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13.10.2008 - Rubrik: Allgemein 
Electronic Arts unterbindet Gebraucht-Verkauf von "Spore"
   

Über Electronic Arts´ Titel "Spore" ist in den vergangenen Tagen und Wochen viel geschrieben worden. Zum einen, weil Will Wright (Sim City, The Sims) es anscheinend wieder einmal geschafft hat, eine ansprechende Simulation für die Massen zu schreiben. Kurz zusammengefasst geht es bei dem neuen Spiel von Wright um die digitale Rekonstruktion der Evolution. Aus dem Nichts erschafft der Anwender eine Spezies, die sich entwickeln und mit anderen Kreaturen messen muss. Wer mag, kann sogar online ins Spiel einsteigen.

Doch "Spore" machte nicht nur wegen des gelungenen Spielkonzepts auf sich aufmerksam. Viele Anwender störten sich bei EAs Produkt an dem neuartigen Kopierschutz. Dabei verwendet das Spiel eine Kombination aus physikalischem Kopierschutz und einer Online-Aktivierung. Einmal auf dem System installiert, wird man das DRM von Sonys SecuROM leider auch per Deinstallation nicht mehr los. Pikant wird es jedoch erst richtig, wenn der Anwender sein legal gekauftes Spiel auf dem vierten Rechner installieren möchte: Hier versagt die Online-Aktivierung, und der Anwender muss eine kostenintensive 0900er Nummer (EUR 0,25/min.) anrufen, und sich dem technischen Support erklären. Wohlgemerkt: Hier geht es nicht etwa um die Frage, ob man das Spiel rechtmäßig erworben hat. Nun könnte man argumentieren, dass Anbieter Electronic Arts damit keinen neuen Weg beschreitet, denn Software, die man nur eine begrenzte Anzahl aktivieren kann, gab es schon immer. Bei dieser Software lässt sich jedoch auch ein Rechner wieder deautorisieren und sich die Installation somit auf einem anderen Rechner wieder ausführen. "Spore" merkt sich allerdings nur stumpf jede Installation, wer deinstalliert, ist halt selber Schuld.

Nun könnte man sagen, dies wäre alles immer noch nicht schlimm. Immerhin werden die wenigsten Anwender das Spiel gleich auf vier Rechnern nacheinander installieren – wenngleich dies nach deutschem Recht, bei vorher erfolgter Deinstallation, zweifelsfrei zulässig ist. Was jedoch, wenn ein Anwender das Produkt gar nicht mehr haben möchte? Dann stehen Verkäufer und Käufer im Regen. Denn "Spore" lässt sich nicht nur begrenzt installieren, Electronic Arts verbietet es dem neuen Käufer sogar, die legal erworbene Software rechtmäßig und in vollem Umfang (also inkl. Online-Funktion) einzusetzen. Wir machen den Test und tauschten bei einem (legalen) Tauschportal einige DVDs gegen eine zuvor von zwei Personen genutzte und ordnungsgemäß deinstallierte Version des Titels "Spore". Bereits beim dem Versuch, ein Benutzerkonto anzulegen scheiterten wir und kontaktierten – als Privatperson argumentierend - den Support:

"Beim Anlegen eines neuen Kontos bekomme ich immer die Meldung "Die für die Installation des Spiels verwendete Seriennummer kann nicht verifiziert werden". Dies mag daran liegen, dass ich das Spiel gebraucht erworben habe, und daher anscheinend keine Installationen gemäß SecuROM mehr frei sind. Da allerdings auf der Produktverpackung keine Anzahl an maximalen Installationen angegeben ist und sich das Spiel leider auf einem Rechner nicht mehr deautorisieren lässt (obgleich man es sehr wohl installieren kann - was beide Vorbesitzer auch getan haben), darf ich an dieser Stelle darum bitten, die folgende Seriennummer umgehend wieder für die Erstellung eines neuen Kontos zu aktivieren. [...] Ich kann den telefonischen Support nicht anrufen, da für meine Leitung 0900er Nummern gesperrt sind. Alternativ würde es mir auch reichen, wenn ich den vom Vorgänger zur Verfügung gestellten Account in Sachen ID umbenennen und reseten kann."

EA ließ sich nicht lange bitten und stelle uns, nach einer direkt generierten, automatischen Antwort, bereits wenige Minuten später folgende Problemlösung in Aussicht:

Da bei Spielen, die Sie über Ebay erstehen, davon auszugehen ist, das die Seriennummer bereits verwendet wurden, können wir Ihnen bei diesen Spielen leider nicht weiterhelfen. Jede Seriennummer kann immer nur einmal vom Erstbesitzer registriert werden. Jede Lizenz für die Online-Features ist eine Einzelnutzer-Lizenz. Diese Lizenzen dürfen nicht an Dritte weiterveräußert werden. Es ist uns technisch leider nicht möglich eine bereits registrierte Seriennummer wieder freizugeben, und diese mit einem zweiten Konto erneut zu registrieren. Sie sollten daher das Spiel beim Verkäufer reklamieren. Lassen Sie sich das Geld erstatten, und kaufen Sie sich dann bei einem Händler eine original verschweißte und nicht registrierte Version des Spiels.

Damit versagte uns der Hersteller die legale Benutzung des von uns durch Tausch erworbenen Artikels. Im übrigen wurde hier nicht eBay genutzt, allerdings war es wohl bequem, den fertigen Textbaustein zu verwenden. Wirklich ärgerlich ist allerdings die Tatsache, dass das kundenunfreundliche Vorgehen an keiner Stelle auf der Produktverpackung dokumentiert wird. Hier wird nur davon gesprochen, dass der Titel zur Aktivierung eine Onlineverbindung benötigt. Dass sich ein Großteil des Spiels auch online abspielen kann und man mindestens zur Veröffentlichung seiner Kreaturen eine Account benötigt und dieser weder ein zweites Mal generiert noch überschrieben werden kann, wird dem Kunden – möglicherweise bewusst – vorenthalten.
Zudem erweckt der Anbieter den Anschein, als sei der Gebrauchtverkauf von Software generell nicht in Ordnung.

Medienanwalt Jascha Alleyne aus Hamburg sieht Electronic Arts´ Vorgehen skeptisch: "Grundsätzlich hat der Rechteinhaber auch das Verbreitungsrecht; er darf bestimmen, wer wann wo das jeweilige Werkexemplar veräußern darf. Dieser Grundsatz ist jedoch begrenzt durch den Grundsatz der Erschöpfung (§§ 69c Nr. 3, 17 Abs. 2 UrhG). [... ] Ein einmal mit Zustimmung des Rechteinhabers in der EU verkauftes Softwareexemplar [kann somit] grundsätzlich unbeschränkt weiterverkauft werden [...]. Deshalb wirkt die Vorgehensweise [...] wie ein Versuch, den Erschöpfungsgrundsatz auszuhebeln, was wiederum wettbewerbsrechtlich problematisch ist."

Wirklich ärgerlich ist die Tatsache, dass die Anleitung den obigen Fall durchaus zulässt und von dem Anlegen mehrerer Konten spricht. Diese Aussage hat sich der Hersteller mittlerweile als Druckfehler zurechtgebogen. Laut Entwickler Maxis werden Kunden in Zukunft immerhin fünf verschiedene Bildschirmnamen anlegen können. An der Möglichkeit, das Spiel nicht veräußern zu können, ändert dies aber nichts:

"We are going to add the ability to have multiple Spore Screen Names for any one Spore Online Account. Here´s how this will work: for each copy of Spore that you have purchased, you will be able to have one Spore Online Account, just as it is now. However, we will be adding the ability to have five Spore Screen Names for that account. When you launch Spore, you will be able to log in with any of those Screen Names."

Electronic Arts muss sich wohl oder übel die Frage gefallen lassen, warum die Software überhaupt noch dem Kunden überlassen, und nicht gleich per Wachmann vor Ort bereitgestellt und vorgespielt wird. Spaß macht diese Kundengängelung defintiv nicht. Wir hoffen, dass nicht auch die Filmindustrie auf die Idee kommt, Filme auf diese Art und Weise zu schützen. Wer sich dabei unwohl fühlt, dem empfehlen wir folgendes: Warten Sie mit dem Kauf, bis der Hersteller das Problem behoben hat. Und: Erzählen Sie Bekannten und Freunden davon, damit diese sich vor dem Kauf informieren können. Im Zweifelsfall lohnt sich ein Gang zur Verbraucherzentrale.

   
Quelle: Electronic Arts GmbH / Digital-Movie.de (cb)
     
 
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