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   22.03.2005 - Rubrik: DVD Special  
  Special: "Die Unglaublichen" - Produktionsnotizen
 
 

Was in keinem unserer Specials fehlen datrf, sind einige Produktionsnotizen, die die Entstehung des Films und die Gedanken der Filmemacher wiedergeben. Nachfolgend könnt ihr vieles erfahren, was zu dem Film "Die Unglaublichen" geführt hat, den ihr ab dem 14. April 2005 erwerben könnt.

Produktionsnotizen

Ein unglaubliches Unterfangen: Wie "Die Unglaublichen - The Incredibles" zum Leben erweckt wurden

"Die Unglaublichen - The Incredibles" entspringt der Fantasie von Regisseur Brad Bird. Der Filmemacher wollte einen Film drehen, der alles beinhalten sollte, was ihm immer schon am Kino Spaß gemacht hatte: großes Abenteuer, einfallsreiche Thrills, ungewöhnliche Bilder, messerscharfer Humor und Figuren, die so faszinierend und real sind, dass man gar nicht anders kann, als sich mit ihnen zu identifizieren. Die besondere Herausforderung bestand darin, dass Brad all das in einem Animationsfilm einfangen wollte, der diese Kunstform auf ein völlig neues Level dramatischer Ausdrucksform heben sollte. War das möglich? Bird glaubte leidenschaftlich daran.

Zu der Zeit, als sich Bird die Geschichte zu "Die Unglaublichen - The Incredibles" einfallen ließ, war er gerade Vater geworden und machte sich so seine Gedanken darüber, wie man sein Familienleben mit seinen persönlichen Wunschträumen in Einklang bringen könnte. Dies führte dazu, dass sich Bird einen Vater einfallen ließ, einen Superheldenvater wohlgemerkt, der dazu gezwungen ist, seine große Leidenschaft aufzugeben - in diesem Fall wäre das die Rettung der Welt - und sich ausschließlich seiner Familie zu widmen, was ihn alles andere als glücklich macht.

Und so wurde Bob Parr geboren, der einstige Mr. Incredible, dessen Familie sich schon lange in die Hände des Superhero Relocation Program begeben hat und nun gezwungenermaßen ein stinknormales und absolut typisches Vorstadtleben führt. Bis eine mysteriöse Nachricht Bob doch noch einmal die Gelegenheit gibt, den Planeten zu retten - und sein angeknackstes Selbstwertgefühl noch dazu.

Als Bird mit der Arbeit an dem Drehbuch zu "Die Unglaublichen - The Incredibles" begann, stellte er fest, dass es darum ging, zwei völlig verschiedene Ideen unter einen Hut zu bekommen. Zum einen schrieb er genau das gnadenlos einfallsreiche Spionageabenteuer, das er selbst unbedingt auf der Leinwand sehen wollte, zum anderen feilte er an einem Drama über die Dinge, die uns im Leben wichtig erscheinen, und über die Erkenntnis, dass die größte Supermacht auf der Welt vielleicht einfach nur der Zusammenhalt einer Familie ist. Schließlich sah Bird die Parr-Familie als Menschen wie du und ich: Bob muss sich in der täglichen Tretmühle der Arbeit mit seinem ungerechten Chef herumschlagen, das alltägliche Verkehrschaos meistern und kleine Missverständnisse bewältigen, die aus einer Mücke Elefanten machen. Der kleine Unterschied zu normalen Menschen: Alles ist einfach ein kleines bisschen unglaublicher.

"Im Kern sah ich ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ als Geschichte über eine Familie, die lernen muss, ihre individuellen Bedürfnisse mit ihrer Liebe zueinander in Einklang zu bringen", sagt Bird. "Gleichzeitig ist es eine Komödie über Superhelden, die ihre ganz gewöhnliche menschliche Seite entdecken. Als ich schrieb, wollte ich eine Welt erschaffen, die voller popkultureller Referenzen steckt - mit Gadgets, wie man sie aus Spionagefilmen kennt, Superkräften aus Comics und unerhört bösartigen Bösewichten, die ganz gemeine Tricks anwenden. Gleichzeitig wollte ich aber auch innerhalb der Parameter dieser Welt eine Geschichte erzählen, in der es vor allem um Familie geht. Ich habe mein ganzes Herzblut in diese Story fließen lassen. All diese persönlichen Dinge - was es bedeutet, Ehemann und Vater zu sein, die Idee des Älterwerdens, die Bedeutung von Familie, was Arbeit bedeutet, wie es sich anfühlt, wenn man Angst hat, all das zu verlieren, was man liebt - wollte ich in dieser einen Geschichte unterbringen."

Im gleichen Maß, wie es Bird ein Anliegen war, die technischen Grenzen der Animation auszuloten und voranzutreiben, hoffte er auch, die erzählerischen Möglichkeiten des Animationsfilms neu zu definieren. "In gewisser Weise war ich am meisten inspiriert von den klassischen Disney-Filmen wie "The Lady And The Tramp" ("Susi und Strolch", 1955), die so unvergessliche Figuren haben, dass sie absolut zeitlos geblieben sind", erzählt er. "Die Frage war, wie sich das mit den besten Mitteln, die der Kunstform heute zur Verfügung stehen, erzielen ließ."

Als Bird eine frühe Fassung des Drehbuchs fertig gestellt hatte, legte er sie den einzigen Leuten vor, von denen er sich vorstellen konnte, dass sie seine Vision teilen würden - die eines animierten Filmes, von dem er sich erhoffte, dass er anders aussehen, sich anders anfühlen und anders produziert werden würde als alle anderen vor ihm: den Kreativkräften der Pixar Animation Studios.

Innovation wird bei Pixar von jeher groß geschrieben. Immerhin handelt es sich dabei um die Firma, die hinter einigen der allergrößten Hits in der Geschichte des Animationsfilms und erklärten Kritikerlieblingen steht, darunter der Meilenstein "Toy Story" ("Toy Story", 1995) sowie "A Bug´s Life" ("Das große Krabbeln", 1998), "Monsters, Inc." ("Die Monster AG", 2001) und "Finding Nemo" ("Findet Nemo", 2003). Das Studio sucht immer nach originellen Geschichten aus der Feder kreativer Visionäre. Als John Lasseter, Pixars Vizepräsident der Kreativabteilung und selbst Oscar-Gewinner, von Brad Birds Filmidee hörte, war er sofort Feuer und Flamme.

"Es war, als wäre Brad nach Hause zurückgekehrt, als er uns seine Geschichte vorschlug. Denn für Leute wie ihn haben wir unser Studio gegründet - Leute, die es als Leidenschaft ansehen, neue, unerwartete Wege in Sachen Entertainment, Animation und großartige Figuren zu gehen", meint Lasseter. "Sein Ansatz für ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ war wirklich atemberaubend. Ich liebte die Idee eines großen Abenteuers über eine Superheldenfamilie, die im Grunde doch nur macht, was alle Familien tun: Sie wollen einander glücklich machen. In Brads Händenwürde das weit mehr als nur einfach eine unglaublich unterhaltsame Geschichte. Ich war mir auch sicher, dass der Film einen phänomenalen Stil und echte dramatische Power besitzen würde."

Lasseter war sich auch sofort bewusst, dass "Die Unglaublichen - The Incredibles" eine beispiellose Herausforderung für Pixar darstellen würde. Erstmals in der Geschichte des Studios würde man es fast ausschließlich mit menschlichen Figuren zu tun bekommen. Zudem würde es die technisch innovativste, logistisch komplexeste und überhaupt monumentalste Produktion sein, an die sich das Studio jemals gewagt hätte. Die Geschichte entfaltet sich an mehr als 100 verschiedenen Sets, von einer verrückten, modern angehauchten Vorstadt hin zu dem üppigen und wilden Dschungel einer einsamen Südseeinsel. Weil der Stoff die Menschlichkeit der Figuren betont, verlangte Bird von Pixar, die glaubwürdigsten menschlichen Figuren in der Geschichte des Animationsfilms zu erschaffen, inklusive Haut, Haaren und Kleidung. Mit großem Enthusiasmus stellte sich das Studio der Herausforderung, "Die Unglaublichen - The Incredibles" auf die Leinwand zu bringen.

Der Herstellungsprozess eines Animationsfilms durchläuft viele sorgfältig geplante Stationen. Zunächst wird die Geschichte geschrieben, vorläufige Storyboards werden erstellt, um in diesem frühen Stadium einen Eindruck zu vermitteln, wie man die Geschichte visuell erzählen will. Diese Storyboards werden in eine Art von Animation - die man "reels" oder "animatics" nennt - umgesetzt, die es den Filmemachern erlaubt, an den Sequenzen zu feilen, bevor man sie tatsächlich animiert. Gleichzeitig arbeitet die künstlerische Abteilung fieberhaft daran, jedes noch so kleine Detail der einzelnen Figuren und des gesamten Universums, in dem sie existieren, minutiös zu illustrieren. In dieser Phase zerbrach man sich bei Pixar den Kopf über "virtuelle" Sets, Requisiten, Gebäude, Oberflächen und die Farbpaletten. Als man sich auf die Geschichte und den Look des Films geeinigt hatte, holte man Schauspieler an Bord, die die Dialoge aufnahmen und damit den Figuren endgültig ihre Persönlichkeit aufdrückten. Davon wiederum ließen sich die Filmemacher für den Rest des kreativen Prozesses inspirieren.

Schließlich begann man damit, die 2-D-Bilder in eine 3-D-Realität umzuwandeln. Der erste Schritt bei diesem Vorgang ist Aufgabe des Modell-Teams, das die Figuren und die Sets in den Computer einspeist. Die Layout-Crew steht im Mittelpunkt der nächsten Phase. Auf Basis des Storyreels feilt sie die Figuren und die Kamerabewegungen aus, um die "Einstellungen" zu bestimmen, mit deren Hilfe die Geschichte mit größtmöglichem Effekt erzählt werden kann. Danach werden die Figuren komplett animiert - Bewegung für Bewegung, Einstellung für Einstellung. Hier werden sie zum Leben erweckt, mit all den konzipierten Ausdrücken, Bewegungen und Emotionen. Schließlich werden die Schattierungen nuanciert generiert und die "digitale Ausleuchtung" wird zum Abschluss der Produktionsphase ausgearbeitet. Daraufhin wird der komplette Film "gerendert". Beim Rendern wird die komplette Information, die den Film beinhaltet, von digitalen Dateien in tatsächliche Filmbilder übersetzt. Danach wird der Film fertig gestellt, wie jeder andere Film auch - mit Feinschnitt, Komposition und Einspielen der Filmmusik und Hinzufügen von Sound und Spezialeffekten.

Für "Die Unglaublichen - The Incredibles" bat Brad Bird sein Team bei Pixar darum, den eben skizzierten Prozess so innovativ wie möglich zu behandeln und alle kreativen Möglichkeiten auszuloten.

Produzent John Walker merkt an: "Dieser Film begann mit einer persönlichen Vision und Leidenschaft, die vollständig auf Pixar übergriff. Pixar ist ein Haus, das man mit dem Bestreben errichtet hat, immer nur das Beste abzuliefern. Und Brad wurde von allen hier hundertprozentig unterstützt. Denn obwohl alle sehen konnten, dass es harte Arbeit und eine große Herausforderung werden würde, diesen Film auf die Beine zu stellen, wussten sie auch, dass der Prozess enorm stimulierend sein würde. Es ist immer aufregend, etwas völlig Neues zu machen, sich als Pionier neuer Techniken zu betätigen und in der Folge das Publikum zu einer Erfahrung einzuladen, die ebenso unterhaltsam und spaßig wie innovativ ist."

Bird erinnert sich: "Als Regisseur lernte ich schon bald das kennen, was ich als ´Pixar-Glace´ bezeichnete. Das ist jener Moment, in dem all diese technischen Genies gemeinsam käsebleich werden und sich gegenseitig ansehen, als wollten sie sagen: ´Hat er einen Schimmer, was er da von uns verlangt?´ Aber keiner hat jemals aufgegeben. Jedes Problem wurde gelöst, was die Kreativität der Arbeit jeweils noch einmal steigerte. Es ist ein Beweis der Klasse von Pixar, dass sie aus dem Nichts pure Magie hervorzauberten."
Letzten Endes, sagt John Lasseter, war "Die Unglaublichen - The Incredibles" für alle Beteiligten eine ungemein herausfordernde Angelegenheit. "Die Herstellung von ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ war eine regelrechte Tour de Force", sagt er. "Zum Glück werden unsere Jungs bei Pixar immer besser. Mit diesem Film haben sie sich selbst übertroffen. Wenn man die Figuren in diesem Film agieren sieht und man ihnen tief in die Augen blickt, dann kann man fühlen, was in ihrer Seele vor sich geht. Der feine Ausdruck ihrer Mimik und ihrer Körpersprache ist bemerkenswert. Man identifiziert sich derart stark mit den Figuren und der Geschichte, dass man sich keine Gedanken darüber macht, um welches Genre es sich handelt. Man weiß einfach nur, dass man eine hervorragende Geschichte präsentiert bekommt."

Eine unglaubliche Ansammlung von Figuren: Das Erzählen der Geschichte von "Die Unglaublichen - The Incredibles"

Als er die entbehrungsreiche Reise antrat, "Die Unglaublichen - The Incredibles" zum Leben zu erwecken, war Brad Bird bewusst, dass er sich mit hingebungsvollen Talenten würde umgeben müssen, um seine Vision umzusetzen - nicht nur auf technischer Seite. Er musste begabte Schauspieler finden, die den Figuren die Tiefe geben konnten, die sie verdienten.

Wenn das Drehbuch eines Animationsfilms fertig gestellt ist und die Storyboards ausgearbeitet sind, muss man als Nächstes die richtigen Schauspieler finden. Für Bird, dem die Figuren von "Die Unglaublichen - The Incredibles" ans Herz gewachsen waren, als wären sie Mitglieder seiner eigenen Familie, war dieser Prozess eine Herzensangelegenheit. Er begann ihn, indem er sicherstellte, dass die Storyboards genug kommunizierten, um den Schauspielern vielschichtige Leistungen abzuringen. Bird arbeitete mit Story-Supervisor Mark Andrews, dem Zeichner Teddy Newton und dem Animationsleiter Tommy Fucile daran, die jeweils entscheidende Rollen bei der Ausarbeitung der Figuren und ihrer lebensechten Umsetzung spielten.

Teddy Newton, der viele der Figuren des Films als Allererster zeichnete, sagt: "Brad beschrieb mir die Figuren ganz einfach. Er benutzte nicht allzu viele Adjektive. Stattdessen spielte er sie mir entweder vor oder aber er sprach mit ihrer Stimme und ihrem Tonfall. Manchmal reichte die Stimme allein aus, dass ich mir im Kopf ein Bild von der Figur machen konnte und die entsprechenden Einfälle hatte. Das ist wie beim Radiohören, wenn man sich vorstellt, wie derjenige wohl aussieht, dem man gerade zuhört. Man lässt sich inspirieren, und nach und nach nimmt alles Form an."

Als sich die Figuren entwickelten, begann Bird damit, den Film in noch komplexeren Phasen zu visualisieren. "Brad hatte ein völlig neues Vorgehen für die Erstellung der Storyboards", erklärt Andrews. "Er wollte alles unglaublich detailliert und machte sich nicht nur über das Figurendesign, sondern auch bereits von Anfang an über die Ausleuchtung, Hintergründe und Kamerabewegungen Gedanken. Er wusste, dass alles perfekt sein musste, wenn man das Publikum komplett in die Welt von ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ involvieren wollte. Wenn man so beginnt, wie er sich das vorstellte, dann hat die Produktion auch von Anfang an eine klare Vorstellung von der Vision des Films."

Als die Figuren endgültig ausgearbeitet waren, konnte endlich die Besetzung des Films beginnen. Die Filmemacher suchten nach Schauspielern, die in der Lage waren, die ganz alltäglichen, völlig normalen Gefühle der Superheldenfiguren auszudrücken. Im Zentrum des Films steht natürlich Bob Parrs Mr. Incredible selbst, der muskulöse Patriarch der Familie, der mit den Veränderungen in seinem Leben fertig werden muss, die ihn vom Superhelden zum Vorstadt-Papa werden ließen. Für diese Darstellung konnte sich Brad Bird schon bald für den erfolgreichen Fernsehschauspieler Craig T. Nelson ("Coach", "The District") begeistern, dessen Mischung aus bodenständigem Humor und dem Charisma eines harten Kerls ihm gut gefiel.

"Craig hat eine Respekt einflößende Stimme, aber auch einen wunderbaren, entspannten Humor, die ganz wunderbar zu dem passen, was Mr. Incredible ausmacht", sagt Bird. "Man kann sich leicht vorstellen, wie diese Stimme in den großen, starken, massigen Körper passt. Gleichzeitig hat er eine Verletzlichkeit, die einen verstehen lässt, dass wir es hier mit einem Mann zu tun haben, der nach etwas sucht, was er zwischenzeitlich verloren hat. Aber wenn eine Szene spannend sein musste, dann war Craig ebenfalls zur Stelle."

Für Nelson erwies sich die Figur - ob nun animiert oder nicht - als unwiderstehlich. "Ich fühlte mit ihm als menschlichem Wesen", so Nelson. "Er ist ein Typ, der buchstäblich dazu in der Lage ist, von hohen Gebäuden zu springen und alle möglichen anderen superheldenhaften Dinge zu tun, aber das macht ihn nicht herausragend. Ich sprang nicht auf seine großartigen Leistungen an, sondern auf seine Werte und seine moralische Stärke. Er gehört zu den Leuten, die ich gerne in Natura treffen würde, um ihnen die Hand zu schütteln. Er weiß, was zählt. Und er versteht sehr gut, wer er selbst ist, was seine Familie ist."

Obwohl er es nicht abwarten konnte, in die Rolle zu schlüpfen, erwartete Nelson auch eine gewaltige Herausforderung. "Die Rolle Bobs war gewiss eine der schwierigsten Sachen, die ich jemals angepackt habe", gesteht der Schauspieler. "Ich entdeckte schnell, dass Brad und sein Team eine ganz spezielle Vorstellung davon hatten, was sie wollten. Immerhin hatten sie mit der Figur sehr viel länger und intensiver als ich gelebt. Sie hatten das Drehbuch perfektioniert und kannten die ganze Familie in- und auswendig. Also lag es an uns Schauspielern, das zum Leben zu erwecken, was sie ganz genau vor ihrem inneren Auge sahen."

Er fährt fort: "Das ist nicht so einfach, wie es scheinen mag. Die Darstellung muss tonal absolut korrekt sein und die Energie muss immer wieder präzise zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Man kommt nicht umhin, viel Zeit darauf zu verwenden, zu experimentieren und sich auf die Stimmenergie zu konzentrieren. Gleichzeitig muss man sich aber auch stets die Situation vor Augen führen, in der sich die Figur gerade befindet. Das war für mich eine gewaltige darstellerische Herausforderung, aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch faszinierend war."

Zur Rettung ihres Ehemanns eilt die federleichte Matriarchin der Familie, Helen, die man früher als ultradehnbare Elastigirl kannte. Brad Bird ließ sie sich unter anderem deshalb einfallen, weil er vor den typischen modernen Müttern den Hut ziehen wollte: "Die müssen sich auf ihre Weise auch jeden Tag in hunderte verschiedene Richtungen dehnen." Bird vertraute auf das Können und die blendend entwickelten Instinkte von Oscar-Gewinnerin Holly Hunter, um Helens Mischung aus Mütterlichkeit und stoischer Stärke auf den Grund zu gehen.

"Holly ist für mich eine vollkommene Schauspielerin, die wie gemacht dafür ist, jemanden darzustellen, der sensibel ist und doch resolut und robust sein kann, wenn er es sein muss", beobachtet Bird. "Man hat den Eindruck, dass da etwas in Holly ist, das niemals einen Knacks bekommen kann. Sie strahlt eine Unverwüstlichkeit aus. Und genau danach suchte ich bei der Darstellung von Helen, weil sie eine sehr starke Frau ist."

Hunter nahm die Rolle an, weil sie sich stets von unkonventionellen Geschichten über Familien und die Dynamik von Beziehungen angesprochen fühlt. Und auf diesem Gebiet hatte sie noch von keiner Geschichte gehört, die dieser in irgendeiner Form nahe kam. "Mir gefiel besonders gut, dass sich in ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ hinter all den Superheldenabenteuern eine Geschichte versteckt, die die Familie feiert - eine richtige Familie, mit all ihren Verschiedenheiten und Schrullen - und das, wozu die einzelnen Familienmitglieder fähig sind, wenn sie zusammenkommen", merkt sie an.

Hunter hatte vor "Die Unglaublichen - The Incredibles" noch nie ihre Stimme einem Animationsfilm geliehen. Sie fand es ungeheuer aufregend, mit diesem Film Neuland zu betreten. "Das war eine wirklich neue und aufregende Erfahrung für mich. Ich musste lernen, ausschließlich mit meiner Stimme ausdrucksstark zu sein", erzählt sie. "Von Anfang an brachte Brad mir die Welt von ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ nahe. Sein Vorstellungsvermögen ist unglaublich. Er kannte die Figur wirklich ganz genau."

Sie berichtet weiter: "Brad denkt musikalisch. Für ihn geht es darum, einen Rhythmus und eine Intonation zu finden, was wirklich mehr mit Musik zu tun hat als mit allem anderen. Der Dialogaustausch findet im Stakkato-Rhythmus statt und ist sehr dynamisch. Für mich als Schauspielerin war das höchst interessant und es machte auch viel Spaß."

Zur Familie gehören außerdem noch drei Kinder: der schüchterne, verschlossene Teenager Violetta, der blitzschnelle zehnjährige Flash und das Baby Jack-Jack. Bei der Ausarbeitung ihrer individuellen Superkräfte, Persönlichkeiten und menschlichen Eigenheiten ließ sich Bird von amerikanischen Familien überall im Land inspirieren.

"Violetta ist ein typischer Teenager. Sie fühlt sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut und befindet sich an dieser unangenehmen Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein. Also erschien mir Unsichtbarkeit als genau die richtige Superkraft für sie", erklärt Bird. "Flash bewegt sich in Lichtgeschwindigkeit, weil zehnjährige Jungen sich scheinbar doppelt so schnell bewegen wie alle anderen und immer etwas passieren muss, weil sie sich sonst langweilen und einschlafen. Also bewegt sich Flash so schnell, dass man ihn fast nicht sehen kann. Bei Babys muss ich an noch nicht gewecktes Potenzial denken, weshalb Jack-Jack der einzig Normale in der Familie ist. Na ja, man weiß ja nie. Vielleicht wird er eines Tages eine Kombination der Superkräfte seiner Eltern in sich vereinen."

Für die Darstellung Flashs, dessen Eltern "Langsamer!" skandieren müssen, wenn er in seiner Schule an einem Wettlauf teilnimmt, besetzten die Filmemacher den elfjährigen Spencer Fox, der mit "Die Unglaublichen - The Incredibles" sein Filmdebüt gibt. Für die Stimme der Violetta traf Bird eine höchst ungewöhnliche Wahl, die das Resultat einer Eingebung ist.

"Ich bin ein großer Fan der Radiosendung ´This American Life´", erzählt er. "Es gibt da eine wunderbare Autorin von Büchern und Essays, die in der Show auftritt: Sarah Vowell. Eines Tage fuhr ich im Auto und lauschte Sarahs Stimme. Und ich dachte einfach: Das ist Violetta! Als ich sie anrief und fragte, ob sie den Part eines Teenagers, der unsichtbar sein will, übernehmen wollte, kratzte sie sich am Kopf und erzählte mir, dass sie noch nie zuvor in einem Film gesprochen hätte. Es stellte sich heraus, dass sie perfekt war."

Nachdem die Familie besetzt war, mussten die Filmemacher einen Schauspieler finden, der cool genug ist, um Frozone zu spielen, einen Superhelden, der wirklich der Inbegriff von Coolness ist. Bird konnte sein Glück nicht fassen, als Samuel L. Jackson ihm eine Zusage gab.

"Niemand klingt cooler als Sam Jackson", betont Bird. "Und es klingt bei ihm immer völlig mühelos. Er kann witzig sein, soft oder hart wie Stahl. Ich halte ihn für einen der vielseitigsten Schauspieler unserer Zeit. Es war ein Segen, dass er den Part des Frozone übernahm. Und er traf den Nagel sofort auf den Kopf. Die Animatoren hatten Riesenspaß bei der Arbeit mit ihm, weil bei seinen Darstellungen immer so wahnsinnig viel los ist."

Als Stimme von Syndrome wählten die Filmemacher Jason Lee ("Almost Famous" ("Almost Famous - Fast berühmt", 2000)) aus. Bird führt aus: "Mir gefällt seine Arbeit in einer Reihe von Independentfilmen. Er hat eine wirklich schräge Art. Er gab wirklich alles, um dem Bösewicht eine einzigartige Stimme zu verleihen. Man hört das Kind in ihm, obwohl er definitiv alles andere als ein Kind ist."

Lee konnte sich wunderbar in die Figur hineinversetzen, obwohl sie so niederträchtig ist. "Es machte Spaß, einen wirklich fiesen Typen zu spielen, der gerne mehr wäre, als er ist", meint Jason Lee. Wie beim Rest der Besetzung erwies sich die Arbeit an "Die Unglaublichen - The Incredibles" auch für Lee als Offenbarung. Er fasst zusammen: "Das war eine unglaubliche Erfahrung für mich als Schauspieler, vor allem ein Teil von Pixar Studios zu sein, die für mich zu den einzigartigsten und kreativsten Studios zählen, die ich jemals gesehen habe. Sie sind so jugendlich, so spontan und einfallsreich. Sie sind interessiert daran, echte Klassiker zu erschaffen - und viel weiter zu gehen, als man es von ihnen erwarten würde. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem mein Kind alt genug ist und ich sagen kann: ´Hey, lass uns "Die Unglaublichen - The Incredibles" ansehen - ich habe da mitgemacht.´"

Eine der wunderbarsten Figuren von "Die Unglaublichen - The Incredibles", die jede Szene dominiert, in der sie zu sehen ist, ist schließlich die hinreißend bissige und wirklich kleinwüchsige Modediva Edna Mode, kurz einfach nur "E" genannt, die sich darauf spezialisiert hat, Mode für eine Elite von Superhelden zu entwerfen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, einen Sprecher für die Figur zu finden, ließ sich Brad Bird von seinen Kollegen bei Pixar überreden, die Rolle selbst zu übernehmen.

Bird erklärt: "Ich wollte Edna eigentlich nicht sprechen, aber wir hatten Schwierigkeiten, einen geeigneten Sprecher zu finden. Da erschien es mir am einfachsten, den Job selbst zu übernehmen. Ich mag die Figur wirklich gerne, weil mich die Frage, wer denn eigentlich für die Entwürfe der Superheldenkostüme verantwortlich ist, immer schon beschäftigt hat. Die Kostüme spielen eine so große Rolle in der Welt der Superhelden, weil sie ihnen ihre Identität verleihen und sie von den anderen abheben. Bisher hat aber noch niemand erklärt, wo sie herkommen und wer sie entworfen hat. Ich fand, dass es jemand sein musste, der sich mit wissenschaftlichen Dingen auskennt. Also musste ich an deutsche Ingenieure denken. Und dann dachte ich daran, dass die Japaner all diese unglaublichen Autos und Kameras bauen. Fast zwangsläufig fiel mir eine kleine, energiegeladene Figur ein, halb deutsch, halb japanisch. Und so entstand Edna fast von selbst."

"Ich mag E ganz einfach", gesteht Bird. "Sie lässt sich nicht im Geringsten von den Superhelden einschüchtern - oder von irgendjemandem sonst. Sie besteht einfach darauf, die Dinge so zu sehen, wie sie sich das vorstellt. Das Wort ´Nein’ existiert in ihrem Vokabular einfach nicht, speziell, wenn man damit eine entgegengesetzte Meinung vertritt. Sie ist absolut selbstsicher. Zweifel kennt sie nicht. Man könnte vielleicht sagen, dass das eine Wesensart ist, die ich mit ihr teile."

Die Erschaffung eines unglaublichen Universums: Das epische Design von "Die Unglaublichen - The Incredibles"

Nachdem die Figuren langsam Gestalt angenommen hatten, begannen die Filmemacher mit der Arbeit an der höchst stilisierten Welt, in der diese leben. Das Ausmaß der Designs dieser Welt erwies sich als etwas noch nie zuvor Dagewesenes: Sie breiten sich auf mehr als 100 sorgfältig ausgearbeitete Sets aus, die eine witzige, visuell überschäumende Alternative zur Realität darstellen.

Von Anfang an stellte sich Brad Bird vor, dass "Die Unglaublichen - The Incredibles" in einem klar definierten Universum spielen sollte, das einerseits futuristisch wirken und andererseits voller Retro-Nostalgie stecken sollte. "Ich sah die Welt von ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ so, wie wir uns in den 60er Jahren vorgestellt hatten, dass die Zukunft aussehen würde", beschreibt der Regisseur. "In dieser Zeit gab es all diese Sendungen, die den Menschen versprachen, dass wir in zehn oder 15 Jahren mit Jetpacks fliegen würden, dass wir uns in Tragflächenbooten auf dem Wasser bewegen und dann an Land in ihnen weiterfahren würden. Heute gibt es zwar einige dieser Dinge, aber sie funktionieren nicht ganz so, wie man sich das damals vorgestellt hat. Bei diesem Film wollten wir unsere Geschichte genau in dieses Gewand hüllen. Wir zeigen, wie man sich in den 60er Jahren unsere Gegenwart vorgestellt hat."

Um diesen ganz besonderen Look - und all die Variationen, die sich im Lauf der Geschichte ergeben - zu erzielen, arbeitete Bird eng mit Ausstatter Lou Romano und dem künstlerischen Leiter Ralph Eggleston (dem Oscar-prämierten Regisseur des animierten Kurzfilms "For the Birds", der zuvor als Ausstatter an "Toy Story" ("Toy Story", 1995) und "Finding Nemo" ("Findet Nemo", 2003) mitgewirkt hatte) zusammen.

Romano und Eggleston sahen sich mit einer umfangreichen Aufgabe konfrontiert. Weil sie keine wirklich greifbaren Sets designen mussten, war der Job besonders herausfordernd; denn sie konnten nicht auf die Gesetzesmäßigkeiten bereits bestehender Architektur und bestehenden Designs zurückgreifen.

Romano erklärt: "Unsere Arbeit bestand darin, die gesamte menschliche Skala von Gefühlen, Stimmungen und Atmosphäre mit Hilfe von Formen und Farben darzustellen. Die gesamte Design-Ästhetik sollte ´retro´ sein, aber mit plötzlichen Tupfern von Moderne. Also bedienten wir uns bei Linien und Formen der zeitgenössischen Architektur und entwickelten sie in völlig andere Richtungen. Was die Farbe anbetrifft: Der Film beginnt während der Ära der Superhelden sehr bunt und saturiert, dann weicht die Farbe aus dem Film, wenn wir Bob in seinem langweiligen Job bei der Versicherung "Rundum Sorglos" wieder entdecken. Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr kehren starke Farben zurück, bis wir bei der finalen Konfrontation wieder da ankommen, wo wir begonnen haben."

Eggleston hat eine eigene Beschreibung für das Design des Films: "Ich nenne den Look ´Suburban-Mitte-des-Jahrhunderts-Tiki´, wie von Lou Romano interpretiert", lacht er. "Während jeder Arbeitsstufe wurden wir von Brad ermutigt, immer noch extremer zu werden. Er gab sich nie mit weniger zufrieden - und holte damit das Beste aus uns heraus."

Während Romano und Eggleston weiter produktiv an ihren Designs feilten, wurden sie von Nigel Hardwicke, seines Zeichens Leiter der Set-Sequenzen, unterstützt, der stets sicherstellen musste, dass ihre Vision genau den Leuten der technischen Abteilungen vermittelt wurden. Hardwickes Job bestand zu großen Teilen darin, Probleme zu lösen und dafür zu sorgen, dass die künstlerische Vision und die Technologie in Einklang miteinander standen. "Mein Job besteht darin, viele Fragen über alle erdenklichen Drehorte des Films zu stellen - wie sieht einer aus, wie viel davon werden wir sehen, zu welcher Tageszeit werden wir ihn sehen, und wie wird es uns gelingen, ihn exakt und so detailliert darzustellen, wie er von seinen Schöpfern immer schon erdacht worden war", sagt Hardwicke.

"Sofort war uns klar, dass es sich bei diesem Film um eine Unternehmung von beispiellosen Ausmaßen handeln würde. ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ hat mehr als dreimal so viele Sets wie jeder andere Film, mit dem wir bisher zu tun hatten", erzählt Hardwicke. "Zu den Komplikationen trägt bei, dass der Film zu großen Teilen draußen auf einer tropischen Insel spielt, die nur ein paar Quadratkilometer groß ist. Eine der ersten großen Herausforderungen für mich war die Szene auf der Insel, in der Flash durch den dichten Dschungel rennt, um den Bösewichten auf ihren Velocipods zu entkommen. Flash rennt bisweilen 300 Stundenkilometer schnell, was bedeutet, dass wir etwa doppelt so viel Grund abdecken mussten wie ursprünglich geplant. Es mussten genug Zeit und Energie investiert werden, um Resultate zu erzielen, die Brad zufrieden stellten. Gleichzeitig musste man immer darüber nachdenken, wie man das Geld am effizientesten einsetzt. Das war nur eine einzelne Sequenz. Aber sie reichte aus, um uns deutlich vor Augen zu führen, mit was für einem gewaltigen Projekt wir es zu tun hatten."

Nachdem Dutzende von Sets komplettiert waren, kam das Layout-Team an die Reihe, das mit der Inszenierung, dem Blocken der Einstellungen und dem Timing der Szenen beauftragt war - und mit dem Umwandeln von gewöhnlichen 2-D-Zeichnungen in die fantastische 3-D-Welt. Um ein Maximum an kreativer Flexibilität bei der Kamera- und Charakterarbeit zu gestatten, änderte Pixar für "Die Unglaublichen - The Incredibles" seinen gewohnten Layout-Prozess.

Patrick Lin, einer der drei Kameramänner und Layout-Experte des Films, erläutert: "In der Vergangenheit war es so, dass Pixar zuerst detailgenaue Modelle der Sets baute und wir uns dann wie bei einem ganz normalen Live-Action-Realfilm Gedanken darüber machten, wie man die Kamera bewegen würde. Bei diesem Film war es genau umgekehrt. Bei einigen der großen Szenen filmten wir tatsächlich in einem ganz einfachen, geometrisch simplen Modell. Erst nachdem der Regisseur sein Okay für die Aufnahme gegeben hatte, wurden komplettere Modelle gebaut, die den Kamerabewegungen angepasst wurden. Auf diese Weise konnten wir viel flexibler arbeiten. Ein gutes Beispiel dafür ist die letzte Schlacht in der Stadt. Dieser Kampf ist so groß und komplex, dass es keinen Sinn gemacht hätte, zuerst eine Stadt zu bauen und sich erst dann zu überlegen, wie man darin filmt. Also machten wir eine Prävisualisierung der Szene und filmten danach die Action. Erst dann bauten wir das endgültige Modell, das auf der bisherigen Arbeit basierte, aber natürlich viel detaillierter ausfiel."

Eine der scheinbar einfachsten Szenen des Films, in der sich die Parr-Familie um den Tisch zum Abendessen versammelt, entpuppte sich aus Sicht der Layout- und Set-Abteilung als eine der schwierigsten des Films.

"Die Abendessen-Szene war wirklich verdammt vertrackt", gesteht Lin. "Sie beginnt ganz normal, mit einer scheinbar normalen Familie, die sich zum Essen versammelt, und verwandelt sich dann nach und nach in das totale Chaos. Es ist immer schwierig, eine Szene interessant zu gestalten, die an einem Tisch spielt, weil man einerseits die Kamera stets in Bewegung halten muss, andererseits das Publikum immer wissen muss, wer wo am Tisch sitzt. Als das Chaos beginnt, Flash und Violetta sich anzicken und Jack-Jack zu weinen beginnt, setzt Helen ihre elastischen Superkräfte ein, um die beiden Streithähne zu trennen. Bob greift in die Situation ein, indem er den kompletten Tisch hochhebt. Gleichzeitig kreuzt Bobs Freund Frozone bei den Parrs auf. Das Set konnte im Vorfeld nicht im Geringsten dekoriert werden, weil die Szene voll und ganz von der Animation abhing. Das Essen auf dem Tisch inklusive der Soße rutscht hin und her und fliegt in der Gegend herum, sodass man ganz genau aufpassen und sich merken muss, wo sich welcher Gegenstand gerade befindet. Was die Kontinuität und die Ausstattung des Sets anbetrifft, war diese Sequenz ein absoluter Albtraum."

Gleichzeitig wurde Kamerafrau Janet Lucroy, deren Spezialität die Ausleuchtung von Szenen ist, mit ganz eigenen Herausforderungen konfrontiert. "Von der Ausleuchtungsperspektive her hatte dieser Film aufgrund der Vielzahl der Sets und Einstellungen ganz ungewöhnlich große Ausmaße", sagt Lucroy. "Tatsächlich musste ich etwa 600 Einstellungen mehr ausleuchten als noch bei "Monsters, Inc." ("Die Monster AG", 2001)."

Zusätzlich war es Lucroys Aufgabe, filmisch üppige, sorgfältig ausgearbeitete Ausleuchtungsstrategien zu entwickeln, die dem einzigartigen Look des Films entsprechen sollten. "Wir entschieden uns für einen dunkleren, kontrastreicheren Look für den Film - etwas völlig anderes, als es das Publikum von der Welt der Animation gewohnt ist. Es sollte sich stärker an zeitgenössischen Thrillern oder Abenteuergeschichten orientieren," meint Lucroy. "Außerdem lag uns eine interessante Mischung aus theatralischer und naturalistischer Ausleuchtung am Herzen. An manchen Stellen des Films stellen wir das Theatralische in den Vordergrund, wie zum Beispiel am Anfang des Films beim Superheldenprolog, als die Kontraste stark sind und das Visuelle betont wird. Aber dann gibt es noch viele Passagen, die die Familie zu Hause oder bei der Arbeit zeigen. Bei diesen Szenen setzten wir das Licht viel natürlicher und unauffälliger."

Lucroy war außerdem begeistert, subtilere Beleuchtungseffekte ausarbeiten zu können, die zum grundsätzlich angestrebten Fotorealismus und damit auch zur Wirkung des Films beitrugen. "Ich liebe die etwas ruhigeren, zärtlichen Momente," erklärt sie. "Es gibt da eine kleine Sequenz mit Flash und seiner Mutter im Auto, in der ein Fensterschatten auf ihr Gesicht fällt, aber immer noch genug Licht da ist, um ihre Züge zu erkennen und ihre Augen zu sehen. Und dann läuft dieser Schatten über ihr Gesicht. Das Feeling des Sonnenlichts und die Lichtreflexion an den Sitzen ist absolut glaubwürdig - ein sehr hübscher Moment."

Unglaubliche Themen: Die Komposition eines Scores für "Die Unglaublichen - The Incredibles"

Als "Die Unglaublichen - The Incredibles" beinahe das Ende einer unglaublichen Produktionsreise erreicht hatte, wussten die Filmemacher, dass Handlung, Design und Vision ihres Films einen ebenso unglaublichen Musikscore brauchten, der allem die Krone aufsetzen sollte. Sie verpflichteten den talentierten jungen Komponisten Michael Giacchino, zu dessen früheren Credits Scores für die Fernsehserie "Alias" sowie eine Reihe populärer Videospiele und animierter Kurzfilme gehören und der mit "Die Unglaublichen - The Incredibles" ein vielversprechendes Leinwanddebüt gibt.

Brad Bird arbeitete eng mit Giacchino zusammen und bat ihn, als Inspiration die blechernen, rhythmischen, jazzig angehauchten Scores von Thrillern aus den 60er Jahren heranzuziehen. "Ich suchte nach einem bestimmten Sound, den ich immer mit Action- und Agenten-Filmen, Comicbooks und einfallsreichen Fernsehshows in Verbindung gebracht hatte", erklärt Bird. "Michael und ich sprachen darüber, die Arbeit von Komponisten wie John Barry und Henry Mancini aufzugreifen. Damals hatte man diese kühne, spritzige Art, abenteuerliche Musik zu machen, und ich wollte diesen Sound für unseren Film wieder zum Leben erwecken. Glücklicherweise entdeckte ich, dass Michael diese Musik genauso sehr liebte wie ich, und das half ihm dabei, etwas sehr Besonderes für ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ zu kreieren."

Giacchino sagt: "Für mich war dies die größtmögliche Herausforderung, weil es um meine Lieblingsmusik ging. Als ich den Job bekam, war es, als würden sich für mich die Türen zu der coolsten Sache der Welt öffnen und sagen: Komm, spiel. Es war, als würde ich den verbotenen Spielplatz des Orchesterjazz betreten! Ich habe immer bewundert, was Henry Mancini aus der Musik bei "The Pink Panther" ("Der rosarote Panther", 1964) gemacht hatte und wie er dem Publikum dieses großartige Gefühl für Energie, Cleverness und Action vermittelte - und das ist genau das, was ich auch hier tun wollte."

Giacchino nutzte ein Orchester mit 100 Instrumenten - bestehend aus einer kompletten Rhythmussektion, Geigen, Hörnern, Pianos, Bässen, Trommeln, Trompeten und Percussion -, um einen Score zu kreieren, der zugleich agil, verspielt und bisweilen dramatisch ist, genau wie die Figuren, die "Die Unglaublichen - The Incredibles" antreiben.

Bird bat den Komponisten außerdem, individuelle Themen oder Motive zu schreiben, die jeden der Hauptcharaktere definieren, sich mit ihnen im Laufe des Films entwickeln und ihre Vielschichtigkeit und Komplexität ergänzen.

Giacchino erklärt: "Zum Beispiel hat Mr. Incredible ein Thema, das sehr heroisch und jazzig startet, sich dann verändert, als er vom Superhelden zum Familienmenschen wird, und sich im Laufe des Films weiterentwickelt. Das hat sehr viel Spaß gemacht - Musik zu komponieren, die mit der Figur wächst und deren einzigartige Situation widerspiegelt. Ich verbrachte viel Zeit damit, einen anderen Stil für jede Figur zu finden - Flash hat ein Thema, das ein wenig wie ein schwirrender Kolibri klingt, und Violettas Thema ist ziemlich kokett und mysteriös und so weiter. Grundsätzlich war es so, dass die Filmemacher mir die Story von ´Die Unglaublichen - The Incredibles´ erzählten und ich versuchte, sie in musikalischer Form nachzuerzählen."

Als er den Score schrieb, war Giacchino klar, dass er sich weit von dem würde entfernen müssen, was bei modernen Filmscores als Standard gilt. "Heutige Filmscores haben zum größten Teil eine ziemlich geradlinige und sehr traditionelle Struktur," erklärt er. "Im Gegensatz dazu hatten viele Scores in den 60er Jahren unmittelbare Musik - mit viel Percussion und Instrumenten wie Xylophonen, Marimbas oder Vibraphonen. Diese Instrumente oder die damit verbundenen Stile hört man heute selten in orchestralen Scores - aber zufällig liebe ich ihren Klang. Ich bin so froh, dass Brad mich bat, genau diesen zurückzubringen, und ich kann wirklich sagen, dass er nie Angst hatte, sämtliche Elemente des Films zu noch unglaublicherer Form zu drängen."

   
Quelle: Buena Vista Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)
   
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