledigt."

Am ersten Drehtag in China bekam die "Kill Bill"-Crew insgesamt 22 Einstellungen in den Kasten. Für eine typische Hollywood-Produktion eigentlich eine unmöglich hohe Zahl. Nach der Fertigstellung der Arbeit in den Beijing Studios, wo man den gewaltigen Set mit dem House of Blue Leaves für Vol. 1 errichtet hatte, zogen Besetzung und Crew weiter zu dem antiken Tempel in Zhongwei, wo eine Woche Dreh vor Ort auf dem Programm stand.

Der Gao-Tempel wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Einer chinesischen Touristen-Website zufolge "ist er ein hinreißendes Durcheinander von Gebäuden und Stilen, das ein Gebiet von 4.000 Quadratmeter umspannt". Der anstrengende tägliche Anstieg zum Set führte über eine 240 Meter hohe Treppe auf der Ostseite des Miao Gao. Das anstrengende Klettern war aber wenig mehr als nur ein Vorgeschmack auf die Tortur, die das Drehen der Shaolin-Kung-Fu-Trainingsszene mit Uma Thurman, Daryl Hannah und Gordon Liu darstellte.

Bereits im Drehbuch zu "Kill Bill" waren die Actionszenen ungemein detailliert. Tarantino hatte fast ein ganzes Jahr damit zugebracht, sie umzuschreiben und immer wieder an ihnen zu feilen. In Peking setzte er diesen Prozess fort. Er beschrieb die Szenen jetzt noch genauer und wenn er musste, dann spielte er sie seinen Mitstreitern sogar vor. Umgeben von einem Team von Dolmetschern arbeitete er sich vor der Crew, den Schauspielern, Meister Yuen und dem Draht-Stuntteam durch jede einzelne Einstellung der Szene. Als sie schließlich am Fuße des Miao Gao ankamen, waren alle heiß auf die Dreharbeiten.

Meister Yuen Woo-ping, der dem Film mit seiner Erfahrung in Sachen Martial Arts und dem einzigartigen so genannten Wire-Fu beiseite stand, erlernte sein Handwerk von seinem berühmten Vater, dem verstorbenen Peking-Oper-Veteranen und Filmdarsteller Simon Yuen Hsiao-tien. Als er dann später auch als Regisseur zu arbeiten begann, besetzte er seinen Vater in dem Jackie-Chan-Vehikel "Drunken Master" ("Ein Halleluja für 2 Schlitzohren", 1978) in der Titelrolle. Meister Yuen ist die Betonung wichtig, dass die Techniken, die er lehrt, eher dem Theater als der Konfrontation verpflichtet sind. "Es ist Bühnenakrobatik im nördlichen Stil oder Bühnen-Martial-Arts", sagt er. "Das ist ganz anders als kampforientiertes Kung Fu oder sogar Wushu, der Olympia-artige Sport, der in China erfunden und von Jet Li studiert wurde. Wenn man an der Peking-Oper lernt, dann mag das einen zunächst an Martial Arts erinnern. Aber wenn man es anwendet, dann ist es etwas völlig anderes wegen der Kamera oder der Bühne. Es ist immer als Darstellung gedacht."

Daryl Hannah erklärt es vielleicht am besten: "Ich bin mittlerweile ziemlich fit in Martial Arts. Aber man hat mir beigebracht danebenzuschlagen. Ich könnte Sie schlagen, aber mein Schlag wäre nur bis ein paar Zentimeter vor Ihrem Gesicht ziemlich hart. Ich habe keine Ahnung, was passieren würde, wenn ich wirklich zuschlagen würde."

Meister Yuens Actionchoreographie kennt das westliche Publikum aus "The Matrix" ("Matrix", 1999) und den beiden Fortsetzungen sowie aus "Crouching Tiger", "Hidden Dragon" ("Tiger & Dragon", 2000) und zahllosen Hongkong-Filmen. Tarantino war allerdings schon lange, bevor Yuen den Durchbruch in Hollywood schaffte, ein bekennender Fan des Filmemachers. Tatsächlich war Tarantino eine treibende Kraft, eine amerikanische Kinoauswertung von Yuens "Iron Monkey" ("Iron Monkey", 1993) in die Wege zu leiten, die Miramax schließlich unter dem Banner "Quentin Tarantino presents" übernahm.

"Ich glaube, der erste Film, den ich von Meister Yuen gesehen habe, war ´Snake in the Eagle´s Shadow´ (´Die Schlange im Schatten des Adlers´, 1977) mit Jackie Chan", erinnert sich Tarantino. "So um 1993 und 1994 herum begann ich, seinen Kung-Fu-Stil wahrzunehmen. Ich bemerkte seine Choreographie. Ich konnte die Stile der verschiedenen Choreographen auseinander halten. Und ich entdeckte, dass er der einfallsreichste aller Kung-Fu-Choreographen überhaupt ist. Er verfügt über das nötige Handwerk und einen völlig wilden Einfallsreichtum. Keinen Regisseur und Actionchoreographen bewundere ich mehr als ihn. Für diesen Film erdachte ich das grundsätzliche Design der Actionszenen. Yuen Woo-ping sagte mir, dass ich nicht allzu viel über Kung Fu wissen musste und dass das Verstehen von Kung-Fu-Filmen völlig ausreichte. Er würde den Rest übernehmen. Als er zusagte, war ich gleich viel zuversichtlicher, dass ich all meine Gedanken auch vor der Kamera würde umsetzen können."

Die Hongkong-Kinolegende Gordon Liu erschien zur Arbeit mit Meister Yuen Woo-ping mit einem ganz anderen Grundwissen als die anderen Darsteller. Seit seinem siebten Lebensjahr ist er ein begeisterter Student der Kampfkünste. Zusätzlich dazu ist er ein großer asiatischer Film- und Fernsehstar. Somit darf sich Liu selbst mit gutem Recht als Meister bezeichnen. Wie arbeiten also zwei Leinwandlegenden zusammen? Ausgesprochen höflich, wie Liu betont.

"Meister Yuen weiß, wo ich herkomme", erklärt der Schauspielstar. "Obwohl wir verschiedene Stile erlernt haben, erkennt er mich als Meister an und behandelt mich wie einen Meister. Meister Yuen hat einen nordchinesischen Stil der Kampfkünste erlernt, während ich einen südlichen Kampfstil studierte. Aber es gab keine Spannungen am Set, denn wir beide haben schon viele Filme gedreht, mit vielen verschiedenen Darstellern und Choreographen. Ich war sehr glücklich, mit Meister Yuen Woo-ping zu arbeiten."

Die Unterschiede sind noch größer, wenn man die Martial-Arts-Arbeit betrachtet, die die beiden in ihren Filmen geleistet haben. Die meiste Arbeit als Darsteller in Hongkong absolvierte Liu in Filmen seines "Gottbruders" Liu Chia-liang, für den die Authentizität der Darstellung regionaler Martial Arts absolute Priorität hat. Meister Yuen Woo-ping hingegen ist berühmt für seinen anmutigen, scheinbar schwerelosen Stil, mit dem er fantasievolle Schwertduelle choreographiert.

"Meister Yuens Arbeit bei ´Crouching Tiger´, ´Hidden Dragon´ (´Tiger & Dragon´, 2000) war wunderschön, ein pures Kunstwerk", meint Liu. "Aber das hat nichts mit richtigem Kampf zu tun. Ich weiß, dass Quentin etwas anderes haben wollte. Er wollte echtes Kämpfen. Und ich wusste sofort, dass wir etwas ganz Besonderes und Einzigartiges erzielen würden, wenn man die beiden Ansätze kombiniert."

Zudem war Liu vertraut mit der Herausforderung, der einzige Schauspieler in einer Kampfsequenz zu sein, der tatsächlich Martial Arts erlernt hat. "Die meisten Schauspieler in dieser Art von Filmen, selbst in Hongkong, erlernen einfach nur die spezifischen Bewegungen für die jeweilige Szene, genau wie Uma in "Kill Bill". Das ist, wie wenn man Texte in einer fremden Sprache phonetisch erlernt. Es ist schwer, das so darzustellen, als verstünde man tatsächlich die Bedeutung. Quentin und Meister Yuen erwarteten aufgrund meines Hintergrunds, dass ich meine Sache perfekt machen würde. Aber sie wollten auch, dass Uma gut aussieht, weil sie die Hauptdarstellerin ist. Also war ich der Schlüssel dafür, dass die Kämpfe gut aussahen."

Er fährt fort: "Wenn ich mit einem meiner Brüder oder einem anderen Kampfkünstler kämpfe, dann wissen sie, was sie zu erwarten haben, wann man sich bewegen muss, wann man stoppen muss. Bei einem Nichtkampfkünstler muss ich mich extra anstrengen oder eine weitere Bewegung einflechten, um sicherzugehen, dass die eingeübte Routine auch an dem Ort endet, der gedacht war. Ich muss immer kooperieren und mein Gegenüber gut aussehen lassen. Wenn beide Darsteller in Martial Arts geübt sind, spüren sie außerdem überhaupt nichts, wenn ihre Arme aufeinander treffen. Das ist ganz natürlich. Bei einem Nicht-kampfkünstler bin ich immer voller Sorge, dass ich sie falsch treffen und damit verletzen könnte."

Als jahrelanger Meister des Hong Fist, eine nördliche Shaolin-Spielart des Kung Fu, weiß Liu die Leistung von Uma Thurman sehr wohl zu schätzen, die eine gewaltige Herausforderung zu bewältigen hatte: "Die chinesischen Martial Arts sind besonders schwierig für Anfänger. Gerade wenn sie sehr groß sind, denn ihr Gleichgewichtszentrum liegt zu weit oben. Es fällt auf, dass alle großen Kampfkünstler relativ klein sind: Bruce Lee, Jackie Chan, Jet Li. Wenn man kleiner ist, ist es einfacher. Uma war bewusst, dass das nicht ihr Spezialgebiet war, aber sie gab niemals auf. Sie versuchte immer weiter. Ihr Einsatz hat mich beeindruckt. Manch andere hätten an ihrer Stelle bei einem nicht ganz perfekten Take nicht auf Wiederholung gedrängt. Sie hätten gesagt, das sei gut genug. Sie nicht. Sie ließ die Szene wiederholen. Immer und immer wieder. Bis sie gut genug für sie war."

Gordon Liu war beeindruckt, als er erfuhr, dass David Carradine in der Titelrolle besetzt worden war. Es war ihm ein Anliegen, Carradine beiseite zu nehmen, als sie gemeinsam vor Ort am Tempel drehten, und ihm zu sagen, wie sehr er Carradines sensationell erfolgreiche Serie "Kung Fu" mochte. "Diese Serie leistete einen wichtigen Beitrag dafür, dass die Menschen im Westen Kung Fu verstehen lernten", erklärt Liu. "Ich hege auch für Quentin großen Respekt, denn er trägt dazu bei, dass Kung Fu und Martial Arts Interessenten außerhalb von China und dem Fernen Osten erreichten."

Yuen Woo-ping, der gemeinhin als größter lebender Meister der Film-Martial-Arts gilt, hält sich nicht zurück, wenn es um Lob für die Leistungen von Uma Thurman geht. Quentin Tarantino erinnert sich: "Eines Tages kam er zu mir und sagte: ´Quentin, du hast keine Ahnung, wie gut Uma geworden ist.´ Er sagte, dass manche Schauspieler, die im Film gut aussähen, tatsächlich nur ein oder zwei gute Bewegungen in Folge hinkriegten. Die seien blendend ausgeführt, aber dann müsste man schneiden. Uma hingegen lege noch vier oder fünf weitere Routinen hin, kapiere jeden Trick auf Anhieb. Es gibt da eine Bewegungsabfolge, bei der sie sich in die Höhe schraubt, an den Drähten einen Salto hinlegt, wieder auf dem Boden landet und dann zwei Typen umlegt. Das ist eine Riesenleistung. Sie war am Schluss so gut und selbstsicher, dass Woo-ping und ich die Choreographie zu jeder Zeit beliebig ändern konnten."

"Am Ende meines Trainings in Los Angeles hatte ich den Eindruck, dass ich mehr leisten konnte", bestätigt Uma Thurman. "Während der letzten Woche oder so paukte ich mir die Choreographie quasi täglich ein und lernte hunderte von Bewegungen und Kombinationen, die zu den Kämpfen gehörten. Als wir dann am Set zum Drehen ankamen, um den eingeübten Kampf zu drehen, hatten sie auf einmal eine völlig neue Idee. Und damit konnte man die komplette Choreographie mit einem Mal in den Mülleimer treten. Wir nahmen die Änderung sofort in den Kampf auf und ich musste auf der Stelle fünf, zehn oder 15 Bewegungen erlernen, während die Kamera wartete. Mit einem Mal erkannte ich, was das Wichtigste war, das ich gelernt hatte: zu lernen."

"Es hängt immer davon ab, wonach die Kamera verlangt", erläutert Meister Yuen. "Ich habe immer gezielt Techniken eingesetzt, z. B. die zuschlagende Faust beim Auftreffen zu verstecken, indem man die Kamera entsprechend platziert. Aber manchmal, wenn man die Härte und Bedeutung eines Schlags realistisch vermitteln will, muss man Kontakt herstellen. Viel hängt dann davon ab, ob der Schauspieler, der getroffen werden soll, den Treffer auch ´verkaufen´ kann. Das soll heißen: Von seiner Reaktion auf den Schlag hängt ab, ob man glaubt, dass der Schlag besonders hart war."

Für Tarantino boten die Dreharbeiten in China die einzigartige Gelegenheit, mit dem Geist eines seiner eigenen Helden der Filmgeschichte in Kontakt zu treten. "Die zwei Produktionsgesellschaften, die ich als Fan am meisten bewundere", so Tarantino, "sind vermutlich Roger Cormans New World Pictures in den 70ern und Sir Run Run Shaws Shaw Brothers. Und der König der Regisseure der Shaw Brothers, meiner Meinung nach, war Chang Cheh. Er ist für den Old-School-Kung-Fu-Film das, was John Ford für den Western ist. Er hat 1967 den Film ´One-Armed Swordsman´ (´Das goldene Schwert des Königstigers´) mit Jimmy Wang Yu gedreht. Das war der erste Film, den wir heute als Martial-Arts-Film bezeichnen würden. Er war ein echter Pionier. Er starb 2002, aber als ich "Kill Bill" drehte, hatte ich manchmal das Gefühl, dass Chang Cheh auf uns herunterblickte."

Ein besonderes Problem der Produktion wurde laut Tarantino direkt durch Chang gelöst: indem Tarantino einfach die Techniken übernahm, die Chang erfunden hatte. Die gängigen Mittel der Special-Effects-Abteilungen für das Fließen von Blut sind ziemlich kompliziert "und bestehen aus Röhrchen und Leitungen. Ich wollte vergessen, dass wir einen Big-Budget-Film drehten, und so tun, als ob wir 13-Jährige wären, die im Hinterhof einen Film produzierten. Und dann sagte Yuen Woo-ping: ´Weißt du, wie wir die Blut-Gags in den Kung-Fu-Filmen der 70er machten? Wir nahmen ein chinesisches Kondom, füllten es mit Blut und dann musste der Schauspieler, der sterben sollte, es in einer Hand halten. Wenn der andere ihn aufschlitzte, zerdrückte er einfach das Kondom und das Blut spritzte heraus. Und es sah klasse aus. Chang Cheh hatte diese Methode erfunden.´ Also versuchten wir es – und das Ergebnis war ausgezeichnet. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, nur einen halb so guten Effekt zu erzielen, wenn wir nicht diesen Trick eingesetzt hätten."

Zurück in den USA

Mit der Pei-Mai-Rückblende-Szene zollt Tarantino einer wichtigen Konvention des Kung-Fu-Kinos Respekt: dem Motiv des "Trainierens für Rache", bei dem wir einen Schüler sehen, der die Fähigkeiten erlernt, die sich im späteren Kampf entscheidend auszahlen werden. Hier gibt der Lehrmeister zwei höchst geheime, tödliche Techniken weiter. Als ihre Suche nach Vergeltung sie Jahre später zurück in die USA und in die Arme ihrer Tochter führt, bekommt die Braut die Gelegenheit, diese einzusetzen: im höchst dramatischen Duell mit ihrer erbitterten Rivalin Elle Driver sowie im finalen Showdown mit Bill höchstpersönlich.

Das einleitende Kapitel zu diesen entscheidenden Ereignissen ist das überraschend emotionale und zugleich teuflisch böse Zusammentreffen von Elle Driver und Sidewinder Budd, Bills jüngerem Bruder. Nach der Intensität ihres Kampfes befragt, erklärt Hannah: "Michael Madsen spielt Budd, und Michael Madsen ist ein netter Mann. Aber Budd ist so ein jämmerlicher Alkoholiker. Zumindest ist das genau das, was meine Figur von ihm hält. Er war mal ein Profi, aber nun sitzt er in seinem eigenen Dreck herum und trinkt den ganzen Tag und tut gar nichts. Also müssen wir uns unsere gegenseitige Verachtung eingestehen."

Zur Szene gehört das dramatische Auftauchen der Namensvetterin der Braut, einer echten schwarzen Mamba, der tödlichsten Giftschlange der Welt. "Ich habe einen kleinen Freund bei meinem Besuch bei Budd dabei", bestätigt Hannah. "Wir hatten eine echte Black Mamba am Set, der man aber, vermute ich, das Gift vorher entnommen hat."

"Es ist eine wirklich Furcht einflößende Schlange", gibt Madsen zu, dessen Figur sozusagen am Ende der Nahrungskette steht. "Wenn du das Gift erstmal in deinen Blutbahnen hast, ist es vorbei. Es ist ein langsames Sterben. Die Szene im Drehbuch zu lesen, war eine Sache. Aber sie mit einer echten Schlange zu spielen, war ein bisschen härter, als ich es mir vorgestellt hatte. Obwohl ich der Meinung bin, dass dies zur Wirkung der Szene entscheidend beigetragen hat. "

Tarantino hatte für den Showdown zwischen den Erzrivalinnen Elle Driver und der Braut etwas ganz Besonderes geplant: "Ich wollte den ultimativen cineastischen Frauenkampf aller Zeiten. Er ist kein Martial-Arts-Kampf, er ist ein Frauenkampf. Ich meine – wenn das nicht aufregend klingt: Uma Thurman und Daryl Hannah kämpfen gegeneinander um ihr Leben. Ich persönlich hätte dafür Eintritt bezahlt. Daryl hat tatsächlich in der TV-Version von ´Attack of the 50 Foot Woman´ gespielt. Und der Kampf hatte außerdem etwas von einem japanischen Superhelden-Film. Ich hätte mir beinahe gewünscht, dass ich ihnen eine Pille hätte geben können, mit der beide 20 Meter groß werden, so dass sie in einer Stadt gegeneinander kämpfen und diese halb zerstören könnten. Wenn es um die Wiederbelebung meiner asiatischen Lieblingsgenres geht, ist dies der einzige Stein, den ich noch nicht gewendet habe."

Tarantino war zumindest in der Lage, auf die gigantischen japanischen Monsterfilme zu verweisen: Er verwendete ein echtes Modell von Tokio, das in den Toho Studios für deren Godzilla-Filme gefertigt wurde und hier als Hintergrund für eine Einstellung in "Kill Bill Vol. 1" diente, in der das Flugzeug mit der Braut die Stadt anfliegt.

Schließlich endet alles bei Bill: David Carradine. Als unangefochtene, weltweit bekannte Ikone des Kung-Fu-Hypes der 70er und als Kindheitsidol von Quentin Tarantino verdient Carradine ganz klar die wichtigsten Momente in einem Film, der weitestgehend als Tribut des Autors und Regisseurs an seine Lieblingsgenres angelegt ist. Der große Gordon Liu der Shaw Brothers hat die Bedeutung von Carradines Performance als Caine in der ABC-TV-Serie "Kung Fu" betont, mit der Carradine die chinesische Kampfkunst auf der ganzen Welt bekannt machte.

Der Schauspieler gibt zu, dass er nicht wusste, was ihn erwarten würde, als er gebeten wurde, die Rolle dieses durch und durch bösen Charakters zu übernehmen. "Quentins Filme fühlen sich immer an, als seien sie improvisiert", sagt er. "Also fragte ich mich, was ich wohl lesen würde, als ich das Drehbuch aufschlug. Aber es ist tatsächlich Literatur. Und es funktioniert bis ins letzte Detail. Nichts ist dem Zufall überlassen."

"Quentin ist wirklich mein Lieblingsregisseur, mit Sicherheit mein Lieblingsregisseur unter den lebenden. Er ist sehr feinfühlig im Umgang mit seinen Schauspielern. Hal Ashby habe ich ja schon sehr geliebt, aber Quentin ist noch viel mehr meine Sorte Mensch. Wir haben uns viel zu sagen."

Als lebenslanger Schüler der Martial Arts spricht Carradine dennoch mit äußerster Bescheidenheit über seine Leistungen auf diesem Gebiet. "Als ich die TV-Serie drehte, machte ich kein Geheimnis aus meiner Ahnungslosigkeit in Sachen Kung Fu", schrieb Carradine in seinen 1991 veröffentlichten Memoiren "The Spirit of Shaolin: A Kung Fu Philosophy". "Wenn ich gefragt wurde, sagte ich: ´Ich habe keine Ahnung.´ Und dann drehte ich wieder irgendeinen verwirrenden Film. Ich machte natürlich nur Spaß. Was ich eigentlich meinte, war, dass das, was man sehen konnte, was ich tat, zwar anmutig, schnell und effektiv war, aber nichts im Vergleich zu dem, was man noch zu lernen hatte." Als es ans Martial-Arts-Training für seine Rolle in "Kill Bill" ging, musste Carradine zugeben: "Ich ging davon aus, dass ich den anderen Schauspielern etwas voraus hatte. Ich dachte: ´Hey, ich brauche dieses Training nicht. Ich habe das 40 Jahre lang gemacht.´ Aber nichts da. Es war hart. Ich musste alles noch mal lernen, was ich schon zu wissen glaubte."

Zum Finale von "Kill Bill" gehört eine angemessene Portion Gewalt, aber diese ergibt sich aus der Spannung, die das Treffen der entfremdeten Eltern in der Gegenwart ihres Kindes auslöst.

"Eine meiner Lieblingsszenen", ergänzt Carradine, "nicht nur von Vol. 2, sondern des ganzen Films, ist eine lange, lange Dialogszene zwischen Bill und der Braut. Tatsächlich ist diese der wichtigste Moment ihrer Liebesgeschichte. Und die ganze Zeit wissen wir, dass diese zwei Menschen einen Todeskampf ausfechten werden. In diesem Film geht es nicht nur um die Gewalt, um die Action. Es geht auch um einen Blick in die Seele und die Herzen der Menschen, die diese Gewalt ausüben."

Original Töne aus "Kill Bill Vol. 2"

"Ich sah tot aus, nicht wahr?" ...


"Hallo Kiddo"... "Wie hast du mich gefunden?" ...


"So begann das Massaker im Shaolin-Tempel" ...

"Was ist das?" ... "Budds Hanzo-Schwert" ...

"Kannst du mit der Kanone umgehen?" ...

   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
  Links zum Artikel:
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Daten und Fakten
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Inhalt und Bilder
  Special: "Kill Bill Vol. 2" - Produktionsnotizen
  www.movie.de
 

    
 

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