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16.11.2006 - Rubrik: Hardware 
Spät dran, scharf aber rucklig: HD DVD und Blu-ray kommen
   

Man sollte eigentlich meinen, dass es sich bei HD DVD um einen alten Hut handelt, zumindest wenn man sich mit HD an sich beschäftigt. In Japan wurden bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erste Versuche durchgeführt und mittlerweile hat der Konsument bereits die Wahl unter DVD ROMs mit Windows Media HD Streams sowie HD über Satellit - Premiere und Pro7 sei Dank.

Da traf es die Fans gestern um so härter, dass HD DVD,nun in bester Gesellschaft zu Blu-ray, verschoben wurde. Toshiba gab bekannt, dass es aufgrund eines Fertigungsfehlers im Decoderchip eines Zulieferers zu Bildstörungen kommt. Fazit dieses kleinen Intermezzos: die gesamte Charge an bereits produzierten Playern wird eingestampft und neu produziert. Geschätzer Liefertermin an den Handel: 52. KW, also zwischen Weihnachten und Neujahr. Wer dieses Jahr also noch ein Gerät bekommt, darf sich glücklich schätzen.

Doch auch dann dürfte so mancher Heimkino-Fan ein sehr langes Gesicht machen, beherrschen die Maschinen der ersten Generation (bzw. mit Blick Richtung USA zweiter Generation) auch in den PAL-Territorien keine 50 Hz. Anders ausgedrückt: Das auf den DVDs vorliegende HD Signal in 24p wird auch auf europäischen Geräten auf 60Hz umgerechnet, so dass man das von NTSC-DVDs gewohnte Telecine (auch 3:2 Pulldown genannt) zu Gesicht bekommt. Während dieser Effekt speziell auf Fernsehgeräten noch halbwegs erträglich ist, fällt das unschöne, weil ungleichmäßige, Ruckeln bei Großbildprojektion um so stärker auf.

Ein Zufall? Geht man davon aus, dass alle HD DVDs bzw. Blu-ray Discs das Filmmaterial in 24p (und damit 1:1 wie auf dem Kinofilm) speichern, dann bleibt den Playern vorerst keine andere Wahl. Entweder sie geben 24 Bilder pro Sekunde aus, was bisher kaum ein Display kann, oder aber eben 24 Bilder hochgerechnet auf 60 Hz - wahlweise progressiv oder interlaced, wobei bei HD DVD die erste Generation zunächst nur interlaced kann. 50 Hz dürften ausscheiden, weil es dann zu Problemen mit dem Ton kommt. Während man aus 24 Filmbildern mittels Telecine 60 Bilder hochrechnen kann (wobei ein Filmbild immer auf 3 bzw. 2 Bilder verdoppelt wird), sind 24 zu 25 nicht so einfach. Selbst durch einfache Verdopplung käme man auf nur 48, und das sind für 50 Hz glatt zwei zu wenig. Einziger Ausweg: der 2:2 Pulldown, also die Änderung der Timebase von 24 zu 25, doch der erfordert auch eine Anpassung des Tons, da ja das komplette Material 4,17% zu schnell läuft. Genau hier vermuten wir das große Problem: der kodierte Ton. Sowohl Dolby als auch DTS lassen sich nicht einfach so verschnellern. Dazu muss der Ton komplett decodiert, umgerechnet, und letztlich für die Ausgabe wieder neu (und somit mit Qualitätsverlust) kodiert werden. Dazu kommt, dass kein Gerät dies bisher in Echtzeit in parallel zur Verarbeitung von HD-Ausgabe schaffen dürfte. Ein anderer Weg wäre die analoge Ausgabe, die jedoch mangels genügend Kanälen und wegen der problematischeren Bearbeitung im nachgeschalteten Receiver ausscheidet. Wohlgemerkt nur deshalb, weil man von 24 Bildern pro Sekunde zu 25 wechselt, indem die Filmbilder 1:1 übertragen werden.

Frank Eschholz, Produktmanager für HD DVD bei Toshiba Europe, sieht auch für die Zukunft keine Lösung. Für HD DVD sei, europäische HD DVDs von HD Konzertmitschnitten in 50 Hz ausgenommen, ausschließlich die Wiedergabe von 60 Hz geplant. 50Hz für europäisches HD TV-Material werden erst mittels eines Firmware-Updates ab ca. Mai 2007 möglich sein. Bedenken, dass der Early Adopter, der bisher ruckelfreies Bild von PAL-DVDs gewohnt ist, das Produkt nicht annimmt, habe man nicht. Letztendlich entspräche die Wiedergabe 100% dem Seherlebnis in jedem Kino. So recht überzeugt uns das nicht, schließlich wird im Kino nicht auf 60 Hz gewandelt, sondern nur auf 48 Hz verdoppelt. Auch Patrick Schappert von den Großbildspezialisten aus Kaarst bangt um das Image der neuen Formate. "Meine Kunden werden denken, ihr Gerät sei kaputt", fasst der Projektions-Profi das Ruckeln des Pulldowns in einfache Worte.

Wir hoffen, dass dies für HD DVD und Blu-ray noch nicht das Ende der Spezifikation ist. Speziell mit den kommenden Display-Generationen werden auch echte 24 fps (bzw. 23,976) möglich sein - und das ist dann schon verdammt nah dran am Kino. Bis dahin werden Heimkino-Fans warten müssen, oder sie fliegen im zweiten Teil von Herr der Ringe nicht über schneebedeckte Berkuppen, sondern fahren mit der Bahn. Aber das kann ja bisweilen auch ganz unterhaltsam sein.

   
Quelle: Digital-Movie.de (cb)
     
 
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