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   18.06.2004 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Cold Mountain" - Produktionsnotizen
 
 

Wie es bei unseren Specials so üblich ist, wollen wir euch auch dieses Mal nicht vorenthalten, was die Macher von "Unterwegs nach Cold Mountain" zu ihrer Produktion zu sagen haben, wie der Film entstanden ist, und welche Hürden dabei überwunden werden mussten.

Über die Produktion

Der Roman "Unterwegs nach Cold Mountain"


Amerika um 1860: In einem vom Krieg zerrissenen Land machen sich zwei Menschen auf den außergewöhnlichen Weg zueinander. Ihre Reise steht im Mittelpunkt des mit dem National Book Award ausgezeichneten Romans "Unterwegs nach Cold Mountain" von Charles Frazier. Frazier kreierte in seinem Romandebüt eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Natur, Überleben und ein für immer verändertes Amerika am Ende des Bürgerkriegs. Oscar-Preisträger Anthony Minghella inszenierte die Filmfassung von "Unterwegs nach Cold Mountain" mit Jude Law, Nicole Kidman und Renée Zellweger in den Hauptrollen.

Charles Fraziers Debüt "Unterwegs nach Cold Mountain" erschien 1997. Schnell erntete die Geschichte eines Soldaten, der sich in den letzten Wochen des Bürgerkriegs auf die Suche nach seiner Heimat und seiner großen Liebe begibt, Lobeshymnen in den Feuilletons. Die Kritiker waren begeistert von dieser neuen Stimme in der US-Literatur, die es nicht nur verstand, eine mitreißende Geschichte zu erzählen, sondern auch eine einzigartige Perspektive auf jene historische Periode zu eröffnen, die Amerika wohl am meisten verändert hat. Frazier zeichnete in seinem Roman das Bild einer Gesellschaft im Chaos und eines Paares, das sich nach innerem und äußerem Frieden sehnt.
Der Roman spielt in einer Zeit, in der schwere Schlachten tobten, bis es - wie Abraham Lincoln formulierte - zur "Geburt einer neuen Freiheit" kam. Es war eine Zeit, in der Brüder ihre Waffen gegeneinander erhoben und Liebende auseinander gerissen wurden, um schließlich ein neues Land zu erschaffen. Der blutige Krieg neigte sich dann zwar seinem Ende zu, aber das Leben in Amerika blieb - besonders für Soldaten und Frauen - unsicher. Ihre persönliche Schlacht um das Bestehen in einer neuen, ungewissen Zukunft war noch längst nicht geschlagen. Für viele war es eine Zeit der Besinnung, des Hinterfragens eigener Werte und dessen, was menschliche Existenz tatsächlich ausmacht, und es bedeutete die Wiederentdeckung eines Grundelements amerikanischen Lebens: der Familie. Charles Frazier stammt aus den Blue Ridge Mountains in North Carolina. Er wuchs auf mit jenen Bürgerkriegsgeschichten, die von seinem Ururgroßvater und Ururonkel weitergegeben worden waren. Jener Ururonkel war W. P. Inman, das historische Vorbild der Romanfigur, ein Soldat der Konföderierten, der von einem Lazarett in Virginia 300 Meilen bis nach Hause lief. Frazier war fasziniert davon, wie ganz gewöhnliche Menschen, Bergbauern, hinterwäldlerische Prediger, sogar Damen der Gesellschaft, in das Kreuzfeuer dieses Krieges gerieten, der ihre Seele für immer verändern sollte. Charles Frazier saugte diese kaum bekannten Geschichten wie ein Schwamm in sich auf: die Hoffnungslosigkeit von Soldaten im Kampf für etwas, an das sie nicht glaubten, die Verzweiflung und Einsamkeit der zurückgelassenen Frauen, Kinder und Alten oder die innere Schönheit selbstloser Menschen, die Fremden halfen zu überleben. Sie sollten Teil eines Bürgerkriegsromans werden, der nicht auf die üblichen Schlachten und Generäle einging. Im Mittelpunkt standen stattdessen die Herausforderungen und Sehnsüchte durchschnittlicher Amerikaner in einer Zeit des Aufruhrs. In detailreichen Schilderungen erweckt Frazier auch eine verloren gegangene Lebensweise wieder zum Leben, die auf dem Verhältnis zu Natur und Landschaft basierte, auf einer intimen Beziehung zu Mutter Erde. Der Roman ist ein episches Abenteuer und zugleich eine Lovestory, die auf der ganzen Welt Leser jeden Alters in ihren Bann zog. "Unterwegs nach Cold Mountain" stand mehr als 45 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times und gehört inzwischen zur Standardlektüre an amerikanischen Schulen und Universitäten.

Nach der Lektüre von "Unterwegs nach Cold Mountain" war Regisseur Anthony Minghella überrascht von seiner intensiven Reaktion auf die bewegende und packende Story. "Es ist nur scheinbar eine Geschichte über den Bürgerkrieg, denn ich interessiere mich nicht unbedingt für Kriegsgeschichten. Aber mir wurde schnell klar, dass viel mehr dahinter steckt. Es geht um die Rückkehr aus dem Krieg, die Auswirkungen, die Brutalität und Chaos auch auf die Welt jenseits des Schlachtfelds, auf Familien und Freundschaften haben. Sehr mitreißend und sehr unverbraucht erzählt." Anthony Minghella sieht in dem Roman "eine Überarbeitung von Homers ´Odyssee´. Es ist die Geschichte eines Mannes, der um jeden Preis nach Hause will und dabei alle erdenklichen Hindernisse zu überwinden hat." Die Figur des Inman, dessen Name nicht umsonst auf das englische "Every", also Jedermann, anspielt, muss eine Reihe von Prüfungen überstehen. Hybris, Eitelkeit, Mut, niedere Instinkte und Loyalität stehen auf dem Prüfstand. "Inman begibt sich nicht nur auf ein körperlich sehr anstrengendes Abenteuer, sondern auch auf eine spirituelle Reise." Anthony Minghella sieht auch Inmans Liebste Ada auf einer Art Odyssee: "Ada wartet auf ihn und begibt sich damit in eine ähnliche Situation. Sie gehört zu den Privilegierten, hat keine Ahnung davon, wie man in der realen Welt überlebt. Im Verlauf des Films muss sie lernen auf sich selbst aufzupassen, im Krieg zu überleben und sich in der Natur zurechtzufinden. So sehr ich mich mit Inman identifiziere bzw. auf ihn projiziere, wie es wäre, käme man aus dem Krieg heim, so gut kann ich mich auch in Ada und ihre Verwandlung hineinversetzen. Die Freundschaft zu Ruby führt sie von einem sehr introvertierten Leben nach außen, macht sie zu einem Teil des Landes, in dem sie lebt." Sofort sah Minghella Fraziers epische Story vor seinem inneren Auge als Film ablaufen: "Dieses Buch ist als Filmadaption einfach unwiderstehlich. Es verfügt über einen ehrenhaften Helden, eine Reise, einen Handlungsantrieb, eine Reihe von Hindernissen, eine Frau, die voller Verlangen auf den Helden wartet, und es hat Cold Mountain selbst, jenen Ort, der für eine unwiederbringlich verlorene Zeit und Lebensweise steht. Im Kern stellt das Buch die Frage: ´Ist es besser, bei einem Versuch zu scheitern, als etwas gar nicht zu versuchen?´" Als er das Drehbuch verfasste, war Anthony Minghella bewusst, dass er Fraziers Story seine eigene Sichtweise hinzufügen musste. Auch würde die Adaption eines so bekannten und beliebten Romans viele Gefahren in sich bergen. Aber Anthony Minghella hatte die Zuschauer schon einmal verzaubert mit seiner bewegenden Leinwandfassung eines Romans, der so reich an Sprache war, dass viele ihn für unverfilmbar hielten: "Der englische Patient". Minghellas Drehbuch konzentrierte sich auf das ineinander verwobene Leben von Inman, Ada und Ruby, von denen jeder durch Liebe, Freundschaft und den Wunsch nach Frieden zu unerwartetem Mut und Stärke findet. Sein Drehbuch bestand auch vor Charles Fraziers kritischem Blick, woran Anthony Minghella sehr viel lag. Auch Produzent Sydney Pollack war beeindruckt: "Anthony hat die Adaption zu seiner ganz eigenen Geschichte gemacht, ohne dabei die Absichten des Buchautors zu missachten. Man kann sagen, er hat die ganze Welt des Buches noch einmal in seinem Drehbuch erträumt. Es verfügt über alles, was Anthony und ich schätzen: Es ist eine Liebesgeschichte, aber zugleich eine Odyssee, die ihre Hauptfiguren jeder nur erdenklichen Prüfung unterzieht." Autor Charles Frazier fasst schließlich zusammen: "´Unterwegs nach Cold Mountain´ ist eine Meditation über Angst und Verlangen in unserem Leben und darüber, wie wir auf persönlicher Ebene auf Gewalt reagieren und uns von der Gewalt zum Frieden hin entwickeln. Inmans Reise ist der Weg zu seiner persönlichen Vision von Frieden, einem Zuhause und jenem Leben, nach dem er sich sehnt. Das ist von zeitloser Gültigkeit, auch wenn der Bürgerkrieg mir einen sehr konkreten Hintergrund für diese Geschichte bot."

"Unterwegs nach Cold Mountain" wird bevölkert:
Besetzung und Figuren

Von Anfang an setzte Anthony Minghella alles daran, die perfekte Besetzung für die Helden, Heldinnen und Schurken von "Unterwegs nach Cold Mountain" zu finden. Es war klar, dass Faktoren wie die Wahl des Drehortes und der Ausstattung nutzlos wären, solange Charles Fraziers Figuren nicht zum Leben erweckt würden. Die beeindruckende Gruppe von Soldaten und Überlebenskünstlern, die den Roman bevölkert, sollte auch das organische Herz des Films bilden. „Ich verbrachte Monate mit der Besetzung, wie ich das immer tue. Ich spreche persönlich mit jedem Schauspieler und verbringe Zeit mit ihm allein. In den Besetzungsprozess fließt eine enorme Energie, weil er mir zugleich hilft zu erfahren, in welche Richtung mein Film gehen soll. Ich frage mich laufend: ´Warum passt dieser oder jener Schauspieler in eine Rolle? Warum ein anderer nicht?´ Und: ´Was bedeutet das?´ Weil für "Unterwegs nach Cold Mountain" eine ganze Sammlung von Figuren gebraucht wurde, ging ich sogar noch weiter. Vor meinem geistigen Auge ging ich jede Einstellung dahin gehend durch, ob die Gesichter zu den jeweils anderen passen würden." Laut Minghella traf das besonders auf die drei Hauptrollen zu: Inman, Ada und Ruby. "Es war unmöglich, sich für die Besetzung einer Figur zu entscheiden, ohne das Gefüge aus allen dreien vor Augen zu haben", erklärt Minghella. "Ich arbeitete mich durch etliche Kombinationsmöglichkeiten, nach dem Motto: Wenn der oder jener Inman ist, passt dann diese oder jene Ada zu ihm und könnte dann diese oder jene Dame Ruby spielen? Ich schob alles hin und her und kombinierte, bis ich die Dreieckskonstellation fand, die am besten funktionierte." Schließlich entschied sich Minghella für Jude Law, Nicole Kidman und Renée Zellweger, die Herz und Seele der Geschichte verkörpern sollten. Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman wurde als städtische, gebildete Ada Monroe besetzt, die Zeit ihres Lebens von ihrem Vater, gespielt von Donald Sutherland, beschützt wird. Mit dem unerwarteten Tod ihres Vaters und dem Aufbruch ihrer neuen Liebe Inman in den Krieg findet sich Ada allein auf ihrer Farm wieder, inmitten extremer Gefahren und ohne einen blassen Schimmer, wie sie sich verteidigen könnte. Sie läuft Gefahr, zu verhungern oder angegriffen zu werden, und muss mit der wachsenden Befürchtung umgehen, dass Inman nie wieder aus dem Krieg zurückkehren wird. Der Bücherwurm Ada muss lernen, von dem zu leben, was das Land abwirft, und auf ihr Herz zu hören, als sie sich mit der bärbeißigen, selbstbewussten Ruby anfreundet.

Nicole Kidman war glücklich, eine Figur spielen zu dürfen, die sie so ungemein fasziniert hat: "Ich hatte das Buch schon vor Jahren gelesen und wurde in seinen Bann gezogen. Es schilderte das Innenleben von Inman und Ada so brillant. Und ich fragte mich, wie man das wohl in einen Film umsetzen könnte? Anthony Minghella hat es geschafft, weil er ein wahrer Poet ist. Er hat den großartigen Roman in ein eigenständiges Drehbuch überführt." Kidman über ihre Rolle: "Ich kann mich an keine andere epische amerikanische Liebesgeschichte erinnern. Für mich dreht sich alles um Liebe, Hoffnung und Bestimmung. Und ich glaube nicht, dass es in der letzten Zeit einen derartigen Film gab, und bin deshalb froh, Teil dieses Projekts sein zu dürfen." Kidman sah ihre Rolle nicht nur als Gelegenheit, einen Ausflug in die amerikanische Geschichte zu unternehmen. Der Film erzählt für die Schauspielerin zugleich die zeitlose Geschichte von persönlicher Verwandlung und vom Überlebenswillen einer Frau. "Ada ist eine tolle Frauenrolle", so Kidman. "Sie entwickelt sich von der Südstaatenschönheit, die keine Ahnung von praktischen Dingen hat, zu jemandem, der lernt in Krieg und Verarmung zu überleben. Außerdem hat mich das Thema Freundschaft unter Frauen angesprochen. Anthony schildert diese Freundschaft als etwas, was Ada und Ruby nicht nur hilft zu überleben, sondern auch gemeinsam ihre Ängste zu überwinden. Zwei solch schöne, reichhaltige Frauenrollen in einem Film gibt es selten."

Ruby ist eine raubeinige Herumtreiberin, die deutlich sagt, was sie denkt, und sich in der Natur gut zurechtfindet. Sie hat Haare auf den Zähnen und ist oftmals Quelle derben Humors. Aber als Ruby Ada vor dem vollkommenen Zusammenbruch bewahrt, entdeckt sie auch ihr unterdrücktes Bedürfnis nach Kontakt mit anderen Menschen und nach familiärer Bindung. Renée Zellweger hatte gerade ihren Auftritt als Femme fatale im Oscar-prämierten Musikfilm "Chicago" beendet, als sie für "Unterwegs nach Cold Mountain" besetzt wurde. Auch Zellweger ist ein Fan des Romans: "Und weil ich das Glück habe, Freunde des Frazier-Clans auch meine Freunde nennen zu dürfen, kannte ich das Buch schon als Manuskript, noch vor der Veröffentlichung. Mich hat es sehr berührt, weil es sowohl ein aufwühlendes Epos als auch eine detailreiche Schilderung dieses Stücks amerikanischer Geschichte darstellt." Zellweger war so begeistert von dem Roman, dass sie versuchte, verschiedenen unabhängigen Filmemachern zu helfen, die Rechte an dem Roman zu erwerben. Als sich herausstellte, dass Anthony Minghella den Film inszenieren sollte und er ihr auch noch die Rolle der Ruby anbot, war die Texanerin begeistert. "Anthony ist einfach brillant", so Zellweger. "Ich war beeindruckt von dem Verantwortungsbewusstsein, mit dem er die Authentizität und die Schönheit des Buches gewahrt hat. Und in Bezug auf Ruby kann ich nur sagen: Sie ist jemand, der sich durchschlägt, ´sehr erdverbunden´, wie Anthony es formulieren würde." Sich ihre Rolle zu erarbeiten, bedeutete für Zellweger, sich ganz auf den Rhythmus der Natur einzulassen, ihre bodenständige, erdverbundene Seite zu zeigen. Ruby zu spielen hieß aber auch, sich auf eine innere Reise zu begeben. Zellweger erklärt: "Für mich ist Ruby ein Mensch, der die Finger ständig im Dreck hat. Sie weiß, wie man sät, sie weiß, welche Feldfrucht entsteht und wann sie zu ernten ist. Ruby weiß alles über den Mond, die Sonne, die Jahreszeiten und die Winde. Bei ihr dreht sich alles darum, Dinge zu erledigen und einfach zu überleben. Bis sie Ada trifft, spielen Gefühle in ihrem Leben kaum eine Rolle. Sie hat gelernt, n i c h t zu fühlen. Da ist es natürlich schauspielerisch interessant, darzustellen, wie sich jemand dann öffnet und sich ändert. Ruby fängt an, ihre Vorstellungskraft zu benutzen, sich auszudrücken. Ich finde es schön, zu sehen, wie diese beiden Frauen voneinander lernen und zusammenwachsen."
Anthony Minghella über die Figuren: "Ruby zeigt Ada den Boden unter den Füßen und Ada eröffnet Ruby luftige Höhen. Nicole präsentiert sich eher kopfgesteuert, aber die erdverbundene Seite in ihr scheint durch. Ebenso ist es bei Renée, deren Bodenständigkeit durchbrochen wird von einem komplexen Innenleben, das auch bei Ruby später an die Oberfläche tritt. "Nachdem Minghella die "Damenwahl" abgeschlossen hatte, begab er sich auf die Suche nach seinem Inman. Auf seiner Odyssee wird Inman angetrieben von seinen Erinnerungen an das erste Aufflackern seiner Liebe zu Ada und dem drängenden Bedürfnis, zu ihr zurückzukehren und sie zu retten. Er sieht sich Gefahren und Zweifeln jeder Art ausgesetzt und landet an einem Scheideweg, der seine Lebensauffassung vollkommen verändert. Auf seiner Suche nach dem idealen Inman kehrte Minghella immer wieder zu seinem guten Freund Jude Law zurück, mit dem ihn bereits die erfolgreiche Zusammenarbeit bei dem Film "Der talentierte Mr. Ripley" verband. "Die Zusammenarbeit mit ihm war eine wundervolle Erfahrung, er ist immer willig, sehr clever und großzügig", schwärmt Minghella. "Meine Frage war also nicht: ´Kannst du diese Rolle spielen?´ Die Frage war, ob er gewillt war durchzustehen, was jeder, der Inman hätte spielen sollen, durchzustehen hätte. Während wir darüber sprachen, wurde mir klar, dass Jude das auf jeden Fall auf sich nehmen wollte. In ´Der talentierte Mr. Ripley´ war er für viele eine Entdeckung. In ´Unterwegs nach Cold Mountain´ wird man ihn wiederum entdecken, diesmal als romantischen Leading Man, der auf der Leinwand alles rüberbringen kann." Jude Law selbst wusste schon nach der ersten Lektüre des Drehbuchs, dass er Inman spielen wollte. "Ich erkannte auf Anhieb, dass jeder Schauspieler bereit wäre zu sterben, um diese Rolle spielen zu können. Er ist ein Jedermann, die Augen und Ohren des Publikums. Zu Beginn der Handlung lässt er sich mitreißen von der Kriegsbegeisterung und dem Patriotismus des Bürgerkriegs, er glaubt an die Überzeugungen der Südstaaten. Aber nachdem er durch die Hölle des Kriegs musste, geht er auf eine Reise der Erkenntnis. An deren Ende steht seine Gewissheit, dass das Einzige, wofür es sich zu leben lohnt, die Liebe ist. Und er versucht verzweifelt zur Liebe dieser Frau (Ada) zurückzukehren."

Liebe ist das ultimative Ziel im Leben

Mit Beginn der Dreharbeiten war Minghella beeindruckt von Laws Willensstärke: "Ihm war bewusst, dass er während der Dreharbeiten fast genauso viel zu erleiden hätte wie die Filmfigur Inman", erinnert sich Minghella. "Wir erleben, wie er lebendig begraben wird und dem Tod mehr als einmal von der Schippe springt. Er wird gejagt, fast verbrannt, verwundet, gefoltert, in Ketten gelegt, verschleppt und unter Drogen gesetzt. Er sieht sich Tod und Versuchung gegenüber und verfügt über keinerlei Hab und Gut mehr."
Jude Law war "auf die Anforderungen der Rolle vorbereitet und bereit, alles zu tun, was nötig war. Schließlich ist das ein Film über Menschen in verzweifelter Situation, während harter Zeiten und geistiger Umwälzungen. Für mich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben, über die Gründe zu leben und darüber, dass Liebe das ultimative Ziel im Leben ist." Außer für Kidman, Zellweger und Law boten die bunten Figuren, die in Adas, Rubys und Inmans Leben treten, zahlreichen hochklassigen Darstellern Gelegenheit, in "Unterwegs nach Cold Mountain" aufzutreten. Für diese entscheidenden Nebenrollen suchte Minghella nach Schauspielern, die sonst Hauptrollen spielen. Der Regisseur erklärt: "Wir hatten ja bereits Schwergewichte im Ring. Da dürfen keine Fliegengewichte zum Kampf antreten. Ich suchte nach Leuten, die im übertragenen Sinn so hart zurückschlagen konnten, wie Jude oder Nicole oder Renée austeilten. Ich hatte die Chance, den Film so zu besetzen, wie ich vielleicht nie wieder einen Film werde besetzen können. Ich konnte Donald Sutherland für die Rolle von Adas Vater besetzen, Eileen Atkins spielt Maddy, die Ziegenfrau, Philip Seymour Hoffman den entehrten Prediger Veasey und Natalie Portman Sarah, die hilflose Farmersfrau, die mit ihrem kränklichen Kleinkind in einem Holzhaus lebt; nicht zu vergessen Giovanni Ribisi als Waldbewohner, der eine ganze Schar Frauen und Kinder in seiner Hütte beherbergt."

Diese Darsteller kombinierte Minghella mit weiteren Schauspielern zu einem der wohl aufregendsten Ensembles der Filmgeschichte: Ray Winstone ("Ganz oder gar nicht", "Sexy Beast") tritt als Teague auf. Der Anführer der Bürgerwehr jagt gnadenlos Deserteure und stellt Ada mit beängstigender Hartnäckigkeit nach. Brendan Gleeson ("Gangs of New York") spielt Stobrod, den Landstreicher und Geiger, der - wie sich herausstellt - Rubys Vater ist. Kathy Baker ("Gottes Werk und Teufels Beitrag") und James Gammon ("Leben oder so ähnlich") als Esco und Sally Swanger, Adas Nachbarn und Kriegsgegner in "Unterwegs nach Cold Mountain", Charlie Hunnam ("Nicholas Nickleby") als Teagues mörderischer Kumpane Bosie, Ethan Suplee als Stobrods einfältiger Begleiter Pangle, Jena Malone ("Das Haus am Meer") als Fährmädchen am Cape Fear River, Melora Walters ("Magnolia") als Juniors lüsterne Frau Lila, Jack White (von den White Stripes) in seinem Film-Debüt als Georgia, mitreisender Musiker von Stobrod und Pangle, und Lucas Black ("Sling Blade") als Rekrut Oakley. Produzent Albert Berger fasst zusammen: "Wir konnten uns glücklich schätzen, eine solch illustre Ansammlung nicht nur von Veteranen der Branche, sondern auch von vielen interessanten, wundervollen jungen Darstellern der Gegenwart vor unserer Kamera vereinen zu dürfen."

Wo liegt Cold Mountain? Die Drehorte

Noch immer lag eine der dringlichsten Aufgaben vor Anthony Minghella: Er musste Drehorte finden, an denen der Geist des Amerikas von "Cold Mountain" spürbar werden würde. Es sollten Orte sein, die ebenso schön wie wild waren, tiefe Wälder, schlammige Sümpfe und ausgezehrte Farmen, auf denen der tägliche Kampf gegen die Natur zu bestehen war. "Unterwegs nach Cold Mountain" spielt in einer Zeit des Krieges, als auch ungezähmte Wildnis Amerikas Landschaft bestimmte. In den 1860ern war besonders der Süden der USA abgelegen und dünn besiedelt. Das Überleben war dort nur im Einklang mit der Natur möglich. Es musste Minghella also gelingen, die majestätische Würde und das Angsteinflößende dieser Wildnis zu zeigen, in der sich Ada und Inman wiederfinden, um der epischen Story von "Unterwegs nach Cold Mountain" überhaupt gerecht werden zu können. Der Regisseur und sein Produktionsdesigner Dante Ferretti gingen deshalb fast ein Jahr lang auf die Jagd nach passenden Locations. Erst suchten sie natürlich in den zerklüfteten Blue Ridge Mountains, der Heimat von Charles Frazier. Aber zu ihrer großen Enttäuschung hatte sich die Gegend dort völlig verändert. Die Zeichen der Moderne waren unübersehbar. "Selbst Asheville hat kaum mehr historische Gebäude", erinnert sich Ferretti. Regisseur und Produzenten fingen von neuem an zu suchen - auf der ganzen Welt. Minghella und Ferretti fuhren erst nach Kanada. Aber auch dort zeigten die Wälder Spuren der Zivilisation und ähnelten kaum den Wäldern von North Carolina um 1860. Doch das Glück half nach. Der ausführende Produzent Iain Smith fuhr auf Wanderurlaub in die rumänischen Karpaten und glaubte dort die passende Landschaft gefunden zu haben. Smith schickte Schnappschüsse in die USA und Minghella und Ferretti machten sich auf den Weg. Zu ihrer Überraschung wirkten die Karpaten exakt so, wie Cold Mountain im 19. Jahrhundert ausgesehen haben musste. "Besonders die Dichte des Waldes beeindruckte uns", so Anthony Minghella, und "es war voller Schnee und wunderschön." Dante Ferretti ergänzt: "Wir fuhren im Frühjahr noch einmal dorthin und es stellte sich heraus, dass die Landschaft perfekt für jede Jahreszeit geeignet war, die wir im Film zeigen wollten." Die Filmemacher beeindruckte zudem die Zeitreise in eine Periode der Einfachheit des Lebens. Im ländlichen Rumänien ist die Welt auch heute noch ein Wechselspiel der Jahreszeiten, rau und unzivilisiert, genau wie in North Carolina vor 100 Jahren, als Inman, Ada und Ruby dort lebten. Produzent Sydney Pollack fasst zusammen: "In Rumänien konnten wir ironischerweise einen authentischeren Film drehen, als es in den USA jemals möglich gewesen wäre." Es stellte sich heraus, dass es in der Nähe des echten Cold Mountain sogar einen Bezirk "Transsylvanien" gibt, der so heißt aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem rumänischen Original. Minghella deutete auch das als Zeichen, dass er den richtigen Drehort gefunden hatte. "Natürlich waren wir enttäuscht, nicht in North Carolina drehen zu können, aber gleichzeitig freuten wir uns über die Möglichkeiten, die Rumänien uns eröffnete. Schließlich wurde nicht nur in Rumänien, sondern auch an verschiedenen Drehorten in den Südstaaten der USA gedreht, darunter South Carolina und Virginia, wo das Team Originalgebäude aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg nutzte, um den Landschaftsbildern noch mehr Authentizität zu verleihen. Die Sumpfszenen entstanden in Botany Bay.

Cold Mountains Wiederauferstehung: das Szenenbild

In der Zusammenarbeit zwischen all jenen Künstlern, die Kostüme und Kulissen für "Unterwegs nach Cold Mountain" entwarfen, hatte eines Priorität: Inmans und Adas abgetrennte Welten bis ins kleinste Detail zum Leben zu erwecken. Das Publikum sollte in das Leben am Ende des Bürgerkriegs, in jene so andere amerikanische Realität förmlich eintauchen können. Für den bereits sechsmal für einen Oscar nominierten Dante Ferretti, der schon mit den visionärsten Filmemachern - von Fellini bis Scorsese - gearbeitet hat, eine ganz besondere Herausforderung. In den bewaldeten Berggebieten und auf dem Ackerland Rumäniens fand Ferretti den passenden Rahmen für seine Kreationen: prächtige Gebäude in amerikanischen Städten, Soldatenlager des Bürgerkriegs und traditionelle Südstaatenfarmen. Er baute sogar 32 Gebäude auf echtem Fundament, um die Stadt Cold Mountain zu erschaffen. Auch Adas Black Cove Farm wurde nach genauen Plänen gebaut, um dann drehbuchgerecht von einem einladenden Heim zu seinem heruntergekommenen Zustand im Krieg verändert zu werden, bevor es schließlich Adas und Rubys hart erkämpfter Triumph wird. "Für mich lag die Herausforderung darin", erklärt Ferretti, "eine primitivere, ungezähmte Welt auferstehen zu lassen, einen Eindruck vom ländlichen Amerika des 19. Jahrhunderts zu vermitteln." Anthony Minghella ist voll des Lobes über die Ergebnisse: "Was Dante zu diesem Film beigetragen hat, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Seine Arbeit ist so authentisch, dass viele Zuschauer glauben werden, wir hätten tatsächlich alte Farmhäuser für den Dreh gefunden. In Wirklichkeit wurde jedes einzelne Gebäude, bis auf einige wenige in Charleston, von Dante entworfen und gebaut. Seine positive Energie ist außergewöhnlich. Für ihn scheinen keine kreativen Beschränkungen zu gelten. Er öffnete mir erst die Augen für das, was tatsächlich möglich ist."

Authentizität war auch für Kostümbildnerin Ann Roth das entscheidende Kriterium. Sie recherchierte in der Vorbereitungszeit ausgiebig für das Projekt, studierte Bücher, Gemälde und seltene Fotografien aus der Zeit. Ihre Kostüme halfen den Schauspielern, sich in den Alltag und die Persönlichkeiten ihrer Figuren einzuleben. Minghella legt großen Wert darauf, dass "Ann nicht nur Kostüme entwirft, sondern damit auch die Figuren ein Stück weit mit kreiert." Roth strebte nach größtmöglicher historischer Genauigkeit, bis hin zur Unterwäsche. "Die richtige Unterwäsche kann dem Schauspieler helfen, sich seiner Figur entsprechend zu bewegen", erklärt die Kostümbildnerin. Renée Zellweger fügt hinzu: "Alles, was ich trug, bis hin zu Haken und Ösen, war originalgetreu. Und was die Unterwäsche angeht: Man steht einfach anders da und benötigt außerdem eine halbe Stunde, um auf die Toilette zu gehen. Es wurde nicht getrickst und es gab auch kein Gummiband in der Taille. Ich habe daraus gelernt, dass Kleidung damals nicht der Bequemlichkeit diente, sondern Teil des harten, handfesten Lebens dieser Menschen war, und dass die Kleidung einen großen Teil von Ruby und den anderen Figuren ausmacht." Adas Kostüme mussten detailreicher als die von Ruby sein. Aufgrund ihres früheren Standes als wohlbehütete Dame der Gesellschaft trägt sie die variationsreichste Kleidung aller Figuren. Zu Beginn des Films trägt Ada ein reich geschmücktes, maßgeschneidertes Blümchenkleid aus Seide und Satin. Ann Roth entwarf jedes der Kostüme nach eigenen Skizzen und arbeitete eng mit Minghella und Kidman zusammen. So macht Adas Garderobe einen radikalen Wandel durch, nachdem Inman in den Krieg gezogen und Adas Vater gestorben ist. Von teurer Kleidung kann keine Rede mehr sein. Bald trägt sie nur noch ihr Unterkleid oder den alten Mantel ihres Vaters. "Die Kleidung fällt ebenso von ihr ab wie ihr Standesbewusstsein", erklärt Roth. "Ihr Charakter entwickelt sich Stück für Stück und ihre sich verändernden Gefühle sind an ihrer Kleidung abzulesen."

Von allen drei Hauptfiguren ist Inmans Kleidung die schlichteste. Er ist auf der Flucht und kann seine Kleidung nicht wechseln. Hier war es am wichtigsten, dass die Kleidung der Figur Inman jene Würde verleiht, die er sich bewahrt. "Er ist ein verschlossener Mann, heldenhaft, die entscheidende Figur dieses Epos. Seine Kleidung sollte das auch widerspiegeln", erläutert Roth. Seine Jacke, Hemd, Hosen, selbst sein Hut ist originalgetreu. Seine Kleidung ist in Erdtönen gehalten und ohne Verzierungen, sie reflektiert Inmans innere Stärke. Für die Kostüme der Soldaten in den Schlachtszenen arbeitete Ann Roth eng mit Dan Troiani zusammen, einer Autorität auf dem Gebiet der Bürgerkriegs-Memorabilien, -Uniformen und -Artefakte. Er stand der Produktion beratend zur Seite. Roth inspizierte Troianis Uniformfundus und entdeckte, dass - während die Nordstaatler standardisierte dunkel-/hellblaue Uniformen trugen - die Konföderierten wesentlich uneinheitlicher in die Schlacht gezogen waren. Ihre Uniformen variierten von Staat zu Staat, die Farbgebung konzentrierte sich in der Regel auf Grau- und Erdtöne. Die passenden Stoffe für ihre Uniformen fand Ann Roth bei den Amish, die heute noch Stoffe auf traditionelle Weise herstellen, zum Teil aus historischen Fasern. "Wir fanden bei den Amish sogar ein paar Originalstoffe aus dieser Zeit", freute sich Roth. "Wir schneiderten die Uniformen nach Originalschnittmustern. Muster und Stoffe wurden aus den USA nach Rumänien gebracht, wo mein Kollege Carlo Poggioli in der Stadt Rasnov eine Nähfabrik aufgebaut hatte, in der die Kostüme geschneidert wurden."

Auch der Oscar-prämierte Kameramann John Seale musste sich erst in die Feinheiten der frühen fotografischen Darstellung einarbeiten, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die Welt zu Inmans Zeiten auf Filmmaterial gebannt werden konnte. Seale wollte jede Künstlichkeit vermeiden, um eine unverfälschte, realistische Atmosphäre zu schaffen. Er ging "Unterwegs nach Cold Mountain" Szene für Szene durch, um herauszufinden, wie sich Jahreszeiten und Stimmungen im Verlauf des Films ändern. "Es sollte nicht sehr stilisiert inszeniert werden", erklärt John Seale. "Wir wollten alles natürlich belassen und ich entschied mich für zwei Arten von Film. Ein etwas kontrastreicheres Material für die Szenen, in denen Inman und seine Leiden auf der Reise gezeigt werden. Für die Szenen mit Ada und Ruby auf der Black Cove Farm bevorzugte ich Material, das weichere Bilder erzeugt. Wir entschieden uns dann auch dafür, ausschließlich Lichtquellen zu benutzen, die es 1860 schon gab, von Tageslicht über Sonne, Wolken, Dämmerung, Kerzenschein bis hin zu Ölflammen und Lagerfeuer." Nur für eine einzige Sequenz wählte Seale aufwendigeres optisches Design: für die Schlacht von Petersburg, so entsetzlich und todbringend, dass sie kaum ausdrucksstark genug umgesetzt werden konnte. "Schlachtgemälde zeigen, wie der Rauch der riesigen Explosion die Atmosphäre durchdringt. Deshalb habe ich mich in dieser Szene für Tabakrot, verbrannte Erdtöne und Farbfilter entschieden. Ich wollte das Gefühl hervorrufen, dass dieser Ort durchdrungen war von Schießpulver, Blut und Dreck", erklärt Seale. So wie es Zeitzeugen geschildert haben. John Seale und Anthony Minghella hatten bereits bei "Der englische Patient" zusammengearbeitet, für dessen Bildinszenierung Seale einen Oscar gewann, und bei "Der talentierte Mr. Ripley". Aber "Unterwegs nach Cold Mountain" hält John Seale für die bis dato komplexeste gemeinsame Arbeit mit Minghella. Dazu trug nicht zuletzt das unberechenbare Wetter in Rumänien bei. Innerhalb von Minuten wechselte es von gleißender Sonne zu heftigem Gewittersturm. Doch solche Herausforderungen förderten Seales Talent nur noch mehr zu Tage. "John kreierte nicht nur wunderbare Bilder, er kämpfte wie ein Soldat gegen die Unbilden des Wetters an. Wir hatten im Verlauf eines Drehtages sämtliche Varianten von Wetter, und John lieferte immer großartige Bilder", lobt der Regisseur. Dennoch hegt John Seales nur eine einzige Hoffnung in Bezug auf seine Arbeit an "Unterwegs nach Cold Mountain": "Ich hoffe, dass die Bilder den großartigen Emotionen gerecht werden, die jede Szene in sich trägt."

Heimkehr nach Cold Mountain: die Produktion

Am 15. Juli 2002 begann Anthony Minghella in der Nähe des Dörfchens Potigrafu bei Bukarest mit den Dreharbeiten zu "Unterwegs nach Cold Mountain". Die erste Klappe fiel auf einer riesigen Fläche Ackerland, die als Schlachtfeld von Petersburg diente. Es war wahrhaftig ein Startschuss für das Projekt, denn die Filmemacher stellten die berühmte "Kraterschlacht bei Petersburg" nach, die am 30. Juli 1864 stattfand. Insgesamt 6.300 Soldaten beider Seiten fielen ihr zum Opfer und die Schlacht geriet zum Desaster für die Nordstaaten. Frustriert und ausgelaugt von der andauernden Belagerung Petersburgs hatten die Unionstruppen einen Schacht in das Erdreich getrieben, mit Sprengstoff befüllt, zur Explosion gebracht und so eine Schneise der Verwüstung in die Reihen der Konföderierten geschlagen. Als der Pulverdampf sich verzogen hatte, rannten aufgrund eines taktischen Fehlers 15.000 Soldaten der Union in den entstandenen Krater und damit in eine tödliche Falle. Stundenlang dauerte der Kampf Mann gegen Mann. Man nahm an, diese Schlacht würde das Ende des Bürgerkriegs bedeuten, aber sie war nur der Auftakt für weitere acht Monate Kriegshandlungen. In Fraziers Romanvorlage kommt diese Schlacht nicht vor, aber in der Filmfassung von "Unterwegs nach Cold Mountain" wird sie zu einer Schlüsselszene und zum Wendepunkt für Inman. Die Brutalität, das Schlachten und die schiere Verschwendung menschlichen Lebens, deren Zeuge Inman in Petersburg wird, bringt den friedfertigen Mann dazu, sich von Krieg und Blutvergießen abzuwenden. Er macht sich auf den Weg nach Hause zu Ada, die seine Rückkehr herbeisehnt. Allein der Dreh der Schlachtszenen dauerte drei Wochen, sie gehören zu den beeindruckendsten Szenen, die Minghella jemals gedreht hat. Schlüsselelement war Dante Ferrettis überragendes Set. Die bemerkenswerte Nachbildung erweckte das Schlachtfeld mit all seinem Schrecken wieder zum Leben. Ferretti war zuvor nach Petersburg gefahren, "um das Gefühl für die Details zu bekommen, wie es tatsächlich damals dort war. Ich wollte wissen, wie das Licht dort war, wie die Sonne zu Beginn der Schlacht stand, wo Schatten fiel und wie der Himmel später am Tag aussah, um es so gut wie möglich nachbilden zu können."

Ferretti ließ in Potigrafu Schienen verlegen, Gräben ausheben, Verteidigungswälle und Dämme bauen und er konzipierte sogar ein Armeelazarett. Besonders bemerkenswert ist aber die Nachbildung des eigentlichen Kraters. Die Replik des Originals war an manchen Stellen zehn bis zwölf Meter tief, schätzungsweise 60 Meter lang und zwischen 20 und 28 Meter breit. Für zusätzliche Aufnahmen und Close-ups wurde ein weiterer, kleinerer Krater gegraben. Die Explosion, mit der die Schlacht begann und die auf der Stelle rund 350 Soldaten tötete, wurde für den Film von Special-Effects-Experte Trevor Wood nachgestellt. Wood setzte dafür 4.000 Liter Brennstoff ein, 100 Kilo Sprengstoff und zahlreiche Sprengkörper, die auf Stahlplatten im Boden verankert wurden, eingebettet in Sand, Dreck, Holzstückchen und Fetzen von Baumrinde. Minghella und Seale nahmen die Explosion mit vier Kameras auf, um die Druckwelle und den entstehenden Feuerball zu filmen. Es klappte auf Anhieb. Um den Realismus noch weiter zu steigern, wurden statt Statisten mehr als 1.000 rumänische Soldaten als Darsteller der Nord- und Südstaaten-Truppen engagiert. Beratend standen am Set die militärischen und historischen Experten Brian Phanka, John Bert und Michael Kraus zur Seite. Sie Spezialisten achteten darauf, dass auch der Kampfstil in den Schlachtszenen historisch korrekt war. "Bürgerkriegssoldaten hielten ihre Waffen ganz anders als heutige Soldaten. Denn die Waffen waren schwerer, länger und wesentlich unhandlicher", erklärt Berater John Bert. Jede Bewegung war in einem Handbuch festgelegt, mit dem Titel "Hardee´s taktische Anweisungen für die leichte Infanterie". Darin war festgelegt, wie das Gewehr geschultert, wie angelegt und wie das Bajonett aufgepflanzt werden sollte. Der komplizierte Drill der Soldaten war ein Grund dafür, dass die Schlacht in eine solche Katastrophe mündete. Die Waffentechnik entwickelte sich schneller als die militärische Taktik. Und die Yankees, die laut schreiend und ihre Gewehre nachladend mit aufgepflanzten Bajonetten in den Krater stürmten, waren auf den von oben erfolgenden Angriff der Konföderierten gar nicht vorbereitet. Die rumänischen Soldaten trainierten mit großer Begeisterung, und obwohl die Waffen völlig neu für sie waren, führten sie die vorgeschriebenen Bewegungen präzise und auf den Punkt aus. Sie wirkten dabei überraschend echt. "Rumänische Soldaten sind wesentlich jünger und schmächtiger als amerikanische", erklärt Phanka, "deshalb ähnelten sie echten US-Bürgerkriegssoldaten sehr, da die Amerikaner damals zierlicher waren als heute."

Nach den Schlachtfeldszenen verließ das Team Bukarest und reiste nach Norden ins 150 Kilometer entfernte Poiana Brasov in Transsylvanien. Dort, in den Transsylvanischen Alpen, fand der Rest der Dreharbeiten on location in Rumänien statt. In der Nähe der Stadt Rasnov errichtete Dante Ferretti die Black Cove Farm, ein traditionelles amerikanisches Farmhaus des 19. Jahrhunderts, umgeben von fruchtbaren Äckern, Ställen, Verschlägen, Gartenhäuschen und Sklavenquartieren, einem Getreidesilo und Blumengärten. Dort entstanden jene Szenen, in denen der Reverend und Ada Inman auf eine Besichtigungstour über die Farm mitnehmen. Auch der Tod des Reverend Monroe (Donald Sutherland) und die Zeit danach, in der Ada allein in dem Haus lebt, wurden bei Rasnov gedreht. Die Produktion zog weiter zu einem anderen Drehort in der Region um Poiana Brasov, ein Tal nahe der Stadt Zarnesti. Dort baute Dante Ferretti Cold Mountain nach. Einige der Eröffnungsszenen des Films entstanden an diesem Drehort, darunter Inmans erste Begegnung mit Ada. Ferretti erweckte die Stadt Cold Mountain zum Leben, indem er mehr als 32 Gebäude entlang einer unbefestigten Straße errichten ließ, darunter nicht nur die Kirche und den Friedhof, sondern auch einen Gemischtwarenladen, eine Pension, Ställe, eine Wäscherei, eine Bank und sogar eine Zahnarztpraxis. "Die Stadt Cold Mountain passt perfekt zum Leben, das sich darin abspielt. Alle Gebäude basieren auf unseren Recherchen zum Leben in den Städten der Blue Ridge Mountains und der Smoky Mountains", erklärt Ferretti. "Wir haben die Gebäude exakt so gebaut, wie sie auch im 19. Jahrhundert gebaut worden sind, aus massiven Hölzern." Er fährt fort: "Dort zu drehen war deshalb so schön, weil wir uns tatsächlich in der Wildnis befanden. Die Black Cove Farm und Cold Mountain waren vollständig von Lärm und von der modernen Zivilisation abgeschottet. Wir konnten die Kulissen so bauen, dass die Kamera sie aus allen Perspektiven aufnehmen konnte. Dabei konnte nie irgendetwas ins Bild geraten, das den originalgetreuen Eindruck zerstört hätte. Wenn wir morgens zum Dreh fuhren, passierten wir rumänische Bauern, die ihr Gras nicht mit einem Mähdrescher, sondern mit einer Sense schnitten. Wir kamen an anderen vorbei, die ihre Ernte nicht auf einem LKW transportierten, sondern mit einem Pferdefuhrwerk. Wir fühlten uns tatsächlich wie im 19. Jahrhundert. Es gab keine Diskrepanz zwischen der Welt, die wir für unseren Film erschufen, und derjenigen, in der wir uns bewegten. Das spürten auch die Schauspieler und es trug wesentlich zum Gelingen bei. Die offensichtliche Armut Rumäniens erinnerte Stab und Darsteller oftmals daran, wie schwierig die Lebensbedingungen von Menschen sein können, und erregte ihr Mitgefühl. Nicole Kidman begann, sich karitativ für verstoßene rumänische Kinder zu engagieren."

Ein weiteres Element der rumänischen Landschaft sorgte für zusätzlichen Realismus in "Unterwegs nach Cold Mountain": schlechtes Wetter. Mitten im August regnete es am Drehort 21 Tage lang ununterbrochen, Teil einer Regenperiode, die in ganz Europa für schlechtes Wetter sorgte. Minghella und das Team versuchten so gut wie möglich damit fertig zu werden, zogen sich zu Innenaufnahmen zurück oder wechselten schnell zu einem Außendreh, je nach Regenlage. Oder sie warteten geduldig, bis sich Lücken in der Wolkendecke zeigten. Trotz allem schaffte es Minghella, seinen Drehplan einzuhalten, bevor die Dreharbeiten für einige Wochen in den USA, in South Carolina und Virginia, fortgesetzt wurden. Dort drehte das Team auf dem Gelände der Botany Bay Plantage, einem Sumpfgebiet in der Nähe von Charleston, den Anfang von Inmans Reise, als er durch ein Feld mit verdorbenem Mais trottet, entlaufene Sklaven um Essen anbettelt und sich vor berittenen Milizen versteckt, die nach Deserteuren Ausschau halten. Es entstanden dort auch die Szenen von Inmans gemeinsamer Reise mit Reverend Veasey (Philip Seymour Hoffman). Gemeinsam mit dem in Ungnade gefallenen Kirchenmann trifft Inman auch auf das Fährmädchen, das die Männer über den Cape Fear River bringen soll. Jene Szenen, in denen dem verwundeten Inman die Haare geschnitten werden, entstanden auf dem Gelände des College von Charleston, dessen Gebäude aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen. Charlestons historische Altstadt diente als Kulisse für die "Chain-Gang"-Szenen. Ferretti und sein Team "maskierten" ganze vier Straßenblocks der Stadt, bauten hölzerne Gehwege und brachten Dreck auf das Straßenpflaster auf, um einen originalgetreuen Eindruck zu erzeugen. "Die Szenen hätten wir nirgendwo anders als in Charleston drehen können, wo noch heute die Gebäude aus dieser Zeit existieren. Die Häuser wurden kaum verändert und sind perfekt erhalten. Wir mussten nur die Zeichen der Moderne verstecken." Von Charleston aus zog das Team weiter nach Richmond, um am James River, auf der bewaldeten Belle Isle, Inmans und Veaseys schicksalhafte Begegnung mit dem vermeintlichen Hinterwäldler Junior (Giovanni Ribisi) zu drehen. Nach dreieinhalbwöchigen Dreharbeiten in den USA ging es zurück nach Rumänien. Minghella begann mit den Szenen auf der Black Cove Farm, als Ruby Thewes zum ersten Mal auf Adas Veranda erscheint. In Sinaia, eine Stunde von Brasov entfernt, drehte Minghella die Auflösung der Episode um Veasey. Inman und Veasey werden, angekettet an Sträflinge, von konföderierten Wachen auf einer Art Todesmarsch durch das Gelände getrieben. Schließlich wird Inman von der Kräuterhexe Maddy (Eileen Atkins) gerettet, die versteckt im Wald lebt.
Anschließend ging es auf die Swanger Farm, um jene Szene zu drehen, in der Teague und seine Kumpane die männlichen Mitglieder der Swanger-Sippe ermorden. Und schließlich, nach 22 Wochen Drehzeit, schloss Anthony Minghella die Dreharbeiten ab. Die letzten Szenen waren jene entscheidenden, in denen Inman nach Cold Mountain zurückkehrt. Teague stellt Ada immer massiver nach, als Inman endlich am Ziel seiner Reise ankommt, seine Heimat wiedersieht und die Liebste, die er zurücklassen musste. Bevor die Dreharbeiten abgeschlossen wurden, besuchte Charles Frazier das Set des Films, sowohl in Rumänien als auch in Charleston. Für Frazier war es interessant zu sehen, "wie etwas, was man über so lange Zeit hinweg in seinen Gedanken vor sich sieht, auf einmal real und wahrhaftig wird. Zu erleben, wie diese außergewöhnlichen Schauspieler meine Figuren verkörperten, Dante Ferrettis bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Gebäude zu sehen und Zeuge zu werden, wie Anthony diese Welt zum Leben erweckt, ging weit über das hinaus, was ich mir erhofft hatte."

Cold Mountains Vertonung: die Musik

So wie die Musik für das Leben im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung war, so stellte die Filmmusik einen essenziellen Beitrag für "Unterwegs nach Cold Mountain" dar. Für Minghella ist Musik stets der Schlüssel zu der Vision, die ein Film vermittelt, spielt sie doch eine unverzichtbare Rolle dabei, Zeiten und Handlungsorte einzuführen. Musik durchdringt auch "Unterwegs nach Cold Mountain", nicht allein der von Gabriel Yared komponierte Soundtrack, sondern auch viele Beispiele traditioneller Folkmusik aus der Zeit, in der der Film spielt. Gabriel Yared, aus dessen Feder auch schon der Soundtrack zu "Der englische Patient" und "Der talentierte Mr. Ripley" stammen, begann mit wichtigen Teilen seiner Arbeit schon vor Drehstart. Regisseur Anthony Minghella erläutert: "Gabriel und ich haben ein Prozedere entwickelt, bei dem er bereits während der Vorbereitung des Films anfängt, die Musik zu komponieren, und das fortsetzt, während ich drehe. Für diesen Film hatte er sogar schon mehrere Stücke komponiert, während ich noch am Drehbuch schrieb. Die Musik konnte also mit dem Film wachsen und sich entwickeln. Uns gefällt diese Arbeitsweise, denn es ist ein sehr organischer Prozess, der auch ein gutes Gefühl für Story, Szenenbild und Musik vermittelt, die ja ein kreatives Ganzes sind."

Sämtliche Musik wurde vorab während der Filmvorbereitung von T-Bone Burnett aufgenommen, einem Urgestein amerikanischer Musikgeschichte, der bereits an "Oh Brither, where art thou?" mitgearbeitet hatte. Für "Unterwegs nach Cold Mountain" suchte Burnett nach authentischen Folk- und Bluegrass-Legenden. Dann sorgte er mit Hilfe von alten Mikrofonen für jenen intimen Musiksound, wie er damals über Veranden und Lagerplätze schallte. Von den Darstellern kamen ebenfalls musikalische Beiträge. "Auch in dieser Beziehung hatten wir mit der Besetzung Glück. Ich hatte Schauspieler gesucht, die auch Musiker waren - und fand sie. Brendan Gleeson spielt einen fahrenden Geiger und spielt selbst begnadet Geige. Georgia war eigentlich nur die Rolle eines Sängers und wir besetzten sie mit Jack White von den White Stripes. Aber seine schauspielerische Leistung war so überzeugend, dass ich ihm noch ein paar Textzeilen ins Drehbuch schrieb. Und auch Nicole Kidman ist eine wahre Pianistin. Sie spielt und singt wunderschön und das bereichert ihr Porträt der Ada mit einem Schuss Magie." Dirk Powell spielte für den Soundtrack Banjo und fungierte am Set als Musikberater. Andere herausragende Folkmusiker spielten die Stücke ein, von Norman Blake über Ralph Stanley, Stuart Duncan, Tom ´Brien und Tim Eriksen bis zu Riley Baugus, Mike Compton und den "Sacred Harp Singers" aus Alabama. Um den Realismus zu steigern, spielten viele Musiker Originalinstrumente aus den Zeiten des Bürgerkriegs. Anthony Minghella fasst zusammen: "Wir haben einen Sound für den Film gefunden, der poetisch, kraftvoll und romantisch ist, ohne dabei süßlich zu wirken. Gabriels leidenschaftliches Musikerherz zeigt sich im Film sehr deutlich, weil die Geschichte oft mit der Musik kollidiert, um einen tieferen Eindruck von Inmans und Adas Welt zu vermitteln."


   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
  Links zum Artikel:
  www.movie.de
  Special: "Cold Mountain" - Daten und Fakten
  Special: "Cold Mountain" - Inhalt und Bilder
  Special: "Cold Mountain" - Der Bürgerkrieg
 

    
 

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