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   06.03.2006 - Rubrik: DVD Special  
  Oscars 2006: Das war die Verleihung
 
 


"A Return to Glamour"
- so lautete das Motto der diesjährigen Academy Awards, die wie in den vergangenen Jahren im Kodak Theatre in Los Angeles vergeben worden sind. Ganz im Retro-Stil der Veranstaltung glich die Bühne einem alten Filmtheater. Dem Retro-Thema ist es wohl auch zu verdanken, dass es dieses Jahr wieder einen der viel geliebten Einspielerfilme vor dem eigentlichen Beginn der Verleihung zu sehen gab. Dieser machte sich u.a. über die im Vorfeld kursierenden Presseartikel zum Thema Jon Stewart lustig, der ja erst zum Zug kam, als Billy Crystal aus Zeitgründen eine weitere Moderation abgelehnt hat. Kurze Auftritte in diesem Einspieler haben Billy Crystal, George Clooney, Halle Berry, Steve Martin, Chris Rock, Whoopi Goldberg und David Letterman. Die Wahl des CNN-Comedy Late Night-Moderator sollte sich übrigens als goldrichtig erweisen. Von Anfang an fand Stewart den richtigen Ton, lieferte Gag um Gag, politisch angehaucht und konnte damit wesentlich besser gefallen als Chris Rock im letzten Jahr. Billy Crystal hätte es wohl nicht besser machen können.

Der im Vorjahr eingeschlagene Kurs der Straffung der Veranstaltung wurde auch bei den 78. Academy Awards konsequent eingehalten. So wurde diesmal die Musik, die den Gewinnern normalerweise signalisieren soll, dass sie "langsam" zum Schluss ihrer Dankesreden kommen sollen, schon eingespielt, bevor die Preisträger überhaupt auf der Bühne standen. Die ständige Musikberieselung sollte offenbar bereits vorweg klar machen, was die Hauptaufgabe der Preisträger aus Sicht der Academy ist, nämlich so schnell wie möglich wieder von der Bühne zu verschwinden. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist den Produzenten der Verleihung aber jedenfalls gegeben, wie ein kleiner Einspielfilm mit Tom Hanks zu eben dieser Thematik just in dem Moment gezeigt hat, in dem der Autor diesen Absatz fertig gestellt hatte.

Schon lange waren die Oscars nicht mehr so politisch. Alltagsrassismus, die politische Verfolgung in der McCarthy Ära, der Enron-Skandal und damit korrupte Manager und Politiker im Allgemeinen, die Ausbeutung Afrikas durch westliche Pharmakonzerne, die Ausbeutung der dritten Welt durch Ölkonzerne, gezielte Tötungen durch einen staatlichen Geheimdienst, Selbstmordattentäter und schwule Cowboys - man sieht den durchschnittlichen Konservativen beinahe in die Fernbedienung beißen ob dieser Geballtheit an "unangenehmen" Themen. Da tut es der Südstaatenseele sicher gut, dass neben schwulen Cowboys und schwulen Dichtern auch noch die "Carter Cashs" nominiert wurden und mit Reese Witherspoon sogar die Darstellerin der June Carter Cash als beste Darstellerin ausgezeichnet worden ist. Dennoch lässt sich eindeutig eine Tendenz zum Erstarken des liberalen und linken Hollywoods ausmachen.

Dies machte sich auch bei den Preisträgern bemerkbar. So wurde der politisch sehr engagierte George Clooney für seine Nebenrolle in "Syriana" mit dem Oscar ausgezeichnet. Der beste Hauptdarsteller ging jedoch nicht an den Darsteller in George Clooneys "Good Night, And Good Luck", sondern an Philip Seymour Hoffman. Nicht glücklich mit dieser Wahl sah Joaquin Phoenix aus, der damit zum zweiten Mal leer ausgegangen ist. Aber dass zwei Jahre hintereinander der Darsteller einer Musiker-Biografie gewinnen würde, durfte schon im Vorfeld bezweifelt werden, auch wenn es Phoenix mit Sicherheit verdient hätte, für seine wirklichkeitsnahe Darstellung den kleinen goldenen Mann verliehen zu bekommen.

Nach Russell Crowes Oscar für "Gladiator" erlaubte sich die Academy of Motion Pictures Arts & Sciences einen weiteren "Schnitzer". Der Oscar für die beste weibliche Nebenrolle wurde doch glatt an Rachel Weisz für ihre sicherlich gut gespielte Rolle in "The Constant Gardener"überreicht. Doch was Rachel Weisz' Darstellung eines Oscars würdig macht, erschließt sich auch nach mehrmaligem Nachdenken nicht. Da scheinen wohl bei einigen Oscar-Juroren Vorurteile gegen Michelle Williams ob ihrer TV-Vergangenheit vorgeherrscht zu haben - anders lässt sich die Entscheidung für Rachel Weisz nicht erklären.

Als weiterer Tiefpunkt der Verleihung kann sicher auch der Gewinn des Hip Hop-Songs "It's Hard Out Here For A Pimp" von "Hustle & Flow" angesehen werden. Was die Academy of Motion Pictures Arts & Sciences geritten hat, diesen Song überhaupt zu nominieren, darf schon hinterfragt werden - dass dieser Song sich dann aber gegen die beiden anderen Songs durchsetzen konnte, grenzt schon fast an Grenzdebilität.

Generell hatte die Jury in diesem Jahr aber sicher keine leichte Wahl. Einige sehr starke Filme und einige sehr gute schauspielerische Performances standen sich gegenüber, alleine die Entscheidung des besten Hauptdarstellers kann keine einfache gewesen sein. Auch in den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" gab es dieses Jahr ausschließlich würdige Sieges-Kandidaten.

Wie breit das Feld am Ende war, zeigt sich auch darin, dass es dieses Mal keinen eindeutigen Gewinner, sondern ein gestreutes Spektrum vieler preisgekrönter Filme gab. Insgesamt vier Filme konnten jeweils drei Academy Awards "abstauben" - der Überraschungshit des Abends war jedoch sicherlich "Crash", der wider allen Erwartens den Preis für den besten Film einheimsen könnte. Ang Lee musste sich für "Brokeback Mountain" mit dem Regie-Oscar "bescheiden". Lange ist es her, dass der beste Film und die beste Regie nicht an den gleichen Film gehen.

Die beiden deutschen Beiträge in diesem Jahr, "Sophie Scholl" und "Ausreißer" konnten erwartungsgemäß nicht reüssieren. Bester fremdsprachiger Film wurde aber nicht der umstrittene Beitrag aus Palästina, "Paradise Now", sondern der südafrikanische Film "Tsotsi". Hier scheint die Academy am Ende doch der Mut verlassen zu haben.

Der Spezial-Oscar für sein Lebenswerk wurde übrigens an Regiealtmeister Robert Altman verliehen.

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