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   22.03.2005 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Die Unglaublichen" - Fun Facts, Technik
 
 

Bei großen Filmen, die ohnehin schon ein großes maß an Effekten haben, so wie es bei "Die Unglaublichen" der Fall ist, ist es umso interessanter, einmal ein paar Fun Facts mitzubekommen. Wir sind glücklicherweise in der Lage, euch ein paar davon an dieser Stelle zu bieten und darüber hinaus über die Entstehung der ausgefeilten Animationen zu berichten.

"Die Unglaublichen - The Incredibles" ist der komplexeste Film, der bislang in den Pixar Animation Studios entstanden ist. Zu den größten Herausforderungen gehörte die glaubwürdige Darstellung von Haut, Haaren und Kleidung der menschlichen Figuren.

Die atemberaubende, actiongeladene Geschichte entfaltet sich an mehr als 100 verschiedenen Schauplätzen. Sie erstrecken sich von einer dicht besiedelten Großstadt über eine typische Vorstadt hin zu einem mit exotischen Pflanzen bewachsenen Dschungel auf einer einsamen Insel.

Gleich zu Beginn ihrer Arbeit holten sich die Filmemacher den Rat eines Kostümdesigners und Schneiders, um die unterschiedlichen Figuren der Besetzung mit den passenden Kostümen ausstatten zu können. Mehr als 150 Kleidungsstücke wurden für den Film entworfen. Das technische Team entwickelte eigens neue Software, die es der Produktion erlaubte, die Kleidung direkt auf die Figuren zu "backen" und somit sicherzustellen, dass sich das Material realistisch bewegen würde.

Pixars technisches Team musste überdies speziell für Violet (die Teenager-Tochter der Parrs-Familie) einen neuen Weg entwickeln, wie man langes Haar in einem Computer darstellen kann. Das Haar besteht aus mehr als einer Million individueller Strähnen, die in vielen Schichten angelegt sind. Der Trick bestand darin, sich eine Technik auszudenken, wie man die verschiedenen Schichten mit den Armen und Schultern interagieren lassen könnte. Außerdem musste ein Weg gefunden werden, wie das Haar überzeugend auf äußere Einflüsse wie Wind oder Wasser reagiert. Etwa 20 verschiedene Haarstile wurden für die verschiedenen Figuren des Films entwickelt.

Dies ist der erste Pixar-Film, in dem die Figuren Muskeln haben. Ein neuer Ansatz für die Realisierung eines Muskelsystems, dass das Strecken, Beugen und Drehen erlaubt, musste entwickelt werden. Dieselbe Grundmuskulatur wurde dann an die einzelnen Figuren individuell angepasst.

Eine neue Technologie namens "Goo" kam zur Anwendung, die Haut natürlich reagieren lässt und zeigt, wie sie sich im Verhältnis zu den jeweiligen Muskeln bewegt. Um die Haut natürlich aussehen zu lassen, benutzte Pixar eine Schattierungstechnologie, die sich "subsurface scattering" nennt. Sie erlaubt es dem Licht, einzelne Schichten der Haut zu durchdringen und für einen unverkennbaren Glanz zu sorgen.

Etwa 1800 Computer kamen für Kreation und Rendern von "Die Unglaublichen - The Incredibles" zum Einsatz. Die Leistungsfähigkeit von Computern hat sich seit dem letzten Pixar-Film, "Findet Nemo", drastisch erhöht. Prozessoren laufen mittlerweile bis zu sechsmal schneller.

In "Die Unglaublichen - The Incredibles" werden Effekte so ambitioniert eingesetzt wie in noch keinem Pixar-Film zuvor. Ein Schattierungsprogramm namens "Atoms" wurde geschrieben, um Wolken oder Explosionen einen realistischeren und voluminöseren transparenten Effekt zu verleihen. Zu den weiteren aufwändigeren Effekten gehören die Darstellung von Wasseroberflächen und Unterwasserumgebungen sowie wild lodernde Feuer.

Unglaubliche Glaubwürdigkeit: Bahnbrechende Animation und Technologie verleihen dem Film "Die Unglaublichen - The Incredibles" lebensechte Qualitäten

Nachdem sie den schieren Umfang und die Kompliziertheit der Ausstattung gemeistert hatten, wandten sich die Filmemacher schließlich ihrer schwierigsten und essenziellsten Aufgabe zu: der Animation der Charaktere, die mehr als nur Cartoonfiguren sein sollten, nämlich richtige Menschen, um die man sich sorgt und mit denen man mitfiebert. Das Geheimnis bestand darin, die Seele der Figuren im Rahmen der breitestmöglich angelegten Skala menschlicher Bewegungen und Emotionen zu vermitteln. Ein Vorhaben, mit dem sich die Crew in eine traditionell berüchtigte Verbotszone vorwagte. Denn bislang galt es allgemein als unmöglich, menschliche Merkmale wie Haare und Haut mit Hilfe von Computeranimation zu realisieren, und es schien klar, dass die Möglichkeiten der Technologie noch nicht genügend ausgereift waren.

Brad Bird war da allerdings ganz anderer Meinung. Er war überzeugt davon, dass die nötige Technologie bereits existierte - oder zumindest entwickelt werden könnte -, die seinen Figuren weitaus mehr echtes "Leben" (diese unbestimmbare Essenz aus Energie, Verve und Menschlichkeit) erlaubte, als man bislang für möglich gehalten hatte. Die facettenreichen und tief gehenden Darstellungen der Sprecher dienten als Inspiration für die Animationszauberer bei Pixar, noch einmal alle Grenzen zu überschreiten - und sich an der am weitesten fortgeschrittenen Computermodellarbeit zu versuchen, die jemals bei einem Film zur Anwendung gekommen war.

Obwohl sich die Möglichkeiten der Computeranimation im Verlauf des letzten Jahrzehnts sprunghaft weiterentwickelt haben, ist die Darstellung der wichtigsten menschlichen Charakteristika immer mangelhaft geblieben und konnte nicht mit der allgemeinen Entwicklung mithalten. Bisher galt es als schlicht und einfach unmöglich, einen Animator darum zu bitten, Muskeln zu animieren, die sich anspannen und entspannen wie richtige Muskeln, Haar zu erschaffen, das sich bewegt wie richtiges Haar, Haut zu kreieren, die Falten wirft und sich dehnt wie richtige Haut, und Kleidung zu programmieren, die sich unabhängig vom Rest des Körpers bewegt, wie richtige Kleidung das nun mal tut. Es stimmt schon: Computeranimatoren haben sich lange gegen menschliche Figuren gesträubt, weil die Ergebnisse bislang immer so enttäuschend ausgefallen waren.

Entsprechend merkt Tony Fucile, einer der Chefanimatoren von "Die Unglaublichen - The Incredibles", an: "Menschliche Figuren sind ziemlich unmöglich zu animieren, weil wir unser gesamtes Leben damit verbringen, andere Menschen zu beobachten, und sofort erkennen, wenn etwas in ihrer Darstellung, und sei es nur das kleinste Detail, nicht stimmt." Figuren-Leiter Bill Wise fügt hinzu: "Da steckt etwas in Menschen, selbst stilisierten Menschen, das Animatoren regelmäßig zu Höchstleistungen herausfordert - und sie auch überfordert. Wir sind so sehr darauf geeicht, Feinheiten in Emotionen und Ausdrücken menschlicher Gesichter und Körper zu erkennen, dass ihr jeweiliges animiertes Alter Ego fast perfekt sein müsste - oder aber unser Gehirn weigert sich einfach zu glauben, was wir sehen."

Von Anfang an war es daher das Bestreben von Brad Bird, Figuren zu erschaffen, die nicht voll und ganz menschlich sind. Immerhin spielt "Die Unglaublichen - The Incredibles" in einem einzigartig ungewöhnlichen Universum, in dem Superhelden in einer typischen Vorstadt leben können. Bird wollte also Figuren sehen, die ganz deutlich einem Comicstrip entsprungen sind, aber dennoch mit absoluter physischer Glaubwürdigkeit lächeln, Grimassen ziehen, sich sorgen, springen, rennen, Familienstreite ausfechten und die Welt retten können.

Für John Lasseter lag der Schlüssel für seinen unerschütterlichen Glauben darin, dass Birds Vision umgesetzt werden konnte. "Jeder bei Pixar weiß, dass man umso leichter scheitert, desto mehr man versucht, etwas so realistisch wie möglich umzusetzen. Brads Geheimnis bei "Die Unglaublichen - The Incredibles" besteht darin, etwas zu produzieren, von dem jeder weiß, dass es nicht existieren kann, das so stilisiert ist, dass man bedingungslos daran glaubt, wenn die innere Logik perfekt umgesetzt ist", erläutert er. "Mit der bei Pixar entwickelten Technologie hatte ich den Eindruck, dass wir so weit waren, das auch umsetzen zu können. Unser Ziel bei ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ bestand darin, sehr stilisierte menschliche Wesen zu erschaffen, die man niemals für echte Menschen halten würde, deren Haare, Haut und Kleidung aber so echt und glaubwürdig sind, dass ihre Handlungen eine stärkere dramatische Wirkung haben."

Pixar arbeitet seit etwa einem Jahrzehnt an diesem einzigartigen Durchbruch. Seit ihrem Debüt "Toy Story" ("Toy Story", 1995) im Jahr 1995 hat Pixar die Standards der Computeranimation mit jeder neuen Arbeit aufs Neue angehoben. "A Bug´s Life" ("Das große Krabbeln", 1998) war der erste CGI-Film mit organischer Kulisse und Figuren, die man quetschen oder strecken konnte. "Monsters, Inc." ("Die Monster AG", 2001) ging bei der Entwicklung runder, organischer Formen noch weiter und wagte als erste Produktion den Sprung in die bis dato undenkbare Welt fotorealistischer Haare und Pelze. Und "Findig Nemo" ("Findet Nemo", 2003) stellte im Rahmen einer fantastischen Reise auf absolut überzeugende Weise die Flora und Fauna unter Wasser dar.

Für "Die Unglaublichen - The Incredibles" musste alles zum Einsatz kommen, was Pixar bislang gelernt hatte, und noch viel mehr, um die vielschichtige Geschichte einer Familie, die ihr größtes Abenteuer erlebt, zu erzählen. Rick Sayre, der als leitender technischer Regisseur an dem Film arbeitete, meint: "Der Film bot jede technische Herausforderung, die man sich nur vorstellen kann. Das hätte uns entmutigen können, aber unsere Einstellung war ganz einfach: Es ist unmöglich, also wird’s schon irgendwie klappen. Wir machten es von der Geschichte abhängig, was wir genau an neuen Dingen erfinden mussten. So war das in der Welt der Animation schon immer. So wie wir an die Sache rangingen, konnte man nicht einfach sagen ´Wie wäre es, wenn Violetta keine langen Haare hätte?´ oder ´Was wäre, wenn Bob kein muskulöser Typ wäre?´ Wir liebten die Geschichte und machten keine Abstriche bei der Umsetzung. Keine technische Grenze konnte uns aufhalten."

Mit der Herausforderung konfrontiert, die Figuren so realistisch wie möglich zu bewegen, kehrten Sayre und sein technisches Team zurück zu den Grundlagen. Kopien des klassischen Medizinschulbuchs "Gray’s Anatomy" wurden an alle digitalen Skulpteure (Modellkünstler, die ihre Figuren im Computer entwerfen und bauen) und das Rigging-Team verteilt, damit diese besser verstehen konnten, wie Körper sich bei bestimmten Aktionen bewegen. Live-Action-Aufnahmen von Menschen, die ihre Muskeln anspannen, gehen und sich bewegen, waren ebenso hilfreich, als sich das Team an die Animations-Tabus Muskeln, Haut, Haare und Kleidung wagten.

Knochenbau und Muskulatur

Rick Sayre war sich bewusst, dass der Schlüssel zu einer realistischen Körpersprache tief im Inneren des Körpers zu finden ist, auf der Ebene des Knochenbaus und der Muskulatur. Hier beginnt die menschliche Bewegung, und so war es auch bei den Figuren von "Die Unglaublichen - The Incredibles". Den Anfang machte der Körper von Bob Parr - alias Mr. Incredible - der im wahrsten Sinne von innen nach außen erschaffen wurde.

"Bob war definitiv der schwierigste Charakter, den wir modellieren und ausstatten mussten, weil er so ein muskulöser Typ ist," sagt Sayre. "Als wir mit ihm begannen, entwickelten wir eine komplett neue und andere Herangehensweise, um sein Grundgerüst zu erschaffen und die Art, wie Muskeln, Haut, Knochen und Fett zusammenspielen. Wir verwendeten eine fantastische neue Technologie namens ´Goo´, die es erlaubt, dass die Haut auf die Bewegungen der darunter liegenden Muskeln auf eine sehr echte Art und Weise reagiert."

Das veränderte den gesamten Animationsprozess. Animatoren sind weniger Techniker als Künstler - Schauspieler und Puppenspieler, die auf kreative Weise die Bewegungen und Gesichtsausdrücke der Figuren mit Hilfe von speziell programmierter Computersoftware choreographieren. Hier hatten die Animatoren größere und viel tiefer reichende Kontrolle über die Figuren als je zuvor.

Sayre erklärt: "Es ist bei visuellen Effekten typisch für Animatoren, ein starres Skelett zu animieren, das alles ist, was sie sehen. Aber bei den komplexen Charakteren in diesem Film war das nicht akzeptabel. Ich halte es für bahnbrechend, dass wir am Ende ein komplettes System entwickelt hatten: Dabei bewegten die Animatoren grundsätzlich die zugrunde liegenden Skelette und aktivierten die Muskeln. Die Fettschicht erlaubte der Haut, über die Muskeln zu gleiten. Dann wurde die Haut gerendert. Die Animatoren konnten all dies sehen, während sie arbeiteten. Wenn sie Bob bewegten, bewegten sie sein komplettes Muskel-Haut-Knochen-Gerüst, und das geschah in Echtzeit und gab ihnen mehr Information und Flexibilität."

Um die Schwächen computergenerierter menschlicher Charaktere noch weiter zu sezieren, wandte sich das Team den traditionell tückischsten Gelenken zu - insbesondere der Schulter. "Sie haben vielleicht schon einmal bemerkt, dass es sehr schwierig ist, eine überzeugende Schulterbewegung in CG-Animation hinzubekommen. Deshalb haben animierte Figuren oft zu breite Schultern," erklärt Sayre. "Wir wollten mit diesem Film sozusagen den Durchbruch in Sachen Schultern feiern."

Sobald Bob komplett modelliert war, diente er als Schablone für die Skelette der anderen Figuren - er wurde in gewisser Weise zur Adamsfigur des Films. "Mit Bob konzentrierten wir uns wirklich darauf, ein höheres Level an Komplexität der Körpersprache zu erreichen," sagt Bill Wise, der die Figuren überwachte. "Waren wir einmal in der Lage, seine Bewegungen voll zu animieren, konnten wir dieses Gerüst auch bei den anderen Charakteren anwenden, natürlich mit gewissen Veränderungen. Eine weibliche Figur zum Beispiel hat keine so ausgeprägte, definierte Muskulatur, aber sie hat immer noch einen Deltamuskel, der über die Schulter gleitet und bis zum Oberarmknochen reicht. Es gibt immer noch ein Schlüsselbein. Und so konnte man das Grundgerüst jeder Figur anpassen."

Eine Figur erwies sich als eine besondere Herausforderung hinsichtlich der Bewegungen ihres Muskelapparats: Helen Parr, alias Elastigirl, die die Fähigkeit besitzt, sich in eine Bandbreite unterschiedlichster brezelartiger Formen zu stretchen, zu dehnen und zusammenzufalten, die den versiertesten Yogi verwirren würden. Elastigirl drängte die Animatoren zu einem weiteren Schritt nach vorn.

"Helens Figur weist wahrscheinlich die komplexesten Muster an Körpersprache auf, die wir je geschaffen haben," kommentiert Wise. "Die Animatoren konnten tatsächlich ihren Körper wie einen Fallschirm auseinanderfalten oder ihren Arm wie ein langes Seil aus Fleisch und Knochen ausdehnen. Christian Hoffman schrieb ein Programm namens ´Deformierer´, mit dem man sie je nach Bedarf verdrehen und wenden konnte. Sie ist wirklich anders als alles, was jemals zuvor kreiert worden ist."

Haut und Haar

Die Pixar-Animatoren wussten auch, dass das Erscheinungsbild von Haut und Haaren eine Figur wirklich realistisch wirken lässt. Was zugleich zeigt, dass sich die Größe des menschlichen Lebens ironischerweise am stärksten in den kleinsten Feinheiten ausdrückt. Mit weiteren bahnbrechenden Entwicklungen in der Produktion wurden neue Wege des Ausleuchtens und Schattierens der Haut und des Gestaltens von Frisuren gefunden, womit der Grad der Glaubwürdigkeit der Charaktere weiter anstieg.

Die Haut, die man für "Die Unglaublichen - The Incredibles" kreierte, ist absichtlich einen Schritt von der alles andere als perfekten Struktur des menschlichen Fleisches entfernt. Sayre erklärt: "Brad beharrte von Anfang an darauf, dass die Figuren keine sichtbaren Poren, Körperbehaarung und Sommersprossen bekommen - er wollte nicht, dass sie vollkommen menschlich aussehen, sondern eher ein wenig abstrakt. Also war es eine bewusste Entscheidung, die Beschaffenheit ihrer Haut sehr, sehr simpel erscheinen zu lassen. Wie sich jedoch zeigte, ist es ziemlich schwierig, einfache Haut zu kreieren, die nicht unecht aussieht. Es war einer dieser Fälle, in denen die Einfachheit sich als sehr komplex entpuppte!"

Die Haut erforderte ebenfalls Pioniertätigkeit auf technologischem Gebiet. "Wir entwickelten eine neue Technologie namens ´Oberflächen-Streuung´, die uns erlaubte, der Haut mehr Durchlässigkeit zu verleihen," sagt Bill Wise. "Vieles, was das Auge an menschlichen Figuren als realistisch erkennt, ist eine Sache des Lichts, das von ihrer Haut reflektiert wird. Zum Beispiel sieht man Licht hinter ihren Ohren, wenn die Sonne hinter ihnen steht. Was das Ganze auch gut illustriert, ist der Unterschied zwischen weißer Farbe und Milch; Licht prallt von einer weißen Wand einfach ab, aber durch Milch geht es hindurch und zerstreut sich darin. Und Milch entspricht eher der menschlichen Haut. Es war sehr effektiv, die Haut auf diese Weise auszuleuchten; denn es brachte die Dinge noch ein entscheidendes Stückchen nach vorn. Die Figuren fühlten sich langsam lebendig an."

Um Frisuren von Helens gepflegtem Kurzhaarlook bis zu Violettas ungestylten langen Haaren möglichst glaubwürdig darzustellen, waren neue Programme und Wege nötig, um die Filmemachern von der Echtheit zu überzeugen. Mark Henne, der die Simulation der Haare und Kleidung überwachte, lenkte diese Bemühungen in die richtige Richtung.

"Die Figuren kamen kahl und nackt in unsere Abteilung - und sie verließen sie wieder mit vollständiger Garderobe und Haaren, die sich viel realistischer als bislang bewegten," erklärt Henne. "Haare stellten in CG-Filmen immer eine Schwierigkeit dar, weil sie so vielschichtig sind und aus Millionen von Strähnen bestehen, die sich aneinander reiben und zusammenhängen. Sie fallen auseinander und finden sich wieder zusammen, je nachdem wie der Kopf sich bewegt oder der Wind weht. Die Schwierigkeit rührt von all den Schichten her, die miteinander verbunden werden wollen, und von dem Zusammenspiel mit Armen, Schultern und anderen fest stehenden Partien."

Violetta war mit Abstand der schwierigste zu animierende Charakter - vom haarigen Standpunkt aus betrachtet. Sie blieb aufgrund ihrer langen, wehenden Haare während der Produktion des Films lange ein "ungelöstes Forschungsprojekt" - ein Fluch für jeden Animator. Tatsächlich hatte noch niemand jemals zuvor diese Art von Haaren für einen CG-Film animiert. Henne und sein Team entwickelten fünf verschiedene Looks für Violettas Haare. Jeder dieser Looks konnte dann verändert werden, um die verschiedenen Umweltbedingungen zu reflektieren, denen sie ausgesetzt wird, einschließlich des Regens, des Winds und der Schwerelosigkeit ihres eigenen Kraftfelds.

Schließlich wurde Violettas Haar einer der Triumphe des Films. "Violettas Charakter ist davon geprägt, dass sie sich hinter ihrem langen Haar versteckt," stellt Sayre fest. "Das ist so ein hervorstechendes Merkmal ihrer Figur, dass wir es richtig machen mussten. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen wir uns fragten, ob es nicht einfacher gewesen wäre, ihr kurzes Haar zu verpassen, aber sie musste einfach lange Haare haben. Und das Ergebnis war wundervoll - ein bedeutender Fortschritt, wenn es um die glaubwürdige Darstellung von Haarbewegungen geht, bei denen man gleichzeitig deren stilisierten Look beibehält."

Kleidung

Während sich ihre Körper der perfekten Animation näherten, stand noch immer das "Ankleiden" der Figuren von "Die Unglaublichen - The Incredibles" aus. Sogar die Kreation der Garderobe war in "Die Unglaublichen - The Incredibles" unendlich viel komplizierter als in jedem anderen Animationsfilm in der Geschichte - und ist eher mit einem epischen Kostümdrama zu vergleichen. Mehr als 150 unterschiedliche Kleidungsstücke mussten speziell entworfen und geschneidert werden, um die Hauptfiguren und jene im Hintergrund anzukleiden. Aber Bird wünschte sich nicht einfach nur großartig aussehende Kleidungsstücke für seine Figuren - er wollte Kleidung, die tatsächlich aussieht, als sei sie genäht worden.

Pixar ist bereits bekannt für Pionierarbeit bei der Animation von Kleidung. Die Fortschritte, die man mit Boos T-Shirt in "Monsters, Inc." ("Die Monster AG", 2001) und den Kleidern des mit dem Oscar ausgezeichneten Pixar-Kurzfilms "Geri’s Game" (1997) gemacht hatte, dienten als Recherchematerial und Weiterentwicklung für "Die Unglaublichen - The Incredibles", die eben jene Fortschritte noch weiter vorantrieben.

Brad Bird merkt an: "Bei ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ habe ich gelernt, dass es einfacher ist, einen Planeten mit CG-Animation zu sprengen, als einen Charakter ganz einfach nach dem Hemd eines anderen greifen zu lassen. Ich sah, dass es noch sehr viel Raum für aufregende, neue Entwicklungen auf diesem Gebiet gibt."

Mark Henne und sein Team fanden einen innovativen neuen Weg, die Kleidungsstücke auf die Figuren zu "brennen," insbesondere im Fall der eng anliegenden Superanzüge. Anstatt die Kleidung für jede einzelne Aufnahme zu simulieren, analysiert dieser Prozess die verschiedenen Posen und Bewegungsmuster einer Figur (einschließlich des Gehens, Drehens, Ellbogenbeugens) und kreiert automatisch die Bewegung der Kleidung. Zum Beispiel: Wenn Bob in einem Stuhl sitzt und seinen Superanzug trägt, weiß der Anzug, was er tun muss und wo er knittern muss, weil er bereits eine Art Verständnistraining hinter sich hat.

Wegen der großen Bandbreite an Retro-, futuristischen und Avantgarde-Stilen, die in "Die Unglaublichen - The Incredibles" dargestellt werden, verließ sich der Film viel stärker auf traditionelleres High-Fashion-Design, als es in konventionellen Animationsfilmen der Fall ist.

"Dieser Film erfordert eine unglaubliche Bandbreite sehr stilisierter Kleidungsstücke, von Kleidern und Business-Anzügen bis zu Capes und Superanzügen," so Henne. "Also baten wir Christine Wagonner, eine unserer technischen Figurenkünstlerinnen, als Kostümdesignerin zu fungieren. Sie hat beinahe alle Outfits auf dem Papier entworfen. Bryn Imagire, die Designerin der Schattierungen, brachte ihr Skizzen, Fotos und Muster, und Christine und Maria Cervantes (Schneiderinnen) nahmen diese Designs und übertrugen sie auf die computergenerierten Kleidungsstücke. Wir waren ziemlich stolz darauf, dass unsere Kleidung tatsächlich anhand von Schnittmustern kreiert wurde wie die Mode, die in der echten Welt entworfen wird."

Effekte

Nachdem nunmehr das Universum und die Figuren von "Die Unglaublichen - The Incredibles" vollständig animiert waren, begann für das Effekte-Team die Aufgabe, dem Werk den letzten Schliff zu verleihen. Die Effekteabteilung wurde von Sandra Karpman überwacht, einer ILM-Veteranin mit 18 Jahren Erfahrung, die erklärt, dass dies bei weitem die ambitioniertesten Bemühungen in Sachen Spezialeffekte waren, die sie je bei einem Film jeglichen Genres beobachtet hatte. Karpman kontrollierte die Entwürfe von Effekten, die sich mit jedem denkbaren natürlichen Element befassten - vom Wasser über Feuer bis hin zu Eis (für Frozones supercoole Eskapaden). Tatsächlich kamen Spezialeffekte in mehr als einem Drittel der letztlich über 2.200 Shots des Films zum Einsatz.

"Die Effekte, die in ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ zu sehen sind, sind völlig frisch und sehr spektakulär," so Karpman. "Die größte Leistung vom Standpunkt der Effekteabteilung aus sind die schönen, erstaunlichen, dreidimensionalen, volumetrischen Wolken, durch die man wirklich hindurchfliegen kann. Die meisten Wolken in anderen Effektefilmen oder selbst in früheren CG-Filmen sind flach gemalt oder fotografiert. In unserem Film, in dem Helen mit dem Flugzeug durch die Wolken fliegt, handelt es sich um 3-D-Effekte und man sieht, dass sich die Wolken ineinander bewegen. Sie sind transparent, und wenn man sie stapelt, werden sie dementsprechend undurchsichtig. Das sieht sehr schön aus. Dieses Schattierungsprogramm desselben Anbieters (Atmos), der uns erlaubte, die Wolken zu kreieren, gab uns auch die Fähigkeit, große Explosionen zu schaffen. Wir endeten damit, dass wir eine Menge Dinge taten, die wir uns vorher nie hätten vorstellen können."

Vielleicht fasst dieser letzte Satz am besten zusammen, was beinahe alle Beteiligten von "Die Unglaublichen - The Incredibles" fühlten: Sie stießen in Bereiche der Vorstellungskraft vor, die noch nie zuvor mit einem Filmprojekt betreten worden waren.

Brad Bird fasst zusammen: "Ich glaube, dass es das Hauptanliegen von jedem war, der an ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ n welcher Funktion auch immer gearbeitet hat - von den Schauspielern über die Künstler bis zu den technischen Genies -, dass die Figuren und die Story wirklich real wirken. Das ist natürlich etwas anderes, als einfach die Realität zu reproduzieren. Glaubwürdigkeit ist das, was so wichtig an diesem Film ist. Für mich ist es das, womit alles beginnt: Figuren und eine Welt zu erschaffen, die sich real anfühlen, weil sie dir etwas bedeuten."

   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
  Links zum Artikel:
  www.movie.de
  Special: "Die Unglaublichen" - Daten, Fakten
  Special: "Die Unglaublichen" - Inhalt, Bilder
  Special: "Die Unglaublichen" - Produktionsnotizen
 

    
 

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