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   24.12.2005 - Rubrik: Allgemein  
  Kolumne: Rückblick und Ausblick
 
 

Liebe Leser, liebe Freunde, liebes Team,

ein weiteres Jahr ist vorbei, und DVD ist längst nichts neues mehr. DVD ist überall. Für uns war dieses Jahr das schnellste in der Geschichte von Digital-Movie.de. Haben wir nicht eben noch die Januar News geschrieben? Und nicht gerade erst das Sommerloch überbrückt? Und uns über so manchen Titel im frostigen Herbst gefreut?

Für das kommende Jahr blicken alle gespannt auf HDTV. Vier Buchstaben, die in letzter Zeit oft zitiert wurden. Doch was bringt HDTV wirklich? Wird mit HDTV alles besser?

HDTV wird in Form von Blu-ray und HD DVD, da bin ich mir sicher, nicht den gleichen Siegeszug antreten, wie die DVD. Denn die DVD löste in Deutschland bei vielen die VHS-Kassette als Medium ab, nur wenige Spezialisten nahmen Formate wie die Laserdisc oder aber auch die Video CD überhaupt wahr. Die meisten Filmfans wollen den Film, und DVD ist eine angenehme, bequeme und preiswerte Möglichkeit, fast jeden Film zu erhalten. Eigene Filme können ebenfalls auf DVD verewigt werden. Für viele wird dies über eine lange Zeit ausreichend sein. Natürlich bringt HDTV mehr Auflösung und mehr Spaß, aber um welchen Preis? Die komplette Zuspielkette muss ausgetauscht werden, und die Industrie hat nichts besseres zu tun, als über das Format zu streiten.

Bevor die breite Masse HDTV kaufen wird, muss der Preis runter. Dieser kann aber nur runtergehen, wenn ein entsprechender Absatz da ist. Und der wird, das glaube ich, angesichts der immer noch brodelnden Ungereimtheiten mit Blu-Ray und HD DVD, nicht so schnell kommen. Wer will schon in ein Format investieren, das sich eventuell nicht durchsetzt. BetaMax, Video 2000 – klingelt da etwas?

Ich freue mich auf HDTV, keine Frage. Aber HDTV wird bei mir so schnell die normale "Glotze" nicht ersetzen. Dass dies bei vielen weiteren Anwendern so sein wird, daran hat die Industrie selbst Schuld. Denn etliche HDTV Displays stehen bereits in deutschen Wohnzimmern, allerdings mit analogen Komponenteneingängen. Genau die aber wird der europäische HDTV Standard nicht unterstützen. Da nützt es wenig, dass immerhin Microsofts Xbox 360 diese Anschlüsse unterstützt. Das spricht höchstens für die Xbox, nicht aber für HDTV. Das dürften die Kunden ähnlich sehen.

Die Industrie muss nun wieder einmal mit den Early Adopters anbändeln, ihnen ihre Aufwartung machen, Verlangen generieren. Umsatz machen. Und diese, finanziell gut abgesicherten, Erstkäufer müssen das Format dann bei Freunden und Familie vorstellen, es Ihnen schmackhaft machen. Dass so mancher Bundesbürger nach dem Sinn Fragen wird, ist erlaubt. War der Vorteil von DVD auf eigentlich jedem Fernseher ersichtlich, so spielt HD nur dort die Vorteile aus, wo es bereits ein hochauflösendes Display gibt. Hoffentlich hat das dann aber auch einen HDMI Anschluss.

Ich gehe daher davon aus, dass HDTV kommen wird, aber langsamer, gemächlicher. Die DVD wird uns dagegen sicherlich noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Als das Medium für Filme. Denn preislich werden die kommenden Discs nicht mit der DVD mithalten können. Einen brandneuen Titel, für 14,99 Euro oder weniger – das kann bei einem neuen Format gar nicht funktionieren. Von den Mastern einmal ganz abgesehen. Konnten für DVD bestehende Master (teils leider sichtbar) weiterverwertet werden, so wird für HD in vielen Fällen neu abgetastet werden müssen, für viel Geld, und nach Möglichkeit vom Negativ. Fernsehserien werden auf HD nur begrenzt besser aussehen, denn sämtliche Klassiker, die vor 2000 entstanden, liegen meist nur als SD-Aufzeichnung vor. Da kann die beste Software nicht mehr viel dazurechnen. Ausnahme bilden hier nur die richtig alten Schätze, die wirklich auf Film gedreht wurden - wobei man beten muss, dass das Filmmaterial noch vorliegt.

Somit freue ich mich also ganz speziell auf herausragende Veröffentlichungen in HDTV, die sich an die Early Adopters richten. Denn diese müssen qualitativ herausragend sein, von makelloser Erscheinung, damit die kritische Masse auch verzückt zugreifen mag. Und dann hoffe ich, dass dieser Zustand möglichst lange anhält. Denn sobald auch dieses Format von der breiten Masse akzeptiert wird, sinkt der Qualitätsanspruch wieder, genau wie bei DVD. Dann geht es um den Preis, und für den kann man bekanntlich die Qualität auch wieder herabschrauben. Wie sonst kann man Produkte, die nach drei Monaten nur noch 7,99 Euro kosten dürfen, noch rentabel produzieren?

Beispiele gefällig? Neuere DVDs von Buena Vista oder Sony Pictures eignen sich hervorragend, um einen möglichen Trend der Branche aufzuzeigen. So wurde "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" dieses Jahr mit "nur" 5,5 GB auf DVD gepresst, der Rest der möglichen 7,9 GB Kapazität bleibt ungenutzt. Moment! Fragte da eben jemand nach dem Warum? Nun, einen wirklichen Grund kann es nicht geben, zumindest nicht aus Sicht der Qualitätsoptimierung. Vielmehr darf man davon ausgehen, dass sich bei dieser Vorgehensweise der günstige Preis der Datenträger bemerkbar macht. Wir vermuten, dass immer öfter bereits bei der Fertigstellung des Films ein entsprechender MPEG2-Datenstrom für DVD erstellt wird – mit genügend "Luft" für kommende Extras. Gibt es dann allerdings gar keine Extras, oder nur wenige, bleibt der Platz eben ungenutzt. Es geht natürlich auch anders. Dann füllt das Authoringstudio den freien Platz einfach mit einem Datenstrom mit Schwarzbild – damit wir Redakteure so etwas nicht entdecken, bzw. hoffentlich übersehen. Vielen Dank dafür! Dass der vorhin genannte Titel im übrigen nicht besonders gut aussieht habe ich noch nicht erwähnt, aber das muss ich wohl auch nicht.

Fürchterlich waren die Veröffentlichungen zu Ekel Alfred von ARD Video, für die Studio Hamburg verantwortlich zeichnet. Nicht nur, dass das Material unheimlich schlecht recherchiert wurde, auch die technische Qualität ist erschreckend. Genau wie bei den Veröffentlichungen der "Augsburger Puppenkiste" oder "Drei Damen vom Grill" von Lighthouse Media wurden die alten Archivbänder einfach auf DVD geklatscht. Keine Retusche, keine Farbkorrektur, gar nichts.

Richtige Highlights waren selten. Doch Titel wie z.B. "Top Gun" oder "Titanic" zeigen, dass es eben auch anders geht. Hier merkte man das Engagement und die Motivation bei der Herstellung des Produkts. Besonders die unabhängigen Labels fielen uns dieses Jahr oft auf, meist positiv. Jedoch auch nicht immer. Kinowelt z.B. erfreute mit Community mit einem Produktionsfehler nach dem anderen – was angesichts des Potentials der betroffenen Titel (z.B. "Saw" oder "Nikita") weniger erfreulich ist. Scheinbar fühlt sich im Hause Kinowelt niemand dafür zuständig, das fertige Produkt vor Vertrieb noch einmal anzuschauen. Bei Highlight Video veröffentliche man gar eines der Sahnestücke des Jahres, "Der Untergang", in der Langfassung nur in Dolby Surround, während das Ausland den Titel in 5.1 präsentiert. Peinlich.

Doch es gab auch eine ganze Reihe ambitionierter Projekte, die zeigen, dass weiterhin auch gute Qualität machbar ist. So haben sich 2005 gleich mehrere Labels durch ihr Engagement bei den Fans beliebt gemacht. Capelight Pictures (u.a. "Martin", "Black Christmas", "Kolp"), Koch Media (u.a. "King Of Queens", "Catweazle") und Turbine Medien (Oliver Kalkofe, Dieter Hallervorden, Udo Lindenberg, Heinz Rudolf Kunze) überzeugten mit einigen tollen Veröffentlichungen, die qualitativ weit oben mitspielen dürfen.

Ich schaue daher gespannt in die Zukunft, denn 2006 wird zeigen, wie das sportbegeisterte Publikum auf HDTV reagiert. Sollten sich für die WM genügend große Displays verkaufen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass HDTV, und damit sicher auch Blu-ray oder HD DVD, in absehbarer Zeit in jeden Haushalt kommen wird. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Medium der Wahl herauskristallisiert hat. Aber diese "Revolution" wird Zeit brauchen. Wie lang das sein wird, weiß niemand. Ich erwarte den wirklichen Durchbruch bei einer guten WM nicht vor 2008, sonst wohl nicht vor 2010. Aber das ist nur meine Meinung - die Zeit wird zeigen, wer Recht hat.

Wer zu einem hochauflösenden Fernseher greift, weil der alte kaputt ist, oder ein neuer her soll, der sollte auf jeden Fall auf das Symbol "HDReady" achten – und sicherheitshalber noch einmal genau die Spezifikationen konsultieren, da dieses Jahr gleich mehrere Produkte unangenehm auffielen, die zwar das Logo, jedoch nicht die geforderte Ausstattung, boten.

Wir werden auch 2006 im wahrsten Sinne des Wortes am Ball bleiben, aber, das sind wir unseren Lesern schuldig, kritisch und ehrlich. Das mag einigen Vertretern der Industrie nicht schmecken - geschenkt. Wir sind der Meinung, dass es sinnvoll ist, auch weiterhin mit dem Kopf dabei zu sein.

Ich wünsche Ihnen und Euch ein gelungenes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ihr und Euer

Christian Bartsch

   
    
 

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