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20.12.2006 - Rubrik: Hardware 
DVDO iScan VP50 im Test
   

Es wäre alles so einfach, hätte man weltweit für Kino und TV einen Standard. "Hätte" - doch leider verlief die Entwicklung anders. Kino hat Film mit 24 Fps, ein Großteil von Europa PAL mit 50 Hz und USA und Japan wiederum NTSC mit 29,97 Hz. Und mit Hinblick auf HD ändert sich nun wieder alles - von 480i über 720p bis hin zu 1080i oder 1080p ist alles vertreten. Und auch die Displays haben sich geändert. Gab es früher die Röhre, die mit dem Scanline-Verfahren eine variable Auflösung wiedergeben konnte, so haben moderne Displays wie LCD oder Plasma eine feste Pixelstruktur. Moderne DVD Player oder auch Projektoren haben aus diesem Grund in der Regel bereits einen fest eingebauten Scaler, der die verschiedenen Auflösungen aneinander angleicht. Kommen dann noch Film und Video in verschiedener Darreichungsform auf den Tisch, ist auch Deinterlacing ein Thema. Auch das können mittlerweile viele Player bzw. Projektoren. Doch ein richtiger Scaler kann noch mehr - und besser. So zumindest die Versprechen der Hersteller, die weiterhin Standalone-Geräte anbieten. Wir haben einen Vertreter dieser Gattung aus dem Hause DVDO, den IScan VP50, genauer unter die Lupe genommen. Dabei ist der IScan VP50 nicht nur ein reiner Scaler, sondern ein Videoprozessor, der neben Größenänderungen der zugefütterten Bitplane auch noch Deinterlacing und Inverse Telecine beherrscht.


Lieferumfang:

Der VP50 kommt in einem stabilen Karton daher. Neben dem Gerät selbst, das exakt 1 HE im Rack einnehmen kann, gibt es noch einiges Zubehör. Darunter fallen die Fernbedienung, das Netzteil, der passende deutsche Kaltgerätestecker, ein serielles Kabel, CD ROM und DVD, sowie die englische Anleitung. Die deutsche Anleitung steht mittlerweile übrigens bei DVDO.com zum Download bereit, war aber bei Produktionsstart des Gerätes noch nicht verfügbar. Dazu gibt es eine recht umfangreiche Test-DVD mit speziell dafür bearbeitetem Material, das der VP50, wen wundert´s, hervorragend meistern wird. Ein Rack-Mount-Kit muss, obwohl die Anleitung dies anders anführt, separat erworben werden.


Anschlüsse & Verarbeitung:

Der VP50 macht einen soliden und wertigen Eindruck. Das Metallgehäuse garantiert eine gute Schirmung, die Anschlüsse auf der Rückseite wurden solide verarbeitet und passen recht genau in die vorgesehenen Öffnungen. Einzig das beigelegte Netzteil fiel uns als Ausreißer nach unten hin auf. Das dünne Plastikgehäuse des Gleichstromnetzteils, das im Ernstfall 7 Ampere bei 6 Volt liefern muss, wirkt schon ein wenig windig. Das Kabel vom Netzteil zum IScan ist leider recht kurz, weshalb bei uns das Netzteil entweder auf halbem Weg zum Gerät in der Luft schwebt, oder abgelegt bzw. im Rack mit Kabelbindern fixiert werden muss. Zudem fiel uns ein hochfrequentes Pfeifen des Netzteils auf, das zwar bei Schaltnetzteilen passieren kann, aber eigentlich bei einem Gerät in dieser Preisklasse nicht auftreten sollte. Dieses Pfeifen konnte sich, solange der VP50 galvanisch mit einem Gerät der Anlage verbunden war, bis auf entfernt stehende Aktivboxen (Blue Sky SAT 12 - nicht gerade Billigheimer mit schlechter Schirmung) übertragen und dort für Unmut sorgen. Dank des schnellen Supports von DVDO konnten wir jedoch binnen zwei Tagen ein Ersatznetzteil anschließen - und dann war es auch schon ruhig. Schön.

Sämtliche Anschlüsse des Geräts befinden sich auf der Rückseite:

- Eingänge:

* 2 x Composite (NTSC/PAL/SECAM)
* 2 x S-Video (NTSC/PAL/SECAM)
* 2 x Component (YPbPr bzw. Y/UV oder RGB/S) für 480i/p, 576i/p, 720p, 1080i
* 1 x RGBHV/Component (BNC-Anschlüsse)
für 480p, 576p, 720p, 1080i, VGA/SVGA/XGA/SXGA@60Hz
* 4 x HDMI für 480i/p, 576 i/p, 720p, 1080i, 1080p, VGA/SVGA/XGA/SXGA@60Hz
* 2 x Audio SP/DIF (coaxial)
* 2 x Audio TOSLINK (optisch)
* 1 x Audio analog (Cinch, L/R)

Optional bietet DVDO noch einen SD-SDI Anschluss für 480i/576i an, in naher Zukunft ist auch HD-SDI geplant. Dieses Interface ist für Besitzer von "speziellen" DVD Playern interessant oder aber, wenn der IScan bzw. Projektor recht weit entfernt aufgestellt werden soll. Während bei DVI oder HDMI oftmals schon nach gut 15 Metern Schluss ist, kann SDI bis zu 100 Meter überbrücken.

- Ausgänge:

* 1 x HDMI
* 1 x RGBHV/Component (BNC-Anschlüsse)


Die Anschlussmöglichkeiten des VP50

Löblich ist die große Signalvielfalt, die der IScan unterstützt. Von SD bis HD gibt es bis auf SDI-HD eigentlich keinen Stecker, den der schlanke Kalifornier nicht unterstützen würde. Besonders bemerkenswert: Über die Cinch-Anschlüsse, die sonst nur Komponente übertragen, nutzt der VP50 alternativ auch für RGB mit Sync, wodurch sich z.B. gängige Videospielkonsolen mit den hier so beliebten Scart-Steckern anschließen lassen. Dafür benötigt man allerdings eine Scart-Buchse und ein wenig Löterfahrung.

Etwas verloren sind der einsame HDMI-Ausgang und der analoge Komponentenausgang mit horizontalem und vertikalem Sync. Speziell in Zeiten digitaler Fernseher und Projektoren ist es etwas unverständlich, dass es nur für einen HDMI-Anschluss gereicht hat. So muss man, was der ohnehin billigen Buchse (wir meinen damit die von HDMI allgemein, nicht den IScan) sicher nicht gut tut, immer wieder umstecken oder noch einmal ein paar hundert Euro für einen HMDI-Splitter ausgeben.


Installation & Bedienung:

Nach dem Einstecken der Signalquellen gibt es wenig zu tun. Sollte man meinen, stimmt aber gar nicht. Denn wer sich auf der Webseite des Herstellers umschaut findet dort bereits das erste Update, mit dem die interne Software auf Stand 1.01 gebracht werden kann, was allerdings mit dem Zusatz "Beta" unter Vorsicht zu genießen ist. Dennoch wollten wir wissen, wie sich die neue Funktion PReP (Progressive Re-Processing) und die verbesserten 24p-Timings schlagen - immerhin einer der Gründe für uns, speziell den VP50 im Detail anzuschauen. Da dem Gerät leider kein Seriell-USB Adapter beiliegt (über diesen wird zwar in der Anleitung geschrieben, zu finden war aber nichts), benötigt man einen PC mit seriellem Anschluss - MACs bleiben somit außen vor. Nach der Installation der nötigen Terminal-Software (wir begruben unsere heimlich hinter dem Haus, als das Internet salonfähig wurde) heißt es erst einmal warten. Denn seriell ist ungleich schnell und so kann es gute 30 Minuten dauern, bis sich der VP50 die gut 7MB große Update-Datei einverleibt hat. Allerdings gibt es danach kein Warten, sondern nur einen kurzen Neustart. Die Settings gehen bei dieser Umstellung verloren, weshalb man vorher wichtige Details notieren sollte. Danach erwartet den Anwender dann System-Version 1.01ß, ungewöhnliche Abstürze bei viel Konfigurations-Durcheinander haben wir daher nicht besonders kritisch beäugt. Aber: Diese hielten sich während unserer intensiven Tests sehr zurück und so darf man der 1.01 schon eine gute Stabilität zusprechen.

Die Bedienung ist sehr einfach gehalten. Entweder, man bemüht das beleuchtete und recht gut zu lesende Display auf der Front, oder schaut auf das Wiedergabegerät, was aber eben nur geht, wenn der gerade gewählte Modus unterstützt wird. Als Geber dienen die Fernbedienung, die Knöpfe auf der Front oder die RS-232 Schnittstelle für Automation. Im Auslieferungszustand ist der VP50 auf 480 Zeilen eingestellt und kann daher von vielen Geräten, aber nicht allen, entsprechend wiedergegeben werden. Das Menü ist von einer Bäumchenstruktur geprägt, die beim Eingang anfängt um beim Ausgang aufzuhören. Diesen sollte man im übrigen gleich als erstes konfigurieren, um dann alles weitere einstellen zu können. Dabei sollte der IScan auf die native Auflösung des Displays gesetzt werden. Es bringt herzlich wenig, einen Scaler ein Bild für 1080 aufbereiten zu lassen, wenn das Display (mit einem eher preiswerten Scaler) am Ende wieder auf 720 herunterrechnen muss.


Ein Blick von oben auf das geordnete Innenleben

Verkabelt wird der Ausgang sicherlich in den meisten Fällen via HDMI - alternativ steht noch ein analoger Ausgang zur Verfügung. Dass HDMI einen selten dämlichen Stecker hat und gegenüber DVI wieder einen deutlichen Rückschritt darstellt ist allgemein bekannt und soll daher nicht weiter diskutiert werden. Es ist allerdings ärgerlich, dass dank HDCP eben nur jene Displays befeuert werden können, die auch bitteschön den Kopierschutz unterstützen. Wer ohne klarkommen muss, der kann zwar mit dem VP50 arbeiten, allerdings nur analog zugespielt. Bei digitalen Quellen geht stattdessen der Vorhang zu und versperrt den Blick auf das Bild.

Bezüglich der Zuspielung muss man sich ebenfalls umgewöhnen. Während die meisten anspruchsvollen Heimkino-Anwender zu teueren Playern mit HDMI greifen, ist dies für Scaler nicht die erste Wahl. Hier bietet sich SDI als alternative Schnittstelle an, was jedoch kein Consumer-Player ab Werk unterstützt. Stattdessen muss man teure Umbauten, Tuning genannt, dazukaufen, damit der Player das kann, was eigentlich so einfach wäre: abspielen und gar nichts tun. Damit ist gemeint, dass der teuere SDI-Ausgang im Vergleich zum evtl. vorhandenen HDMI-Ausgang mit integriertem Scaler zunächst einmal ein qualitativ großer Schritt zurück ist, denn hier kommen lediglich 480i bzw. 576i an. Aber Achtung! Schön machen soll das Bild ja in diesem Fall der externe Scaler, und das kann dieser am besten, wenn er das Bild so bekommt, wie es auf der DVD abgelegt wurde - nämlich 480i bzw. 576i, und zwar YCbCr (umgangssprachlich: digitale Komponente, ähnlich YUV), und nicht vorgewandelt auf RGB, da auch der VP50 intern mit YCbCr arbeitet. Erst das Display bekommt am Ende RGB. Wer also zu einem Player mit SDI greifen möchte, der braucht nicht unbedingt einen mit gutem internen Scaler, sondern einen mit einem richtig guten Laufwerk. Beliebt sind hier einige ältere Toshiba Modelle, der Philips DVD-963SA oder aber einige aktuelle Player von Arcam oder Pioneer. Speziell bei den Pioneer-Flagschiffen, wie z.B. unserem 868 (dem Pioneer dann vor einiger Zeit den 989 folgen ließ), ist der Unterschied zwischen HDMI und SDI recht gering. Grund dafür ist eine sehr saubere Signalführung ohne viel Bearbeitung. Wer also "nur" HDMI füttern kann, muss nicht verzweifeln, vorausgesetzt, der Player kann über HDMI faul sein. Dies ist unbedingt mit Testbildern zu prüfen! Auch hier hat man bisweilen Pech, und die, meist preiswerten, Geräte unterstützen gar kein "i", sondern nur "p". Somit kommt dann bereits der, in den meisten Fällen billigere, Scaler im Player zum Einsatz. Da hilft leider nur Zähne zusammenbeißen und: PReP. Denn mit diesem neuen Feature zerlegt der IScan das gelieferte Vollbild zunächst wieder in die beiden Fields, um dann frisch ans Werk zu gehen. Ganz schön clever, obwohl doch einfach und logisch... Wer diesen Modus nutzen möchte (der alle "p" Modi unterstützt), sollte den Scaler im Player so simpel und primitiv wie möglich arbeiten lassen. Ein einfaches Weave in den Deinterlace-Einstellungen ist ausreichend. Das Problem bei dem von uns genutzten Pioneer 868: Dieser macht bei 576i einen furchtbaren Overscan, der erst bei 576p verschwindet. Dann allerdings arbeitet bereits der interne Scaler. Diesen konnten wir allerdings mit den Direct-Einstellungen dazu zwingen, sich absolut passiv zu verhalten. Wie gut, dass der VP50 PReP kann und somit aus dem progressiven Signal intern wieder eins mit Interlacing generiert...

Ton nimmt der VP50 wahlweise über HMDI, optisch oder coaxial entgegen, alle drei Eingänge lassen sich für den Ton wählen. Ausgegeben wird am Ende wieder per HDMI, optisch oder coaxial. Ton im VP50? Ja, das macht Sinn, denn leider arbeitet ein Scaler nicht ohne Latenz. Der neueste Spross aus dem Hause DVDO benötigt im Ernstfall ganze drei Frames und macht somit das Bild zum Ton merkbar asynchron. Deshalb bieten viele Receiver eine Lip-Sync-Funktion, was jedoch tun, wenn der Versatz je nach gewähltem Algorithmus anders ist? Der IScan sorgt ständig selbst für das richtige Delay und bietet, obendrein, noch einmal 200ms wahlweise on top an, falls es noch an anderer Stelle zu Verzögerungen kommt. Der Haken an der Sache: Der VP50 unterstützt nur HDMI 1.1, so dass DVD-Audio, SACD und die neuen Tonformate wie Dolby TrueHD und DTS-HD usw. außen vor bleiben.


Erste Schritte:

Sind die Kabel erst einmal gesteckt und das Grundsetup vollzogen, gibt es zunächst nichts Spannendes zu sehen. Der Hintergrund ist blau und bleibt es auch, bis man etwas zuspielt. Zum Beispiel von der beigelegten Test-DVD oder aus dem VP50 selbst. Der hat nämlich diverse Testbilder gleich eingebaut und ermöglicht so die Displaykonfiguration ohne weitere Hardware. Dazu gibt es die üblichen Verdächtigen, aber auch Testbilder, die man speziell auf DVD nicht erzeugen kann. Denn während der TV-Standard 768 Pixel pro Zeile oder gar 1920 vorsieht, speichern digitale Zuspieler, wie z.B. DVD, nur 720 Pixel oder 1440. Der Rest wird durch Interpolation erzeugt und genau diese möchte man beim Messen nicht haben. Schließlich stellt sich die Frage: Zeigt das angeschlossene Display alle der 1280 oder 1920 Pixel pro Zeile oder wird das Bild noch einmal "bearbeitet"? Daher ist das Pixel-Testbild sehr hilfreich, das ein Muster aus schwarzen und weißen Pixeln erzeugt. Bei der geringsten Skalierung ergibt sich ein unschönes Muster, das sich am ehesten mit dem Wort Moiré beschreiben lässt. Sämtliche Testbilder wurden mit Bedacht gewählt und liefern einwandfreie Messwerte, wie wir über den analogen Ausgang am Oszilloskop feststellen konnten. Als besonders praktisch erweisen sich die Farbbalken auf DVD, denn sämtliche Testbilder sind mit denen des VP50 kompatibel. Durch Farbbalken mit Splitscreen kann der Anwender die gleichen Farbbalken von DVD zuspielen und prüfen, ob die Farbausgabe des Players korrekt und damit identisch zur Ausgabe des VP50 passiert. Wenn hier etwas merkwürdig aussieht oder nicht stimmt, dann ist eventuell im internen Setup des Players bereits eine Bildbearbeitung aktiviert.


Aktiver Kühlkörper auf FPGA und Speicher (K4S641632H-UC60) für Bildpufferung

Wer glaubt, dass der VP50 nur die bekannten und "echten" HD-Auflösungen unterstützt, der irrt, denn das Gerät kann noch weit mehr ausgeben. Angeboten werden 480p (720x480), 576p (720x576), 720p (1280x720), 1080i (1920x1080), 1080p (1920x1080), VGA (640x480), SVGA (800x600), XGA (1024x768), SXGA (1280x1024), 848x600, 852x480, 1024x576, 1024x1024 (ALIS), 1280x768, 1280x960, 1365x1024, 1366x768, 1400x788, 1400x1050, 1440x960, 1440x1152. Wir können nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, dass der Scaler das Display in der nativen Auflösung ansteuern kann, denn in genau dieser Disziplin spielt das Gerät seine Stärken aus. Die Auswahl einer nicht dem Display entsprechenden Auflösung führt zu einer weiteren Skalierung im Display und zu einer deutlichen Verschlechterung der Bildqualität.

Ist die Bildgröße erst einmal korrekt eingestellt, muss die Framerate gewählt werden. Hier spielt der IScan einen seiner größten Trümpfe aus, denn er skaliert nicht nur hervorragend, sondern kommt auch mit den verschiedensten Kadenzen klar. Damit ist gemeint, dass der VP50 die verschiedensten Konvertierungen von Filmmaterial auf Video erkennen kann. Am bekanntesten sind sicherlich der 2:2 bzw. 3:2 Pulldown. Ersterer findet statt, wenn Kinofilm auf PAL-Video gewandelt wird. Da Kinofilm mit 24 Vollbildern arbeitet, Video aber mit 50 Halbbildern, werden von jedem Filmbild einfach zwei Halbbilder abgleitet. Das hat allerdings zur Folge, dass der Film dann mit 50 Hz oder 25 fps läuft - also rund 4% zu schnell. Der 2:2 Pulldown ist vielen Heimkino-Fans unter dem etwas geläufigeren Namen PAL-Speedup bekannt. NTSC-Video arbeitet mit rund 30 (genau: 29,97) Bildern pro Sekunde. Um von 24 auf 30 zu kommen, bedient man sich eines Tricks, der näher in unserer FAQ zum "3:2 Pulldown" erklärt wird. Kurz gesagt macht man aus 24 Fps 60 Fields, also Halbbilder, was funktioniert, wenn man jeweils ein Filmbild auf 2 Fields und das nächste auf 3 Fields aufteilt. Dabei entsteht allerdings ein leichtes Ruckeln, weil ja eine lineare Bewegung nun nicht mehr 1:1 wiedergegeben wird, sondern 3:2. Im Vergleich zu 2:2, was zwar leicht zu schnell, aber linear passiert, ist 3:2 für viele Besitzer eines Heimkinos nicht akzeptabel. Zugegeben: NTSC-DVDs machen das schon immer, aber wir sind hier nun einmal weder in Amerika oder Japan noch augenkrank. Daher stößt vielen Zuschauern das Ruckeln durch den 3:2 Pulldown bei HD-DVDs und Blu-ray nun sauer auf. Der VP50 löst das Problem, vorausgesetzt das Display kann 24, 48 oder 72 Hz. Denn ist der 3:2 Pulldown durch Inverse Telecine erst einmal in 24p zurückgerechnet, lassen sich durch 2:2 oder 3:3 Pulldown eben 48 oder 72 Hz erzeugen. Da nur wenige Displays 24 Hz unterstützen, ist es sinnvoll, dass der VP50 noch 48 und 72 Hz anbietet, denn speziell 72 Hz wird von einigen Anbietern unterstützt. Durch diese Umrechnung entfällt das lästige Ruckeln des 3:2 Pulldowns komplett.

Die Frameraten lassen sich im Übrigen, und das ist eine Spezialität des VP50, gelockt oder ungelockt fahren. Gelockt bedeutet, dass der IScan sich an der Quelle orientiert und in Abhängigkeit von dieser arbeitet. Damit kann eben auch durch Inverse Telecine die Bildrate entsprechend angepasst werden. Ungelockt bedeutet, dass der IScan völlig unabhängig von der Quelle beispielsweise fest 60 Hz ausgibt, z.B. weil das angeschlossene Display ausschließlich 60 Hz unterstützt. In diesem Modus ist die Ausgabe auch "konstant", d.h. der IScan synct sich nicht neu auf Quellen, sondern regelt entsprechende Abweichungen über den Eingangspuffer. Dies erhöht das Delay der Verarbeitung ist daher speziell bei den Game-Modi ungeeignet. Aber: Es gibt eben keine hässlichen Blue-Screens durch eine Format-Umschaltung. Wir empfehlen eindeutig den gelockten Betrieb, denn so holt man wirklich das Letzte aus dem VP50 heraus.

Generell kann der IScan nicht nur 2:2 und 3:2 Kadenzen erkennen, sondern noch eine ganze Reihe mehr. Was der VP50 ebenfalls gut meistert ist die Mischung solcher Kadenzen und "Bad Edits". Hierbei handelt es sich um "Fehler" im Bildprogramm, z.B. wenn ein Film auf NTSC-DVD vorliegt und gekürzt wurde. Wird der Schnitt erst nach dem 3:2 Pulldown vollzogen, so kann es passieren, dass an der falschen Stelle geschnitten und die 3:2 Sequenz gestört wird.


Die Pflicht & die Kür:

Der VP50 verspricht Deinterlacing der Spitzenklasse, u.a. Edge-adaptive Bearbeitung, was kurz erklärt zu sauberen Kanten bei diagonalen Objekten führen soll. Wer solche Signale unbearbeitet zu Vollbildern konvertiert, bekommt schlimmste Ausreißer in Form von Zacken geboten, die den Sehgenuss deutlich trüben. Generell sind die Deinterlacing-Qualitäten des IScan erstaunlich gut und können, was SD-Material angeht, durchaus mit bekannten Schwergewichten wie Faroudja mithalten. Bei HD muss sich der IScan mit dem VXP von Gennum vergleichen lassen. Wir testeten mangels Stress-Test Material in HD (leider ist die Digital Video Essentials - HD-DVD immer noch nicht lieferbar... Hallo Joe Kane Productions, wir warten! :-)) zunächst die SD Eigenschaften des VP50, was jedoch für die meisten Nutzer das Anwendungsgebiet ausmachen dürfte. Denn Filme werden ja auch in HD progressiv geliefert, selbst wenn einige Player speziell nur 1080i liefern. Dabei stammen zwei Fields immer vom selben Film Frame, was sich dann, zumindest bei der Speicherung auf Disc, PsF - Progressive segmented Frame - nennt. Hier kann der Deinterlacer einfach zwei Halbbilder kombinieren (weave), um zum gewünschten Filmbild zu kommen.

Bei SD ist dies freilich anders, speziell dann, wenn die Anbieter Murks liefern. Damit möchten wir liebevoll umschrieben haben, was so mancher DVD-Produzent in deutschen Landen seinen Kunden zumutet. Speziell gerne gesehen: Mangas oder Bollywood-Streifen, die in NTSC angeliefert werden. Ist das Ausgangsmaterial Film, so wurde hier bereits ein 3:2 Pulldown durchgeführt. Richtig hässlich, sowohl technisch als auch vom Bildeindruck her, wird es dann, wenn nun für das PAL-Territorium von NTSC wieder zu PAL gewandelt wird. Endlose Ruckler sind die Folge. Hier versucht der VP50 zu retten, was zu retten ist und bietet, sofern möglich, einen echten 2:2 Pulldown an. Ebenfalls beeindruckend: ist das zugespielte Material gemischt (Video-Scroll-Text über Film, der mittels 2:2 Pulldown gewandelt wurde), werden beide Ebenen soweit wie möglich getrennt behandelt.

Die Test-Sequenzen von Peter Finzel absolviert der VP50 ohne größere Schwierigkeiten, wenngleich speziell bei den gemeinen Tests auch der VP50 ins Schwitzen gerät. So verfällt er bei der Verwendung des "Burst Vertikalauflösung" im Auto-Modus leider an einigen Stellen in den Filmmode, obwohl das Material in diesem Fall interlaced bearbeitet werden müsste. Hier muss der Anwender von Hand eingreifen, was allerdings schnell und einfach funktioniert. Sehr angetan waren wir von den Ergebnissen mit dem 100 Hz Testbild der Finzel-Disc. Die verschieden schnellen Schriften löste der VP50 meisterlich und ohne Ruckler oder andere Beeinträchtigungen auf. Die wählbaren Modi halten sich in Grenzen: Auto, Film, Video, 2:2 Even, 2:2 Odd, Game 1 und Game 2. Während Film für Film im Allgemeinen steht, sind speziell 2:2 Even und 2:2 Odd erwähnenswert. Sie zwingen den Deinterlacer, das Bild als PsF-Quelle zu betrachten, lassen dem Anwender allerdings die Wahl, in welcher Abfolge die Zeilen zu verwenden sind. Somit lassen sich auch schlecht gemasterte DVDs, wie z.B. Paramounts "Mein Name ist Nobody", bei der viele eingebaute Scaler (zu Recht) das Handtuch werfen, problemlos wiedergeben. Im vorliegenden Fall erkannte der VP50 sogar von selbst die richtige Reihenfolge. Die beiden Game-Modi sehen letztlich nicht so gut aus, wie z.B. Auto, dafür sind sie aber schneller. Dabei fügt der letzte von beiden auch Edge-adaptive Processing hinzu, allerdings auf Kosten der Latenz, die dann fast zwei Frames ausmacht.

Weitere Tests führten wir mit der beigelegten NTSC-Disc durch. Hier kann der IScan beweisen, was in ihm steckt. Allerdings gilt hier der Heimvorteil, schließlich konnten die Kalifornier ihren Boliden ausgiebig für die Pflicht trainieren. Dennoch ist z.B. die Montage verschiedenster Video-Materialien aufschlussreich, brachte sie doch an durchaus einigen Stellen den eingebauten Deinterlacer unseres Pioneer 868, den der Spezialist Faroudja liefert, aus dem Tritt. Der VP50 muss sich nicht bemühen, gibt er doch die Sequenz, mit Ausnahme des Papierstapels vor dem Clown, gänzlich artefaktfrei wieder. Die Papiere hingegen zittern leicht, was aber insgesamt noch ein sehr gutes Ergebnis darstellt. Faroudja musste sich u.a. bei der Rollerbladerin und dem Schatten des Gitters komplett geschlagen geben und präsentierte hässliche Klötzchenbildung durch effektive Halbierung der Auflösung.

Die Fernbedienung macht den VP50 auf für Couchpotatoes interessant. Leider wirkt der Infrarotgeber recht günstig fabriziert, die nicht selbstleuchtenden Tasten sind im Dunkeln kaum zu erkennen. Dagegen wirkt die HD-DVD Fernbedienung der XBOX360 geradezu teuer und elegant.


Besonderheiten:

Wer heute einen Scaler auf den Markt bringt, muss Innovation zeigen. Beim VP50 sind das ABTs AutoCUE-C und ABTs Precision Gamma Correction. AutoCUE-C repariert, was der Player versaut hat. Denn durch die Speicherung von progressiven Bildern mittels Interlacing (PsF), kann es sein, dass der Decoder bei vier aufeinander folgenden Zeilen jeweils die mittleren beiden vertauscht. Näheres dazu erklärt unsere FAQ zum Chroma Upsampling Error ("CUE"), die momentan allerdings noch fertig geschrieben wird. Der VP50 kann diesen Fehler erkennen und reparieren. Allerdings deutet der Fehler auf einen schlechten MPEG-Decoder hin. Unser 868 ist zum Test hervorragend geeignet. Während das HDMI-Signal zu 99% fehlerfrei ist, zeigt der analoge Ausgang den Fehler ganz deutlich. Ein Druck auf die Option am VP50 genügt, und schon stimmt die Sortierung der Farbzeilen. Speziell der Siemens-Stern der Finzel-Disc liefert ein Ergebnis, wie wir es zuvor noch nicht gesehen haben. Die Gamma-Korrektur ist brauchbar (wenngleich nicht besonders fein einstellbar, da nur ein Wert pro Kanal gesetzt werden kann), allerdings nur mit einem Messgerät und entsprechender Software, z.B. ColorFacts von Milori, einsetzbar und erlaubt eine getrennte Bearbeitung der Gamma-Kurven für Rot, Grün und Blau. Auffällig ist, dass der VP50 im Gegensatz zu einigen Konkurrenten keinen Denoiser zu bieten hat. Speziell bei nicht optimal gemasterten DVDs könnte dies noch einmal gehörig die Bildqualität heben. Doch dank des modularen Aufbaus mittels FPGAs besteht vielleicht noch Hoffnung - denn durch ein Software-Update können auch sämtliche Algorithmen geändert werden. Ob und wann diese Funktion vielleicht doch noch kommt, konnte und wollte man uns noch nicht verraten...

Der innere Aufbau des VP50 wirkt sauber und durchdacht. Die Elektronik des Bildwandlers ist so aufwändig, dass das Herzstück sogar aktiv gekühlt werden muss. Durch den federnd gelagerten Lüfter werden jedoch keine störenden Vibrationen auf das Gehäuse geleitet, so dass der Quirl während des Betriebs effektiv nicht zu vernehemen ist.


Bildeindruck:

Lässt man den VP50 auf computergeneriertes Material einer gut gemasterten DVD los, so muss sich jede HD-Quelle sehr ins Zeug legen. Denn dann gibt es nur marginale Unterschiede zu entdecken. Speziell Pixar-Filme waren bei 2,5 m Bildbreite eine Augenweide. Auch richtig gut gemachte Realfilm-Umsetzungen, wie "Training Day", "Space Cowboys" oder "Constantine" (alle drei von Warner und speziell die ersten beiden nahezu ungefiltert), wirft der VP50 mit enorm viel Detailreichtum auf die Wand. Dabei werden die scharfen Bilder so gut hochgerechnet, dass auch im Vergleich zu den uns vorliegenden HD-Fassungen (Test ebenfalls bald bei uns) die sonst so großen Unterschiede annehmbar klein werden. Bei der Schärfe muss der Anwender experimentieren, uns gefiel bereits die Voreinstellung "0" nicht so ganz. Denn hier schärft der Prozessor bereits so effektiv nach, dass uns bisweilen die Natürlichkeit des Bildes fehlte. Selbst bei -1 war das Bild in vielen Fällen immer noch scharf und - unserer Meinung nach - gleichzeitig natürlich. Großes Gefühlskino skaliert der IScan perfekt mit viel Fingerspitzengefühl, ohne digitale Kälte mit einfließen zu lassen. Speziell Doppelkonturen durch billige Nachschärfung führt der VP50 nicht im Repertoire, was unsere Tester angenehm beeindruckte. Als störend nahmen wir leider immer wieder Artefakte wahr, mit denen der VP50 nicht so gekonnt umgeht. Zwar erzeugt er selbst keine, gibt dem Anwender aber leider auch keine Möglichkeit, bestehende Fehler zu eliminieren. Mit Blick in das Innere des neuesten IScans und in Richtung Konkurrenz (z.B. Crystalio II 3300) bleibt nur zu hoffen, dass entweder ein FPGA Update Denoising und Artefaktunterdrückung mitbringt, oder eine separate Zusatzkarte (der Pfostenstecker ist ja vorhanden) weiteres Processing ermöglicht. Schlecht gemachte DVDs gibt es ja immerhin - wir müssen das wissen - leider viele.


Fazit:

Selbst dieser Test wird den umfangreichen Möglichkeiten die der VP50 bietet kaum gerecht. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten und zu umfangreich die Optionen, als dass man alles binnen weniger Tage ausprobieren könnte. Wir waren vom Zugewinn bei der Wiedergabe so beeindruckt, dass wir den IScan VP50 dauerhaft als Scaler in unser Referenzequipment aufnehmen. Speziell in Kombination mit dem VW50 "Pearl" von Sony kann der Prozessor alle seine Vorteile ausspielen. Richtig tolle HD-DVDs wie "Space Cowboys", "Chronicles of Riddick" oder "Constantine" sehen dank Inverse Telecine wahrlich nach Film aus. Auch wenn rund 3.480,- Euro Listenpreis kein Pappenstiel sind - wer den VP50 erst einmal in Aktion gesehen hat, steckt in einer echten Zwickmühle. Falls der Partner auch eine Passion für Film hat, empfehlen wir unbedingt einen gemeinsamen Besuch beim Heimkino-Händler des Vertrauens. Doch Achtung: Den VP50 gibt es nur im wirklich gut sortierten Fachhandel und garantiert nicht im Elektro-Discounter. Informationen zu Bezugsquellen gibt es in unseren Links.




Bildqualität:

(hervorragend)
Verarbeitung:
(gut)
Bedienung:
(gut - sehr gut)
Preis/Leistung:
(gut)

Positives Negatives
+ bestechende Skalierungs-Engine - dürftige Fernbedienung
+ Deinterlacing der gehobenen Klasse - kein Denoiser
+ stimmige und schnelle Menüführung - fehlender HD-SDI Eingang
+ komplett durch Software upgradebar - nur HDMI 1.1
- knappe Anleitung
   
     
 
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